Frank-Walter Steinmeier telefoniert mit einer Bewohnerin und einer Mitarbeiterin des Stadtteilhauses Kattenesch der Bremer Heimstiftung. Der Bundespräsident hat die Arbeit von Ärzten, Krankenschwestern und Pflegerinnen in der Corona-Krise als "gelebte Solidarität" gewürdigt. Dabei bezog er ausdrücklich diejenigen mit ein, die schwer kranke Angehörige zu Hause pflegen. FOTO: DPA
+
Frank-Walter Steinmeier telefoniert mit einer Bewohnerin und einer Mitarbeiterin des Stadtteilhauses Kattenesch der Bremer Heimstiftung. Der Bundespräsident hat die Arbeit von Ärzten, Krankenschwestern und Pflegerinnen in der Corona-Krise als "gelebte Solidarität" gewürdigt. Dabei bezog er ausdrücklich diejenigen mit ein, die schwer kranke Angehörige zu Hause pflegen. FOTO: DPA

"Und bleiben Sie gesund!"

  • vonDPA
    schließen

Das Telefon ist in diesen Zeiten das wichtigste Arbeitsmittel des Bundespräsidenten. Persönliche Besuche vor Ort sind auch für ihn tabu. Schon im März musste Steinmeier einen Besuch im Stadtteilhaus Kattenesch in Bremen absagen. Nun ruft er an.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat einen Mitte März coronabedingt abgesagten Besuch im Stadtteilhaus Kattenesch in Bremen nachgeholt - wenn auch nur telefonisch. Für seine neue Videobotschaft, die gestern veröffentlicht wurde, rief er dort an und sprach mit der 87-jährigen Liesel-Lotti Rohmann. "Wie waren die letzten Wochen für Sie? War es besonders einsam?", wollte Steinmeier von ihr wissen und erfuhr: "Zuerst war es sehr schwierig." Und: "Seine Kinder nicht umarmen zu dürfen, das tat sehr weh." Steinmeier telefoniert seit Wochen mit den "Heldinnen und Helden in der Corona-Krise". So nennt er jene Menschen, die zum Beispiel als Ärzte in Krankenhäusern, Mitarbeiter der Telefonseelsorge oder Beschäftigte bei der Müllabfuhr das Land am Laufen halten.

Oder Pflegekräfte wie Gaby Weber im Stadtteilhaus Kattenesch, die dort neben Liesel-Lotti Rohmann saß. Da die Angehörigen nicht mehr kommen konnten, hätten sich der Sozialdienst sowie Pflege- und Hauswirtschaftskräfte stärker um die Bewohner gekümmert, berichtete sie. "Man hat versucht, das so gut, wie es geht, für die Bewohner aufzufangen."

Oberstes Gebot sei es, Bewohner und Personal gegen eine Infektion zu schützen, sagte die Pflegerin - ein Hinweis, den Steinmeier in seiner Videobotschaft aufgriff. Dass nun Besuche in Pflegeheimen wieder möglich würden, sei ebenso wie andere Lockerungen gemeinsam erreicht worden, "weil die große Mehrheit der Menschen in unserem Land sich an die bisher geltenden strengen Regeln gehalten hat". Der Bundespräsident appellierte: "Handeln wir weiterhin verantwortungsvoll und umsichtig!"

Rohmann zeigte für die Kontaktverbote volles Verständnis: "Man muss es ja einsehen, dass diese Maßnahmen nötig waren. Und ich denke, das ist in Ordnung so."

Steinmeier dankte Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern sowie jenen, die zu Hause Angehörige pflegen: "Sie leisten Enormes für unser Land! Sie leben vor, was Solidarität heißt." Er wandte sich aber auch an die älteren Menschen - denen, "die dieses Land aufgebaut haben und die jetzt besonders gefährdet sind, die leiden: unter Krankheit, unter Angst vor Ansteckung, unter Isolation und Einsamkeit".

Der Bundespräsident warnte davor, Alter und Gebrechlichkeit gleichzusetzen. "Nicht jeder Ältere ist pflegebedürftig. Die meisten sind bis ins hohe Alter aktiv. Sie haben Lebenserfahrung, die die Gesellschaft braucht. Wir sollten sie häufiger nutzen!"

Dass ein Telefonat kein Gespräch von Angesicht zu Angesicht ersetzen kann, weiß Steinmeier nur zu gut. Weshalb er zum Abschluss auch die Hoffnung äußerte, "dass mein Besuch in Bremen in Bälde nachgeholt werden kann". Mit dem Wunsch "Und bleiben Sie gesund, Herr Bundespräsident. Das ist ganz wichtig", verabschiedete sich die 87-jährige Rohmann von Steinmeier. "Ich bemühe mich", versicherte dieser.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare