Milizen

USA: Extremisten gehen in den Untergrund

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Extremistische Milizen werden seit dem Sturm aufs Kapitol stärker vom FBI beobachtet. Dadurch werden sie paranoid und tauchen unter, berichtet ein TV-Sender.

  • Das Repräsentantenhaus der USA musste eine Abstimmung wegen möglicher Angriffspläne auf das Kapitol verlegen.
  • Die Theorie von QAnon, dass Donald Trump den Demokraten Joe Biden am 4. März als US-Präsident ablösen würde, hat sich nicht bestätigt.
  • Trump-News: Alle Nachrichten zum 45. US-Präsidenten finde Sie auf unserer Themenseite.

Update vom Dienstag, 09.03.2021, 17.30 Uhr: Extremistische Milizen in den USA werden paranoid und tauchen unter. Das berichtete ein Reporter des TV-Senders „MSNBC“, als es um den Prozess gegen den mutmaßlichen George Floyd-Mörder Derek Chauvin ging. Es wird befürchtet, dass solche gewalttätigen Milizen, die auch am Sturm auf das Kapitol beteiligt gewesen sein sollen, vor dem Gericht auftauchen könnten.

Extremistische Bewegungen, die bei der US-Wahl zu großen Teilen hinter Donald Trump standen, verlagern ihre Aktivitäten offenbar in den Untergrund. (Archivfoto)

„Ich denke, es ist eine Frage der Durchsetzung“, sagte Reporter Cal Perry auf „MSNBC“. „Es gibt Gesetze in allen 50 Staaten gegen diese illegalen Milizen, die wir auch extremistische Gruppen nennen können. Und wenn es um Minnesota geht, ebenso wie es in den anderen 49 Staaten ist, werden diese Gesetze einfach nicht durchgesetzt“, so Perry. Deshalb rechne er damit, dass Milizen bei dem Prozess auftreten werden.

Extremistische Milizen „sind hochgradig paranoide Gruppen“

Das FBI gehe aber seit dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar in größerem Stil gegen extremistische Milizen vor. „Was man dann sieht, ist, dass diese Gruppen sich dann gegen sich selbst richten. Immer, wenn diese Gruppen anfangen, über Informanten zu reden ‒ und das sind hochgradig paranoide Gruppen“, ordnet der Reporter ein. Als er ein selbsternanntes Milizen-Mitglied interviewt habe, habe das Team nachher herausgefunden, dass sie das ganze Interview aufgenommen habe.

Mitglieder der Boogaloo-Bewegung, einer Miliz, bei einer Demonstration in Virginia.

„Sie hat uns filmen lassen. So paranoid sind diese Gruppen. Wenn sie das Gefühl bekommen, dass da Informanten mit dem FBI sprechen, werden sie nervös und gehen in den Untergrund. Das passiert gerade“, beschreibt Perry. Der Journalist wirft eine rhetorische Frage hinterher: „Die Frage ist, und ich glaube, wir kennen alle die Antwort auf diese Frage, warum ist das nicht unter der letzten Regierung passiert?“

„Es ist eine Falle“ - Warum Donald Trumps Amtseinführung ins Wasser fiel

Update vom Montag, 8.3.2021, 9.55 Uhr: Sowohl das FBI als auch Homeland Security (Ministerium für Innere Sicherheit) hatten vor einer möglichen Mobilisierung politischer Extremist:innen am 4. März gewarnt. Dann, so die Theorie der QAnon-Bewegung, hätte Donald Trump seinen Nachfolger Joe Biden wieder als US-Präsident ablösen sollen. Der Tag verlief jedoch ohne ernsthafte Zwischenfälle. Joe Biden ist zudem noch im Weißen Haus. Offenbar hatte man geglaubt, dass der 4. März eine „Falle“ der „Linken“ sei, wie Beiträgen verschiedener QAnon-Seiten zu entnehmen ist.

„Q hat uns mitgeteilt, dass der 4. März eine Falle ist“, hieß es von einem Nutzer eines Forums, das in etwa „Großes Erwachen“ heißt. „Alles, das dann geschieht, ist nicht von uns!“ Auch auf Telegram wurden deutliche Warnungen ausgesprochen: „Bleibt von JEDEM Event fern, das am 4. März abgehalten wird. Da ist potenziell etwas im Busch und wir müssen kein Teil davon sein.“ Vor allem war von „False-Flag“-Aktionen die Rede. Die Anhängerschaft der QAnon-Bewegung, die von den gängige sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram verbannt wurde, fühlte sich zunehmend durch das FBI beobachtet.

Trotz der Prophezeiungen von QAnon verlief der 4. März in Washington D.C. ohne Zwischenfälle (Foto vom 6. Januar).

