Vor dem mobilen Corona-Testzentrum in Gütersloh bildeten sich schon in den vergangenen Tagen lange Schlangen. Wegen des Corona-Ausbruchs beim Fleischproduzenten Tönnies können viele Menschen aus dem Gebiet nicht mehr so ohne Weiteres in den Urlaub entfliehen. FOTO: DPA
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Vor dem mobilen Corona-Testzentrum in Gütersloh bildeten sich schon in den vergangenen Tagen lange Schlangen. Wegen des Corona-Ausbruchs beim Fleischproduzenten Tönnies können viele Menschen aus dem Gebiet nicht mehr so ohne Weiteres in den Urlaub entfliehen. FOTO: DPA

Urlaub nur mit Attest

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Gütersloh/Berlin- Angesichts des massiven Corona-Ausbruchs im Kreis Gütersloh haben Bund und Länder Beschränkungen für Reisende aus einem Landkreis mit hohem Infektionsgeschehen beschlossen. Sie dürfen nur dann in Hotels oder Ferienwohnungen untergebracht werden, wenn ein ärztliches Attest vorliegt, laut dem sie coronafrei sind. Das geht aus einem Beschluss der Chefs von Bundeskanzleramt sowie Staats- und Senatskanzleien der Länder vom Freitag hervor. Gestern begannen in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien.

Die Länder werden nach dem Beschluss in den besonders betroffenen Gebieten Vorsorge treffen, dass "Reisende aus einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt mit kumulativ mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb der letzten sieben Tage nur dann in einem Beherbergungsbetrieb untergebracht werden dürfen beziehungsweise ohne Quarantänemaßnahme in ein Land einreisen dürfen, wenn sie über ein ärztliches Zeugnis in Papier- oder digitaler Form verfügen, welches bestätigt, dass keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 vorhanden sind".

Zuvor hatten am Freitag weitere Länder Beherbergungsverbote oder andere Maßnahmen ausgesprochen, unter anderem Brandenburg und Hessen. Wie diese jetzt mit dem Beschluss umgehen, war offen.

Die Bundesregierung rief bei regionalen Corona-Ausbrüchen wie in den Kreisen Gütersloh und Warendorf unterdessen zu Solidarität auf und warnte vor einem Anprangern dort lebender Menschen.

Klöckner fordert Konsequenzen

Laut Robert-Koch-Institut fiel im Kreis Warendorf die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage mit 47,9 wieder unter den entscheidenden Wert von 50. Auch im Kreis Gütersloh sank die Kennziffer weiter. Sie lag bei 177,7 Fällen je 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen (zuvor waren es 192,8).

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) dringt derweil auf grundlegende Veränderungen im Fleischmarkt, um den ständigen Preiskampf und problematische Bedingungen zu unterbinden. Die Corona-Krise mit dem Infektionsausbruch bei Tönnies sei wie ein Brennglas für die Situation. Klöckner kündigte an, Gesetzesverschärfungen zur Preisgestaltung und Lebensmittelwerbung mit Lockpreisen zu prüfen.

Das Kabinett hatte Ende Mai Eckpunkte für Neuregelungen in der Fleischbranche beschlossen. Kernpunkt ist ein weitgehendes Verbot von Werkverträgen zum 1. Januar 2021. Die Fleischindustrie scheint ihren Widerstand gegen dieses Gesetz aufzugeben. dpa " Seite 4

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