Vor 75 Jahren befreite die Rote Armee das deutsche Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Holocaust-Überlebende und Delegationen aus 60 Ländern nahmen an der Erinnerungsfeier in der Gedenkstätte in Polen teil. FOTO: AFP
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Vor 75 Jahren befreite die Rote Armee das deutsche Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Holocaust-Überlebende und Delegationen aus 60 Ländern nahmen an der Erinnerungsfeier in der Gedenkstätte in Polen teil. FOTO: AFP

"Die Wahrheit schützen"

  • vonDPA
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Oswiecim/Berlin- 75 Jahre nach der Befreiung des deutschen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau hat Polens Präsident Andrzej Duda gestern bei einer Feierstunde vor einem Verzerren der Geschichte gewarnt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier forderte, bereits gegen Ansätze von Antisemitismus entschieden vorzugehen. Bei einer Gedenkveranstaltung im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York warnte UN-Generalsekretär António Guterres vor einer weltweiten Ausbreitung des Antisemitismus. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von einer "unerträglichen Wiederbelebung des Antisemitismus".

Botschaft bewahren

Am 27. Januar 1945 hatten Einheiten der Roten Armee das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau erreicht und rund 7500 Häftlinge befreit. Zum Gedenken fand am Montag in dem ehemaligen Konzentrationslager eine Feierstunde mit Delegationen aus rund 60 Ländern und Organisationen sowie 200 Überlebenden statt. In Berlin wurde ebenfalls an die Befreiung des Konzentrationslagers erinnert.

Duda sagte, im Namen der Republik Polen erneuere er die Verpflichtung, die Erinnerung zu pflegen und die Wahrheit darüber zu schützen, was in Auschwitz passiert sei. Er forderte die Gäste dazu auf, vor den letzten Überlebenden und Augenzeugen die gemeinsame Verpflichtung einzugehen, "die Botschaft und die Warnung für die Menschheit, die von diesem Ort ausgehen, in die Zukunft zu tragen".

Der Name Auschwitz hat sich als Synonym für den Holocaust und Inbegriff des Bösen weltweit ins Bewusstsein eingebrannt. Allein dort brachten die Nationalsozialisten mehr als eine Million Menschen um, zumeist Juden. In ganz Europa ermordeten sie während der Schoah etwa sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens. Duda warnte vor einer Umdeutung der Geschichte. "Das Verzerren der Geschichte, das Leugnen des Genozids und des Holocaust sowie eine Instrumentalisierung von Auschwitz sind gleichbedeutend mit einer Entehrung des Gedenkens an die Opfer." Die Wahrheit über den Holocaust dürfe nicht sterben. Duda spielte damit auch auf den Streit zwischen Warschau und Moskau an. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte kürzlich Polen eine Mitschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gegeben.

Versöhnliche Geste

Duda hatte am Donnerstag nicht am Holocaust-Forum in Yad Vashem teilgenommen, weil er dort im Gegensatz zu Putin keine Rede halten durfte. Vor der Gedenkfeier setzte Israels Präsident Reuven Rivlin auf eine versöhnliche Geste: Er lud Duda zu einem Besuch in seinem Land ein. Bundespräsident Steinmeier sagte nach seinem Rundgang durch die Gedenkstätte, man müsse es als bleibende Verantwortung begreifen, "den Anfängen zu wehren, auch in unserem Lande". Der polnische Überlebende Marian Turski (93) erinnerte daran, wie der Terror des NS-Regimes gegen die Juden mit kleinen unwesentlichen Einschränkungen der Bürgerrechte begann - etwa mit dem Verbot, sich auf bestimmte Parkbänke zu setzen. "Auschwitz fiel nicht vom Himmel." Auch in Berlin wurde der Opfer des Holocaust gedacht. Kanzlerin Angela Merkel rief dazu auf, sich gegen jede Form von Antisemitismus und Rassismus zu stellen. "Wir müssen dafür sorgen, dass sich alle Menschen in Europa sicher und zu Hause fühlen."

Auch der hessische Landtag gedachte der Opfer des Nationalsozialismus. In den Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung in Wiesbaden wurde die Verfolgung Homosexueller gerückt. Ministerpräsident Bouffier sieht Hetze und Antisemitismus mitten in der Gesellschaft angekommen und wünscht sich engagierte Demokraten. dpa " Seiten 4 + 5

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