Vertriebene Syrer erreichen die Provinz Homs in Zentralsyrien. FOTO: DPA
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Vertriebene Syrer erreichen die Provinz Homs in Zentralsyrien. FOTO: DPA

Vertriebene im eigenen Land

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Genf- So viele Menschen wie noch nie sind Vertriebene in ihrem eigenen Land. 45,7 Millionen Menschen lebten Ende vergangenen Jahres nach der Flucht vor Konflikten und Gewalt fernab ihrer Heimat, wie die Beobachtungsstelle für intern Vertriebene (IDMC) gestern in Genf berichtete. Im Jahr davor waren es 41,3 Millionen Menschen. Erstmals zählten die Autoren auch Binnenflüchtlinge, die vor Naturkatastrophen geflohen und bis Ende des Jahres noch nicht zurückgekehrt waren: Betroffen waren 5,1 Millionen Menschen. Darunter waren viele durch Dürre in Afghanistan und Monsunregen in Indien Vertriebene.

Allerdings waren im Verlauf des Jahres 2019 noch viel mehr Menschen auf der Flucht im eigenen Land: Neu wurden insgesamt 33,4 Millionen vertrieben, drei Viertel von ihnen wegen Umweltkatastrophen. Viele Menschen konnten dann vor Jahresende aber zurück in ihre Wohnorte. Dennoch sind die wirtschaftlichen Kosten durch Arbeitsausfall und ihre Versorgung enorm: 20 Milliarden Dollar (18,4 Mrd Euro) im Jahr.

Das Schicksal der Menschen, die zwar aus ihren Wohnorten vertrieben, aber nicht über Grenzen geflüchtet seien, werde international zu wenig beachtet, meinte Jan Egeland, Chef der Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council, zu der die Beobachtungsstelle gehört. Unter den Ende 2019 Vertriebenen waren 18,3 Millionen Kinder unter 14 Jahren. Drei Viertel der Menschen lebten in zehn Ländern: Die meisten in Syrien, in Kolumbien, im Kongo, im Jemen und in Afghanistan.

Die deutsche Direktorin für Strategie und Forschung, Bina Desai, sieht gerade in der Corona-Krise eine Chance, die Lage in den betroffenen Ländern zu verbessern. "Zwar müssen ausländische humanitäre Helfer abziehen, aber die lokalen Kräfte sind ja vor Ort", sagte sie der dpa. Die Zivilgesellschaft müsse widerstandsfähiger gegen Gewalt und Konflikte gemacht werden.

Dabei müsse in Kauf genommen werden, mit Akteuren zusammenzuarbeiten, die nicht demokratisch legitimiert sind. Afghanistan etwa sei dabei, intern Vertriebenen Land zu geben. In Somalia setze die Regierung nicht mehr alles daran, Vertriebene an ihren einstigen Wohnort zurückzubringen. Manchmal wollten die Vertriebenen selbst lieber in ihrer neuen Heimat integriert werden, schreibt die Beobachtungsstelle. dpa

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