Immer wieder melden Länder Höchstwerte bei den Neuinfektionen, so beispielsweise am Wochenende auch Indien. FOTO: DPA
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Immer wieder melden Länder Höchstwerte bei den Neuinfektionen, so beispielsweise am Wochenende auch Indien. FOTO: DPA

"Ocean Viking"

WHO: Rasanter Anstieg

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Genf- Weltweit gesehen steigt die Zahl der nachgewiesenen Neuinfektionen seit Beginn der Corona-Pandemie immer weiter an. So meldete die Weltgesundheitsorganisation WHO am Wochenende einen Rekord: Binnen 24 Stunden seien 212 326 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 gemeldet worden (Stand 4.7. 10 Uhr), hieß es in einem WHO-Bericht. Die Zahl der täglich gemeldeten Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus ist hingegen seit Anfang Mai vergleichsweise stabil.

Die meisten Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden wurden dabei in Nord- und Südamerika (129 772) gemeldet. Davon entfielen allein mehr als 53 000 Fälle auf die USA und mehr als 48 000 auf Brasilien. Grund für steigende Infektionszahlen können sowohl ein tatsächliches Plus an Ansteckungen als auch umfangreichere Tests sein. Insgesamt geht die WHO bisher von mehr als elf Millionen Infektionen mit dem Coronavirus weltweit sowie von mehr als 523 000 Todesfällen aus. In absoluten Zahlen verzeichneten demnach die USA (mehr als 2,7 Millionen), Brasilien (mehr als 1,5 Millionen) und Russland (mehr als 674 000) zuletzt die meisten Infektionen insgesamt. Unter den europäischen Ländern hat Großbritannien mit mehr als 284 000 Fällen derzeit die meisten Infektionen.

In Deutschland niedriges Niveau

Die WHO-Zahlen weichen wegen unterschiedlicher Zählweisen und zeitlicher Verzögerungen immer etwas von den Zahlen der Johns Hopkins Universität in den USA ab. Die WHO hat mehrfach eindringlich darauf hingewiesen, dass die Pandemie nichts von ihrer Dynamik eingebüßt habe. Immer wieder melden Länder neue Höchstwerte bei den Neuinfektionen, so beispielsweise am Wochenende Indien und das Westjordanland. In Deutschland ist die Zahl der Neuinfektionen hingegen weiter auf relativ niedrigem Niveau. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge 239 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages (Datenstand 5.7., 0 Uhr). Allerdings sind die Daten nicht ganz vollständig, da Baden-Württemberg, Sachsen und das Saarland keine Angaben an das RKI übermittelt haben.

Für ein Ende der coronabedingten Maskenpflicht im Handel ist es aus Sicht mehrerer Bundesländer noch zu früh. Gegen ein zeitnahes Ende der Pflicht für den Mund-Nasen-Schutz in Geschäften sprachen sich am Sonntag Bayern, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Hamburg aus. "Im Verlauf der Pandemie hat sich die Expertenmeinung gefestigt, dass die Mund-Nasen-Bedeckung eine sehr wirksame Maßnahme ist", argumentierte beispielsweise Hamburgs Senatssprecher Marcel Schweitzer. Auch Nordrhein-Westfalen reagierte zurückhaltend. Die Debatte war ins Rollen gekommen, nachdem sich der Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern für ein baldiges Ende der Maskenpflicht in seinem Land ausgesprochen hatte - und dafür von seiner Regierungschefin Manuela Schwesig gebremst wurde. dpa

Berlin- Ein Comeback der Wehrpflicht - auch als Mittel gegen Rechtsextremismus in der Truppe? Die neue Wehrbeauftragte Eva Högl hat am Wochenende mit einem entsprechenden Vorstoß eine kontroverse Debatte ausgelöst. Die Sozialdemokratin bekam auch aus den eigenen Reihen viel Widerspruch. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sprach sich gegen eine Rückkehr zur Wehrpflicht aus - und kündigte stattdessen überraschend einen neuen Freiwilligendienst in der Bundeswehr an.

Der neue Dienst als Ergänzung zum freiwilligen Wehrdienst soll ab 2021 unter dem Titel "Dein Jahr für Deutschland" eingeführt werden, wie Kramp-Karrenbauer am Samstag sagte. Jugendliche, die sich für den Dienst entscheiden, sollen in ihrer jeweiligen Heimat eine sechsmonatige militärische Grundausbildung erhalten und anschließend für sechs Monate heimatnah zu Reservediensten herangezogen werden. Die Ministerin reagierte mit der Ankündigung des neuen Dienstes auf den Vorstoß Högls und zog die Bekanntgabe der Pläne vor.

Högl hatte angesichts rechtsextremistischer Vorfälle in der Bundeswehr eine Wiedereinführung der Wehrpflicht zur Diskussion gestellt. Die SPD-Politikerin sagte auf die Frage, ob sie für die Wiedereinführung sei: "Natürlich müssen wir das Problem der Wehrgerechtigkeit im Auge behalten. Es tut der Bundeswehr jedenfalls sehr gut, wenn ein großer Teil der Gesellschaft eine Zeit lang seinen Dienst leistet. Das erschwert es auch, dass sich Rechtsextremismus in der Truppe breit macht."

