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Olaf Scholz

SCHLAGLICHT

Der Verlässliche

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Michael Boddenberg hat schon viele Posten bekleidet. Jetzt übernimmt er in der Corona-Krise eines der wichtigsten Ämter in Hessen. Der 60-Jährige gilt als Stabili sator von Schwarz-Grün in Wiesbaden. Eine Zusammenarbeit mit Linke und AfD lehnt er ab.

Michael Boddenberg ist neuer Finanzminister in Hessen. Der bisherige CDU-Fraktionsvorsitzende wurde gestern von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in der Wiesbadener Staatskanzlei zum Nachfolger des überraschend gestorbenen CDU-Politikers Thomas Schäfer ernannt, der sich nach den bisherigen Erkenntnissen das Leben genommen hat.

Es herrsche noch immer Fassungslosigkeit über Schäfers Tod, betonte der Regierungschef. "Doch wir müssen gerade in diesen schweren Zeiten handlungsfähig bleiben." Der Finanzminister und sein Ministerium würden dabei eine zentrale Rolle einnehmen. Boddenberg bringe Sachverstand, Erfahrung und Durchsetzungskraft mit, um in der Corona-Krise das Amt und die Aufgaben des Finanzministers erfolgreich zu meistern.

Der neue Finanzminister sagte, er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, den Posten zu übernehmen. "Ich habe schon sehr lange überlegt und natürlich auch mit meiner Familie gesprochen", erklärte der 60-Jährige. "Ich hatte eine andere Lebensplanung." Deshalb habe er auch eine schlaflose Nacht gehabt, bevor er zugesagt habe. Er lasse sich aber angesichts der großen Herausforderungen in der Corona-Krise nach dem tragischen Tod von Schäfer in die Pflicht nehmen. Wichtigste Aufgabe sei nun, "die historische Herausforderung" der Covid-19-Pandemie für Hessen und seine Bürger zu bewältigen, betonte Boddenberg. "Dafür werde ich mich rund um die Uhr und mit ganzer Kraft einsetzen."

Boddenberg erzählt gerne, dass er gelernter Fleischermeister ist. Seine beruflichen Wurzeln sieht man dem neuen hessischen Finanzminister mit seiner schmalen, hochgewachsenen Figur jedoch nicht an. In der hessischen CDU hat der 60-Jährige bereits mehrere herausragende Posten bekleidet.

Moderat im Ton, klar in der Haltung

Boddenberg, der gebürtig aus Troisdorf in Nordrhein-Westfalen stammt und schon lange in Frankfurt lebt, trat 1988 in die CDU ein. Elf Jahre später schaffte er erstmals den Sprung in den hessischen Landtag. Von 2001 bis 2009 war er Generalsekretär und Geschäftsführer der hessischen CDU.

Die nächsten fünf Jahre rückte er ins Kabinett als Minister für Bundesangelegenheiten und Bevollmächtigter des Landes beim Bund auf. Seit 2014 war Boddenberg Vorsitzender der CDU-Fraktion im hessischen Landtag.

Obwohl der verheiratete Katholik mit drei Kindern als konservativ gilt, ist er seit Beginn des schwarz-grünen Regierungsbündnisses in Hessen im Jahr 2014 eine wichtige Säule der Zusammenarbeit zwischen Christdemokraten und Ökopartei. Mit Grünen-Fraktionschef Mathias Wagner bildete er ein verlässliches Tandem im Landtag. Öffentlicher Streit zwischen den beiden grundverschiedenen Männern wurde während der gesamten Zusammenarbeit niemals laut.

Im Anzug und im Camper

Wenn Boddenberg im Landtag ans Podium tritt, redet er frei und agiert ohne abgelesenes Manuskript. Gerne wendet er sich in seinen Reden auch direkt an die Zuschauer im Plenum und versucht, gesellschaftliche Zusammenhänge zu erklären. So verbindlich Boddenberg bei diesen Reden im Ton auftritt, so eindeutig und grundsätzlich ist seine strikte inhaltliche Abgrenzung zu der Linken und der AfD.

Boddenberg, der öffentlich überwiegend in Anzug, Krawatte und mit Manschettenknöpfen am Hemd auftritt, hat in jungen Jahren in einer Band gespielt. Seine E-Gitarre der Marke Fender Stratocaster von 1973 hütet er bis heute. Im Urlaub ist er auch mal mit dem Camper oder Hausboot unterwegs, gerne mit einer politischen Biografie im Gepäck.

50 000

Der Bund will Unternehmen in Deutschland, die wegen der Corona-Krise kurzfristig in die Produktion von Schutzmasken einsteigen, vor finanziellen Risiken schützen. "Wir brauchen hierzulande eigene Produktionen, die wir jedenfalls für diese Zeit auf den Weg bringen müssen", sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Es gebe bereits eine ganze Reihe von Herstellern, die zur Maskenproduktion bereit seien.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) in der ARD-Sendung "hart aber fair extra" über die Rücklagen der Bundesagentur für Arbeit zur Finanzierung der Kurzarbeit.

Der zweitgrößte US-Autobauer Ford will im Kampf gegen die Corona-Krise zusammen mit dem Industriekonzern General Electric rund 50 000 Beatmungsgeräte in 100 Tagen herstellen. Die Produktion, so wurde berichtet, soll am 20. April beginnen und mit rund 500 Beschäftigten in drei Schichten fast rund um die Uhr laufen. Quelle: dpa/FOTO: DPA

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