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Svenja Schulze fällt Urteil zu aktuellem Klima-Monitoringbericht der Bundesregierung.

„Alarmierend“

Immer mehr „heiße Tage“: Ministerin mit drastischem Urteil über Klima-Folgen für Deutschland

Der Klimawandel hinterlässt in Deutschland immer heftigere Spuren. Laut einem neuen Bericht der Bundesregierung kam es wegen der Hitze sogar zu mehr Todesfällen.

  • Am Dienstag (26. November) legt die Bundesregierung den Klima-Monitoringbericht vor.
  • Die Folgen des Klimawandels lassen sich immer besser erkennen.
  • Bundesumweltministerin Svenja Schulze spricht über „alarmierende“ Befunde.

Berlin - Vertrocknete Ernten und Wälder, Niedrigwasser in Flüssen, Sturmfluten an der Küste: Die Deutschen bekommen den Klimawandel einem am Dienstag (26. November) vorgestellten Bericht der Bundesregierung zufolge in vielen Bereichen zu spüren.

Die Folgen der globalen Erderwärmung lassen sich zudem immer besser belegen: Zu diesem Befund kommt der zweite Klima-Monitoringbericht. Durch die Erderwärmung komme es zu mehr Gesundheitsrisiken durch die Hitzebelastung, einem Anstieg der mittleren Oberflächentemperatur der Nordsee sowie zu stärkeren Ertragsschwankungen in der Landwirtschaft. 

Klimawandel: Erhöhte Anzahl der Todesfälle wegen Hitzeperiode in Deutschland

Demnach sind im Jahr 2003 rund 7500 Menschen mehr gestorben als ohne Hitzeperiode zu erwarten gewesen wäre. In den Jahren 2006 und 2015 gab es jeweils 6000 zusätzliche Todesfälle.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze nannte die Befunde „alarmierend“ und erklärt: „Es ist nicht auszudenken, was es bedeuten würde, wenn sich das in dieser Geschwindigkeit wirklich fortsetzen würde.“ Dem Bericht zufolge erhöhte sich die mittlere Lufttemperatur in Deutschland von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad. Allein in den letzten fünf Jahren stieg diese um 0,3 Grad an. „Die Folgen des Klimawandels treten immer deutlicher zutage“, sagte Ministerin Schulze. „Dem können wir nur mit vorsorgendem Klimaschutz und konsequenter Anpassung an den Klimawandel begegnen.“

Laut Svenja Schulze sind die Befunde des Klima-Monitoringberichts „alarmierend“.

Klimawandel in Deutschland - „weitreichende Folgen für Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit“

Erstellt wurde der Bericht von Schulzes Ministerium und dem Umweltbundesamt (UBA). Dessen Präsidentin Maria Krautzberger sagte: „Deutschland steckt mittendrin in der Erderhitzung, mit weitreichenden Folgen für Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit.“ Es müsse „dringend vorgesorgt werden, um diesen Folgen zu begegnen“.

Krautzberger verwies darauf, dass die Erhöhung der mittleren Temperatur durch den Klimawandel in Deutschland mit einer höheren Anzahl „heißer Tage“ verbunden sei - dies sind Tage, an denen die Temperaturen über 30 Grad steigen. Deren Zahl sei seit 1951 von etwa drei auf derzeit etwa zehn Tage pro Jahr gestiegen. Das setze auch den Menschen zu, vor allem in den Städten.

Svenja Schulze (SPD) fordert konkrete Auswirkungen der Klima-Erkenntnisse für Alltag

Im Alltag müsse die Entwicklung konkrete Auswirkungen haben, sagte Ministerin Schulze: „Beim Klimaschutz geht es eben nicht nur um Gletscher und Eisbären, es geht auch um unsere Lebensgrundlagen hier in Deutschland.“ Die Klima-Entwicklung erfordere beispielsweise, sich bei allen Bau- und Infrastrukturprojekten besser vor Beeinträchtigungen durch Hitze, Starkregen oder Hochwasser zu wappnen.

Das gelte insbesondere auch für die städtischen Wohngebiete. Begrünte Dächer und Gebäudefassaden, Wasserflächen und verschattete Plätze linderten hier Hitze und verbessern den Regenwasserrückhalt, sagte die Ministerin. Sie verbesserten zugleich die Luftqualität. „Eine solche nachhaltige Klimaanpassung macht unsere Infrastruktur nicht nur robuster, sie sichert auch den Standort Deutschland und bringt einen Mehrwert für unsere Lebensqualität.“ 

Laut Olaf Scholz klimafreundliche „Kehrtwende“ durch neuen Haushaltsentwurf

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sieht mit seinem Haushaltsentwurf 2020 eine klimafreundliche „Kehrtwende in der Finanz- und Wirtschaftspolitik“ eingeleitet. Seine Vorlage nehme eine „Weichenstellung für die nächsten Jahrzehnte“ vor, sagte Scholz in der Haushaltsdebatte des Bundestags. Sie ziele darauf ab, dass Deutschland im Jahr 2050 klimaneutral wirtschaften könne und dennoch „wirtschaftlich an der Spitze“ stehe. Erst im Sommer dieses Jahres schockierte der Weltklimarat mit einem alarmierenden Bericht.

Auch die aktuelle Prognose für Deutschlands Wetter ist sehr durchmischt und wechselhaft.

jw/dpa/AFP

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