Ministerin begrüßt Vorstoß

Zuletzt waren immer wieder Fälle von Rechtsextremismusverdacht bei aktiven und ehemaligen Soldaten aufgetaucht, darunter bei der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK). Auf dem Grundstück eines KSK-Soldaten in Sachsen war ein Waffenlager ausgehoben worden. Kramp-Karrenbauer hatte als Konsequenz angekündigt, das KSK umzustrukturieren und eine Kompanie aufzulösen.

2011 war die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland und damit auch der Zivildienst ausgesetzt worden. Die Bundeswehr wurde so zu einer Freiwilligenarmee. Beim freiwilligen Wehrdienst geht es um eine Dauer von sieben bis 23 Monaten.

Kramp-Karrenbauer nannte die von Högl angestoßene Debatte interessant. Sie sagte aber: "Es geht nicht darum, einfach die Wehrpflicht alter Form wieder aufleben zu lassen, es geht auch nicht darum, das insbesondere zu sehen als einen Kampf gegen Rechts. Sondern es geht um die Frage, was uns in dieser Gesellschaft zusammenhält, was der Kitt ist und wie wir die stärken, die für diese Gesellschaft wirklich etwas tun wollen."

Die Wehrpflicht sei auch aus Gründen der mangelnden Wehrgerechtigkeit ausgesetzt worden. dpa " Seite 4

Hongkong/Berlin- Zahlreiche deutsche Politiker haben sich angesichts des umstrittenen Sicherheitsgesetzes für Hongkong kritisch zum Vorgehen Chinas geäußert. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) warnte vor einer Bedrohung durch die Volksrepublik. "Von China gehen hybride Bedrohungen aus, denen wir uns stellen müssen", sagte er. Dies betreffe etwa Spionage.

Der Grünen-Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer rief die Bundesregierung auf, das Auslieferungsabkommen mit Hongkong auszusetzen. Aus der FDP kam die Forderung, die Einreise für Hongkonger Bürger nach Deutschland zu erleichtern. dpa

Zagreb- Die regierende Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ) hat nach einer Prognose die Parlamentswahlen in Kroatien klar für sich entschieden. Bei dem Urnengang am Sonntag errang die konservative Partei 61 von 151 Mandaten, wie das kroatische Fernsehen HRT berichtete. Die oppositionellen Sozialdemokraten (SDP) kamen demnach auf 44 Mandate.

Die HDZ unter Führung von Ministerpräsident Andrej Plenkovic schnitt damit deutlich besser ab, als es letzte Umfragen nahegelegt hatten. Für die Bildung der nächsten Regierung wird sie aber Partner brauchen. dpa

Washington- Donald Trump setzt vier Monate vor der Präsidentenwahl in den USA auf eine düstere und polarisierende Botschaft: Er inszeniert sich als Retter, der das Land vor "wütenden Mobs", der Auslöschung seiner Geschichte und vor "linksradikalem Faschismus" schützen will. In Ansprachen zum Unabhängigkeitstag der USA setzte Trump am Wochenende ganz auf linke Feindbilder. Die Krise, die das Land schwer erschüttert - die zunehmend außer Kontrolle geratende Coronavirus-Pandemie - erwähnte er hingegen nur am Rande. "Unsere Nation erlebt eine gnadenlose Kampagne zur Auslöschung unserer Geschichte, zur Diffamierung unserer Helden, zur Ausradierung unserer Werte und zur Indoktrinierung unserer Kinder", sagte Trump am Vorabend des Nationalfeiertags, den die USA am Samstag begingen.

Trump warf den Linken vor, in den Städten eine "Welle von Gewaltverbrechen" auslösen zu wollen. Es gebe einen "neuen linksradikalen Faschismus, der absolute Gefolgschaft einfordert". dpa " Seite 4

Rom- Italien hat die 180 Migranten auf dem privaten Rettungsschiff "Ocean Viking" auf das Coronavirus testen lassen und plant ihre Übernahme auf ein Quarantäneschiff. Der Wechsel der aus Seenot Geretteten auf die "Moby Zaza" sei für den heutigen Montag vorgesehen, hieß es am Samstag von Quellen im Innenministerium in Rom. Das tagelange Tauziehen der Helfer von SOS Méditerranée mit den Behörden dauerte trotzdem am Sonntag erst noch an: Die Schiffsbetreiber mussten bis zum späten Nachmittag auf Informationen warten. Dann bekam das Schiff die Anweisung, nach Porto Empedocle auf Sizilien zu laufen.

In dem Hafen des Ortes bei Agrigent liegt auch das italienische Quarantäneschiff "Moby Zaza". Es herrsche "Erleichterung auf der Ocean Viking", schrieb eine Sprecherin von SOS Méditerranée in Deutschland. "Die unnötige Verzögerung hat Leben in Gefahr gebracht." Ob die Menschen an Land oder aufs Schiff kämen, wisse man nicht. dpa

Paris- Nach dem Rücktritt der französischen Regierung hat die Justiz wegen Vorwürfen im Umgang mit der Corona-Krise gegen den bisherigen Premier Édouard Philippe und zwei Ex-Minister Untersuchungen eingeleitet. Ihnen wird fehlende Bekämpfung einer Katastrophe vorgeworfen, wie mehrere französische Medien übereinstimmend berichteten. Die Untersuchungen richten sich neben Philippe gegen die Ex-Gesundheitsministerin Agnes Buzyn und ihren Nachfolger Olivier Véran.

Unterdessen wird in Frankreich mit Spannung erwartet, wie die neue Regierung aussehen wird. dpa

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