QAnon: Ansturm der Trump-Fans bleibt aus – 4. März eine „False Flag“-Aktion

Update vom Freitag, 5.3.2021, 04.35 Uhr: Die für das US-Kapitol zuständige Polizei hat übereinstimmenden Medienberichten zufolge eine längere Unterstützung durch die Nationalgarde zur Sicherung des Parlamentsgebäudes beantragt. Im Falle einer Zusage würden die Soldaten noch bis Mai - also zwei Monate länger als geplant - am Kapitol im Einsatz sein, berichteten am Donnerstag unter anderem die „Washington Post“ und der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf Beamte im Verteidigungsministerium. Der ursprüngliche Plan sieht vor, dass der Einsatz von mehreren Tausend Reservisten kommende Woche endet. Das Pentagon verwies auf Anfrage auf die Kapitol-Polizei, von der zunächst keine Bestätigung für die Berichte zu erhalten war. 

QAnon: Ansturm der Trump-Fans bleibt aus

+++ 21.55 Uhr: Ist der 4. März vielleicht doch nicht der Tag, an dem Donald Trump die Macht ergreift und Joe Biden als US-Präsident ablöst? Die Sicherheitskräfte im Kapitol sowie die Polizei und das FBI bereiten sich schon seit Wochen auf weitere Unruhen seiner Anhängerschaft in Washington D.C. vor. Die „wahre“ Amtseinführung scheint heute allerdings nicht stattzufinden. In den QAnon-Gruppen im Internet rechtfertigt man sich – und spricht von gezielter Desinformation von Mainstream-Medien.

„Ich habe ein Gefühl, dass diese Geschichten einer ‚wahren Amtseinführung am 4. März‘ geplante Falschbehauptungen sind, um die Leute zu veräppeln, damit sie unsinnige Theorien verbreiten und die gesamte Bewegung dumm aussehen lassen“, schrieb ein Nutzer, der laut dem Medienforscher Alex Kaplan ein bekannter „QAnon-Influencer“ sein soll. „Warnung“, schrieb ein weiterer Nutzer. „All das unverantwortliche Gerede über den 4. März ist sehr wahrscheinlich nur ein Komplott, um Mitglieder der Q-Gemeinschaft als Extremisten ins Visier zu nehmen. Sagt es weiter und geht an diesem Tag NICHT zu großen Events.“

Die Nationalgarde sichert das Kapitol ab. Ein Ansturm von Trump-Fans findet am heutigen 4. März allerdings nicht statt.

In Hinsicht auf den heutigen 4. März ist in einigen Foren von einer „Falle“ oder „False-Flag“-Operation die Rede. Ein QAnon-Anhänger, der sich als „Ken“ ausgibt, sprach gegenüber der „Washington Post“ vom 20. März – dann soll Donald Trump „wieder vereidigt“ werden. Dies stehe in einer Klausel in der Verfassung geschrieben, behauptet er. „Ken“ glaube zudem, dass der Ex-Präsident noch immer das Kommando über die US-Streitkräfte habe. Dass Joe Biden das Amt derzeit innehat, sei nur ein Trick, während „der Papst und Andere zusammengetrieben werden“. Am 20. März 2021 feiert die Republikanische Partei ihren 167. Geburtstag.

QAnon: Washington schon ausgelöscht? Fans von Donald Trump verzweifeln an Google Maps

+++ 15.35 Uhr: Die QAnon-Bewegung steht vor einem Rätsel: Stand bei Google Maps nicht immer „Washington D.C.“? Eine Suche mit dem Online-Kartendienst zeigt lediglich eine als „Washington“ bezeichnete US-Hauptstadt. Wo ist also das zusätzliche „District of Columbia“ hin?

Auf Telegram diskutieren Nutzer:innen in QAnon-Gruppen, was es damit auf sich haben könnte – und ob die vermeintliche Änderung etwas mit dem heutigen 4. März zu tun hat, an dem Donald Trump erneut die Macht ergreifen und Joe Biden als US-Präsident ablösen soll. „@GhostEzra“, dessen Gruppe beim Verschwörungskult beliebt ist und mehr als 214.000 Abonnent:innen hat, hat sich gewundert und auch einen Screenshot vom Kartendienst der Suchmaschine „DuckDuckGo“ gepostet, berichtet „Newsweek“. Dort heißt die Stadt ebenfalls nur „Washington“.

Google Maps lässt das „D.C.“ von Washington weg: QAnon-Bewegung verwirrt

„Sicher nur ein seltsamer Zufall“, antwortete ein Nutzer ironisch. „D.C. hat sich aufgelöst“, befand ein anderer. Im Vorfeld des 4. März wurde aufgrund von Fehlermeldungen zudem die Behauptung verbreitet, dass Google und Apple keine Wegbeschreibungen nach Washington D.C. anbieten würden, angeblich um einen Protest von Trump-Unterstützer:innen aufzuhalten. Allerdings hatten die Fehlermeldungen lediglich mit Straßensperrungen zu tun.

