Das "Corona-Duell"

US-Wahlkampf im Schatten der Krise

  • vonThomas J. Spang
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Das erste direkte Aufeinandertreffen von Joe Biden und Bernie Sanders stand ganz im Zeichen der "Corona-Krise". Die Kandidaten vergleichen den Ernst der Lage in dem Fernsehduell mit einem Krieg.

Die beiden Kandidaten schüttelten sich nicht die Hände, sondern kreuzten ihre Ellenbogen. Der 77-jährige Biden und der 78-jährigen Sanders stehen hinter Podien, die die Regie in sicherer Entfernung von zwei Metern aufgestellt hat. Aus Vorsicht verlegte CNN das Fernsehduell der demokratischen Präsidentschaftsbewerber von Phoenix nach Washington. Ohne Publikum, aber vor vielen Zuschauern im Fernsehen, wo die Kandidaten nicht mehr mit der abgesagten Basketball-Saison konkurrieren mussten, beherrschte die Pandemie auch das Duell selbst.

"Nur Gott weiß, wie oft ich meine Hände mit heißem Wasser und Seife wasche", erklärte der ehemalige Vizepräsident, wie er sich persönlich vor dem Virus schützt. "Ich gebrauche eine Menge Seife und Handdesinfektion", pflichtete der Senator bei, der im Oktober einen Herzinfarkt erlitten hatte. Der ehemalige Vizepräsident Biden verglich den Kampf gegen das SARS-CoV-2- Virus mit einem Angriff aus dem Ausland. "Das ist wie ein Krieg." Jede Ressource der Regierung sollte dafür mobilisiert werden. Sanders meinte, die Krise offenbare, dass es in den USA "kein System gibt, dass darauf vorbereitet ist, Gesundheitsversorgung für alle Menschen bereitzustellen".

Während sich die Kandidaten in der Kritik an Donald Trumps Handhabung der Krise einig waren, gerieten die beiden Demokraten über die richtige Alternative aneinander.

Biden, der seit dem Super-dienstag im Rennen um die Delegierten davongezogen ist, hielt Sanders vor, dies sei nicht die Zeit für fundamentale Umbrüche, sondern konkrete Ergebnisse. Die Forderung nach einem steuerfinanzierten Gesundheitssystem ändere wenig in der Corona-Krise.

Sanders, für den das Duell die letzte Chance war, sich Gehör zu verschaffen, weitete seinen Angriff auf den Spitzenreiter aus. Dieser sei abhängig von den Interessen großer Wirtschaftslobbys wie der Finanz- und Gesundheitsindustrie. Biden habe als Senator von seiner Haltung zur Abtreibung über die Rechte von Homosexuellen und dem Irak bis zur Konkursgesetzgebung und Einschnitten bei der Rentenversicherung immer wieder für die falschen Dinge gestimmt. Aus der Defensive konterte Biden, indem er in Erinnerung rief, dass der linke Herausforderer wiederholt für den rechtlichen Schutz der Waffenindustrie gestimmt hatte.

Biden liegt im Rennen um die Parteitagsdelegierten bereits mit rund 150 Stimmen in Führung und könnte nach den Vorwahlen am heutigen Dienstag nicht mehr von Sanders einzuholen sein. Der Spitzenreiter liegt in den Umfragen in Florida, Illinois und Ohio deutlich vor Sanders, der allein in Arizona eine Chance zu haben scheint. Nach diesem Wahltag sind rund 60 Prozent aller Delegierten zum Wahlparteitag im Sommer vergeben. Dort benötigt ein Kandidat 1991 Delegierte für die Nominierung. tsp

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