Callamard kritisierte die "beschämende Untätigkeit" internationaler Institutionen wie des UN-Sicherheitsrats. Dieser solle besser als "Unsicherheitsrat" betitelt werden. Ihr zufolge könne es im Umgang mit Russland keine "Neutralität" geben.
+++ 23.10 Uhr: Ukrainische Truppen haben nach Angaben der Regierung in Kiew die Stadt Irpin von russischen Truppen befreit. „Die Stadt ist nun befreit worden, aber es ist immer noch gefährlich, dort zu sein“, sagt der ukrainische Innenminister Denys Monastyrsky am Montagabend (28.03.2022) im Fernsehen. Bewaffnete Truppen seien gemeinsam mit der Polizei in den Vorort der Hauptstadt Kiew vorgerückt und „sofort wurden die Straßen völlig leer gefegt“.
Oleksandr Markuschin, der Bürgermeister der Stadt, hatte zuvor auf seinem Kanal des Messengerdienstes Telegram verkündet, die russischen Truppen seien aus der Stadt vertrieben worden. Der Hauptkontrollposten an der Straße von Kiew nach Irpin war am Montag wieder offen. Nach dem Tod eines US-Journalisten war er zwei Wochen lang für Medien gesperrt gewesen.
Die Kämpfe nahe Irpin dauern nach Angaben von AFP-Journalisten jedoch an. So seien rund 20 laute Explosionen von Granaten in einem Wald entlang der sechs Kilometer langen Straße zu hören gewesen. Der Vorort im Nordwesten von Kiew war in den vergangenen Wochen Schauplatz heftiger Kämpfe gewesen. Irpin wurde massiv bombardiert als der Vormarsch der russischen Truppen ins Stocken geraten war.
+++ 14.05 Uhr: Joe Biden hat mit einer emotionalen Aussage die halbe Welt aufgeschreckt. „Um Gottes willen, dieser Mann kann nicht an der Macht bleiben“, lautete der letzte Satz seiner Rede in Warschau am Samstag (26.03.2022). Gemeint war Wladimir Putin. War das ein Aufruf zum Sturz des russischen Machthabers? Anders kann man den Satz, der in dieser Form offenbar nicht im Manuskript stand, jedenfalls kaum verstehen (s. Update v. 09.30 Uhr).
Nun hat sich erneut der Kreml zu Bidens Ausspruch geäußert. „Das ist eine Äußerung, die natürlich Beunruhigung auslöst“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge am Montag. „Wir verfolgen die Äußerungen des US-Präsidenten auf aufmerksamste Art und Weise. Wir halten sie akribisch fest und werden das auch weiter tun.“
+++ 13.15 Uhr: Der Ukraine-Krieg hat nach Angaben des ukrainischen Wirtschaftsministeriums bisher Schäden in Höhe von 564,9 Milliarden Dollar verursacht. Darin eingerechnet seien Schäden an der Infrastruktur, Verluste bei der Wirtschaftsleistung und andere Faktoren, sagte Wirtschaftsministerin Julia Svyrydenko. 8000 Kilometer Straßen und 10 Millionen Quadratmeter Wohnfläche seien beschädigt oder zerstört.
+++ 12.10 Uhr: Die ukrainische Militärführung hat ihre Zahlen zu den russischen Verlusten im Ukraine-Krieg heute Morgen aktualisiert. Demnach sind seit Beginn des Einmarschs in die Ukraine am 24. Februar 2022 rund 17.000 russische Soldaten im Kampf gefallen. Die Verluste für Russland an Militärausrüstung gibt die Ukraine wie folgt an: 586 Panzer, 1694 gepanzerte Kampffahrzeuge, 302 Artilleriegeschütze, 95 Raketenwerfersysteme, 54 Luftverteidigungssysteme, 123 Flugzeuge, 127 Hubschrauber und 7 Schiffe.
Die Angaben aus der Ukraine weichen deutlich von den Zahlen ab, die der russische Generalstab am Freitag (25.03.2022) veröffentlicht hatte. Demnach sind in der Ukraine bisher 1351 russische Soldaten getötet worden. Zudem seien 3825 Soldaten während der „Spezial-Operation“ verletzt worden. Keine dieser Angaben lassen sich unabhängig überprüfen.
+++ 12.00 Uhr: In der ukrainischen Sperrzone um das 1986 havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl sind ukrainischen Angaben zufolge keine größeren Brände mehr festgestellt worden. Aufnahmen von Satelliten würden derzeit keine derartigen Wärmequellen feststellen, teilte der ukrainische Zivilschutzdienst am Montag mit. Anderslautende Informationen seien falsch (s. Update v. 10.45 Uhr).
+++ 11.25 Uhr: In Polen sind nach Angaben des Grenzschutzes seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine mehr als 2,3 Millionen Geflüchtete aus dem Nachbarland eingetroffen. Das teilte die Behörde am Montag bei Twitter mit. Allein am Sonntag waren es demnach rund 27.000 Menschen.
