Der neue Hoffnungsträger: Dr. Anthony Fauci (r.) bei der täglichen Pressekonferenz des US-Präsidenten Donald Trump zum Kampf gegen die Corona-Pandemie. FOTO: AFP
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Der neue Hoffnungsträger: Dr. Anthony Fauci (r.) bei der täglichen Pressekonferenz des US-Präsidenten Donald Trump zum Kampf gegen die Corona-Pandemie. FOTO: AFP

Weißes Haus setzt jetzt auf Dringlichkeit

  • vonThomas J. Spang
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Jennifer Haller (43) fühlte sich nach dem Erhalt der Spritze mit dem experimentellen Impfstoff "großartig". Die Mitarbeiterin eines kleinen Technologieunternehmens in Seattle meldete sich freiwillig, um den auf "Nukleinsäuren" basierenden Wirkstoff als erste Person an sich testen zu lassen. "Das ist eine wunderbare Möglichkeit für mich, etwas zu tun", sagt Jennifer. "Wir fühlen uns alle so hilflos."

Beim Verlassen des Behandlungszimmers im Kaiser-Permanente-Forschungszentrum huschte ein schüchternes Lächeln über ihr Gesicht. Anschließend erhielten drei weitere Personen eine Gabe des experimentellen Impfstoffs, den das staatliche National Institute of Health (NIH) zusammen mit der privaten Biotech-Firma Moderna in Rekordzeit entwickelt hat.

Der für Infektionskrankheiten zuständige Direktor des NIH, Dr. Anthony Fauci, meinte, zwischen der genetischen Entschlüsselung des Covid-19-Virus durch chinesische Forscher und der Entwicklung des Impfstoffs hätten gerade einmal 65 Tage gelegen. Er könne sich nicht an ein ähnlich rasantes Forschungstempo erinnern. Mit der Geschwindigkeit kommen Risiken. Haller und die 44 anderen gesunden Probanden zwischen 18 und 55 Jahren geben sich freiwillig dafür her, die Sicherheit des Impfstoffs mit dem Namen "mRNA-1273" an sich testen zu lassen. Dafür werden unter normalen Umständen Labortiere eingesetzt. Das ist in diesem Fall nicht möglich, weil es bisher noch nicht gelungen ist, Mäuse zu züchten, die man mit der Lungenkrankheit infizieren könnte.

Die Testteilnehmer können durch die Impfung nicht an dem neuen Erreger erkranken, weil der Wirkstoff nicht wie üblich aus abgeschwächten Lebendviren besteht, sondern aus Nukleinsäuren. Diese sollen die Körperzellen der Testpersonen selbst zur Produktion von Antikörpern anregen.

Vakzine lassen sich mit dieser Methode deutlich schneller herstellen. Theoretisch sind sie auch sicherer. Das Risiko besteht in ihrer Wirksamkeit. In mehr als zwei Jahrzehnten Forschung hat diese Technologie noch keinen zugelassenen Impfstoff gegen ein Virus hervorgebracht.

Zwölf bis 18 Monate bis Masseneinsatz

Fauci sagte, selbst wenn alles in dem Test optimal verlaufe und die Wirksamkeit in einem Folgetest bestätigt werde, werde es zwölf bis 18 Monate dauern, ehe der Impfstoff für den Masseneinsatz zur Verfügung stünde. Moderna-Chef Stéphane Bancel versprach, die Entwicklung aggressiv voranzutreiben. Die Firma kaufe bereits neues Equipment für ihre Produktionsanlage in Norwood im US-Bundesstaat Massachussetts, um schnell im großen Stil den potenziellen Impfstoff produzieren zu können. "Jeder Tag zählt", sagt Bancel. "Wir haben uns für dieses Risiko entschieden, weil es richtig ist, das zu tun."

Neben Moderna beteiligen sich weltweit Biotech-Firmen an dem globalen Wettlauf, einen Impfstoff gegen das Coronavirus zu finden. Da es bisher weder einen Schutz noch ein Medikament zur Behandlung gibt, versuchen Regierungen rund um die Welt, die Verbreitung des Erregers durch drastische Maßnahmen einzuschränken.

Nachdem Donald Trump über Wochen die Gefahren durch das Virus heruntergespielt hat, änderte er Anfang der Woche seinen Ton. Der US-Präsident riet Amerikanern, Treffen mit mehr als zehn Personen zu vermeiden. Trump schlägt nun ein Hilfsprogramm in Höhe von 850 Milliarden Dollar vor, dass die Konsequenzen für die Bürger und Unternehmen abmildern soll.

Da der einzige Weg, die Verbreitung des Virus einzuschränken, nach Überzeugung von Experten zurzeit darin besteht, den Kontakt zwischen Menschen zu minimieren, haben US-Bundesstaaten und Städte bereits Schulen und Universitäten, Bars und Restaurants sowie Geschäfte geschlossen. New York bereitet Maßnahmen vor, die Bewohner der Stadt anzuhalten, in ihren Wohnungen und Häusern zu bleiben. Entsprechende Anordnungen sind in San Francisco bereits in Kraft. Ungeachtet der rapide zunehmenden Unterbrechungen im Alltag der Amerikaner finden aber heute die Vorwahlen in drei von vier Bundesstaaten statt. tsp

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