Im Kreuzfeuer der Kritik: Die Angriffe gegen Michael Bloomberg, Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, kamen mit Ansage, aber sie fielen noch schärfer aus als erwartet. FOTO: DPA
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Im Kreuzfeuer der Kritik: Die Angriffe gegen Michael Bloomberg, Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, kamen mit Ansage, aber sie fielen noch schärfer aus als erwartet. FOTO: DPA

Unvorbereitet ins Desaster

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Die Premiere Michael Bloombergs bei einer Debatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber gerät für den Milliardär zum Desaster. Der ehemalige Bürgermeister von New York wirkt unvorbereitet.

Die Kontrahenten auf der Bühne des Paris Theaters legten die Handschuhe schon in der ersten Runde der mit Spannung erwarteten Debatte von Nevada ab. Binnen zehn Minuten prügelten gleich mehrere Demokraten auf Milliardär Bloomberg ein, der mit unkonventionellen Methoden versucht, sich als moderate Alternative zu dem progressiven Spitzenreiter Bernie Sanders zu positionieren.

Sanders erinnerte an die kontroverse Stop-and-Frisk-Polizeitaktik, mit der Bloomberg als Bürgermeister von New York vor allem Minderheiten ins Visier genommen hatte: "Er verfolgte Afroamerikaner und Latinos in einer unverschämten Weise." Mit einem solchen Kandidaten werde sich "die Wahlbeteiligung nicht steigern lassen".

Die in den Umfragen zurückgefallene Elizabeth Warren legte mit einer Breitseite nach. "Ich möchte darüber sprechen, gegen wen wir hier antreten", setzte die Senatorin an. "Ein Milliardär, der Frauen als fette Weiber und pferdegesichtige Lesben bezeichnete. Ich spreche nicht über Donald Trump, ich spreche über Bürgermeister Bloomberg." Die Demokraten gingen ein gewaltiges Risiko ein, "wenn sie einen arroganten Milliardär durch einen anderen ersetzen".

Und das war erst der Anfang einer kämpferischer Debatte, mit der sich die bei den ersten Vorwahlen in Iowa und New Hampshire enttäuschend abgeschlagene Warren wieder ins Gespräch brachte.

Kaum Widerstand gegen Angriffe

Amy Klobuchar beschwerte sich darüber, wie Bloomberg mit seinen Milliarden versucht, sie aus dem Rennen zu drängen. Vizepräsident Joe Biden erinnerte an die Kontroversen zwischen dem Bürgermeister und der Regierung Barack Obamas. Und hielt ihm vor, ein schwacher Stadtregent gewesen zu sein.

Bloomberg wirkte auf der Bühne verloren und verlegen, wusste nicht so recht, wie er auf die Angriffe reagieren sollte. Seine Versuche, sich mit Hinweisen auf vergangene Entschuldigungen aus der Schusslinie zu ziehen oder Sanders als "Kommunisten" anzugreifen, fielen ebenso flach wie seine Erklärungsversuche für sexistische Äußerungen. Es habe ein paar Frauen gegeben, "die den einen oder anderen Witz nicht mochten".

Wie Terrier bissen sich Bloombergs Gegner an dem Kandidaten fest, der mit mehr als 400 Millionen Dollar mehr als doppelt so viel im Wahlkampf ausgegeben hat, wie alle anderen Demokraten zusammen. Warren hielt ihm vor, Frauen mit "Schweigegeldabkommen" mundtot gemacht zu haben. "Wir werden Donald Trump nicht mit jemanden schlagen, der wer weiß wie viele Schweigeabkommen hat, die dann Stück für Stück an die Öffentlichkeit gelangen."

Biden, den der Aufstieg Bloombergs in den Umfragen am meisten geschadet hat, forderte den konsternierten Kandidaten auf, die Frauen von ihrer Schweigepflicht an Ort und Stelle zu entbinden. Bloomberg lehnte ab.

Warren hakte erneut nach. Wie viele solche Abkommen er habe, wollte die Senatorin wissen. Es sei eine Frage des Charakters und ob Bloomberg wählbar sei. "Wir werden diese Abkommen nicht aufgeben", bekräftigte der Milliardär seine Weigerung, die Betroffenen ihre Geschichten erzählen zu lassen. "Diese Vereinbarungen sind im gegenseitigen Einvernehmen erzielt worden."

Buttigieg landete einen der besten Treffer in der zweistündigen Debatte, als er das Szenario beschrieb, nach dem Superdienstag am 3. März nur noch die Wahl zwischen dem ehemaligen Republikaner Bloomberg und dem demokratischen Sozialisten Sanders zu haben. "Wie wäre es, wenn wir jemanden aufstellten, der tatsächlich ein Demokrat ist", positionierte sich der Sieger von Iowa und Zweitplatzierte von New Hampshire als Alternative.

Hässlicher Schlagabtausch

Auf einem Nebenschauplatz lieferten sich Buttigieg und Klobuchar einen hässlichen Schlagabtausch über die Qualifikation für das Präsidentenamt. "Bezeichnen Sie mich als dumm?", fragt die Senatorin beleidigt nach, warum der Spitzenreiter der Zentristen eine große Sache daraus mache, dass ihr bei einem Auftritt der Name des mexikanischen Präsidenten nicht einfiel.

Buttigieg konnte mit einer starken Debatte neben Warren punkten. Der eigentliche Sieger war nach Meinung der meisten Analysten Sanders, der als Spitzenreiter davon profitierte, nicht die Zielscheibe der Angriffe gewesen zu sein. Stattdessen teilte er selbst aus. "Wir haben eine groteske und unmoralische Verteilung von Vermögen und Einkommen", richtete sich Sanderse direkt an den Milliardär. "Mike Bloomberg hat mehr Vermögen als die 125 Millionen Amerikaner am unteren Ende. Das ist verkehrt und unmoralisch."

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