Was plant die QAnon-Bewegung am 4. März 2021? Die US-Hauptstadt Washington D.C. ist in Alarmbereitschaft.

Einige Nutzer:innen wiesen @GhostEzra und weitere QAnon-Anhänger:innen darauf hin, dass es bei Google Maps immer nur „Washington“ geheißen habe. „Es zeigt immer nur die unmittelbare Ortschaft an, nicht den Namen des Bundesstaats [oder Bezirks]“, erklärte ein Telegram-Nutzer aus der Gegend. Richtig heiße es nämlich „Washington, D.C.“, mit einem Komma. Auch Bilder von alten Straßenkarten aus den 1980er-Jahren zeigen, dass es offenbar nichts Neues ist, das „D.C.“ wegzulassen.

Donald Trump: 4. März ist Stichtag für QAnon - Polizei warnt vor neuem Sturm aufs Kapitol

Erstmeldung vom Donnerstag, 4.3.2021, 10.13 Uhr: Washington D.C. – Heute ist für viele Fans von Donald Trump ein großer Tag. Zumindest diejenigen unter ihnen, die an die QAnon-Verschwörungen glauben, sind fest davon überzeugt, dass jetzt die Zeit für die Wende in Washington gekommen ist. Demnach wird Donald Trump am heutigen Donnerstag seinen Nachfolger Joe Biden wieder aus dem Weißen Haus vertreiben und erneut die Macht in Washington übernehmen.

Donald Trump übernimmt am 4. März die Macht in den USA - glaubt QAnon

Tatsächlich sind viele QAnons nach wie vor davon überzeugt, dass Donald Trump am 4. März 2021 wieder an die Macht zurückkehrt. Warum aber ausgerechnet am 4. März? Weil dies bis 1933 das offizielle Datum war, an dem US-Präsidenten vereidigt wurden. Inzwischen erfolgt die Amtseinführung allerdings am 20. Januar. So wie auch dieses Jahr, als Joe Biden seinen Amtsvorgänger Donald Trump im Weißen Haus ablöste.

Tatsächlich scheinen sich manche Trump-Fans für den 4. März einiges vorgenommen zu haben, vielleicht auch für den Fall, dass Donald Trump am Ende doch nicht wieder im Weißen Haus sitzen wird. So hat die eigens für den Schutz des Kapitols zuständige Polizei jetzt mitgeteilt, dass die Geheimdienste über Informationen verfügen, die auf einen möglichen Plan für einen erneuten Angriff auf das Kapitol am 4. März hinwiesen. Sie sei sich potenzieller Bedrohungen bewusst und darauf vorbereitet. Neben der Errichtung von Barrieren sei unter anderem die Zahl der Sicherheitskräfte zum Schutz des Parlaments erhöht worden.

NummerNameZeitraum
46Joe Bidenseit 20.1.2021
45Donald Trump20.1.2017 bis 20.1.2021
44Barack Obama20.1.2009 bis 20.1.2017
43George W. Bush20.1.2001 bis 20.1.2009
42Bill Clinton20.1.1993 bis 20.1.2001
41George H.W. Bush20.1.1989 bis 20.1.1993
40Ronald Reagan20.1.1981 bis 20.1.1989

US-Repräsentantenhaus sagt Sitzung am 4. März wegen möglicher Angriffspläne ab

Daraufhin sagte das US-Repräsentantenhaus in Washington eine für den 4. März geplante Sitzung vorsorglich ab. Zwei wichtige Abstimmungen zu Wahlrechts- und Polizeireformen (George-Floyd-Gesetz*) wurden auf Mittwochabend vorgezogen. Die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Kapitol wurden verschärft. Der Senat hält aber an einer Sitzung am Donnerstagmittag (18.00 Uhr MEZ) fest, bei der über das billionenschwere Corona-Hilfspaket von Joe Biden beraten werden soll.

Nach dem Angriff vom 6. Januar wurden die Sicherheitsvorkehrungen am Kapitol massiv verschärft, das Parlamentsgebäude wurde abgeriegelt. Schon vergangene Woche hatte die amtierende Chefin der Kapitol-Polizei gewarnt, es gebe Informationen, wonach rechte Milizen einen weiteren Angriff auf das Parlament erwägen würden. „Extremisten haben den Wunsch, das Kapitol in die Luft zu sprengen und so viele Parlamentarier wie möglich zu töten“, sagte Yogananda Pittman bei einer Anhörung im Kongress. (Christian Stör) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © John C. Clark/Imago Images

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