+++ 10.45 Uhr: Die Lage im ehemaligen Atomkraftwerk in Tschernobyl ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs äußerst heikel. Die Gefahrenlage im Katastrophen-Akw, das von russischen Streitkräften besetzt ist, lässt sich von außen nur schwer einschätzen. Nun sind nach Angaben der ukrainischen Behörden in der Zone um die Atomruine neue Brände ausgebrochen.
„In der Sperrzone haben große Brände begonnen, die sehr ernste Folgen haben können“, schrieb die stellvertretende ukrainische Regierungschefin Iryna Wereschtschuk am Sonntagabend (27.03.2022) auf Telegram. Wegen der russischen Truppen sei es augenblicklich aber „unmöglich, die Brände vollständig zu kontrollieren und zu löschen“.
+++ 09.30 Uhr: Joe Biden ist nach seiner Rede vom Samstag (26.03.2022) um Schadensbegrenzung bemüht. Der US-Präsident hatte seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin bei der Ansprache in Warschau einen „Diktator“ genannt und mit den Worten geschlossen: „Um Gottes willen, dieser Mann kann nicht an der Macht bleiben.“
Bidens Aussage, die als Aufruf zum Sturz Putins gedeutet werden kann, löste in Russland Empörung aus. Außenminister Antony Blinken wiegelte sofort ab und betonte, die USA strebten keinen Machtwechsel in Russland an. Nun sprach eine Reporterin Joe Biden* direkt an: „Herr Präsident, wollen Sie, dass Putin (von seinem Amt) entfernt wird? Herr Präsident, haben Sie einen Regimewechsel gefordert?“ Bidens Antwort: „Nein.“
Update vom Montag, 28.03.2022, 07.20 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Landsleute vor den Gefahren einer Kollaboration mit den russischen Besatzern gewarnt. In einer Videoansprache wandte er sich in der Nacht zum Montag „an diese phänomenalen Dummköpfe“, die mit den russischen Militärs zusammenarbeiten wollten. „Ich möchte darauf hinweisen, dass sie (die Russen) selbst die eigenen Leute abstoßen. Was machen sie dann mit fremden Verrätern?“
Er forderte die möglichen Verräter auf, nachzudenken. „Aber ich weiß, dass solche Leute über nichts nachdenken“, sagte Selenskyj. „Sonst wären sie nicht zu Verrätern geworden.“
+++ 22.15 Uhr: Wegen des Ukraine-Krieges wird die Heizsaison in der ukrainischen Hauptstadt Kiew am Montag (28.03.2022) vorzeitig beendet. Das habe die örtliche Militärverwaltung angeordnet, teilte die Stadtverwaltung am Sonntag (27.03.2022) mit. Wohnungen und Geschäftsgebäude sollten nicht mehr beheizt werden. Für Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und Kultureinrichtungen werde das Abschalten in Absprache mit deren Leitern geregelt.
In Kiew werden in den kommenden Nächten Temperaturen von ein bis drei Grad erwartet. Normalerweise endet die Heizsaison Mitte April. Die Stadtverwaltung wies darauf hin, dass die Infrastruktur der Millionenstadt trotz des Ukraine-Krieges funktioniere. Notfallteams arbeiteten rund um die Uhr, um Schäden an Strom-, Heiz- oder Wassernetzen zu reparieren.
+++ 19.45 Uhr: Die US-Regierung ist besorgt über die Möglichkeit eines russischen Cyberangriffs auf kritische Infrastrukturen in den USA, wie CNN berichtet. Dies ginge mit Versuchen des Kremls einher, Desinformationen über die Auswirkungen eines solchen Vorfalls zu verbreiten, um Panik unter den Amerikanern zu schüren, sagte ein hochrangiger US-Cyberexperte.
„Alle Unternehmen, Besitzer und Betreiber kritischer Infrastrukturen müssen davon ausgehen, dass die Russen über störende Cyber-Aktivitäten nachdenken, sich darauf vorbereiten und die Möglichkeiten ausloten“, so Jen Easterly, Direktorin der US-Behörde für Cybersicherheit und Infrastruktursicherheit (CISA) zu CNN. Es ginge nicht um Panik, sondern um Vorbereitung. Die Regierung Biden warnt seit Monaten davor, dass Moskau mit Cyberangriffen auf die US-Infrastruktur reagieren könnte - oder dass Ransomware-Banden, die bereits die Colonial Pipeline angriffen, zuschlagen könnten. Derweil startete das private Hacker-Kollektiv Anonymous eine Attacke auf die russische Zentralbank.
+++ 18.30 Uhr: Der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes fürchtet eine Teilung der Ukraine ähnlich wie bei Nordkorea* und Südkorea. Russland sei mit seinem Versuch „gescheitert, Kiew einzunehmen und die ukrainische Regierung zu stürzen“, schrieb Kyrylo Budanow am Sonntag (27.03.2022) auf Facebook.
„Es gib Gründe anzunehmen, dass er eine Trennungslinie schaffen will zwischen den besetzten und den nicht besetzten Gebieten unseres Landes - ein Versuch, Süd- und Nordkorea in der Ukraine zu schaffen“, erklärte er. Die russische Armee hatte zuvor verkündet, sich künftig auf die „Befreiung“ der Donbass-Region im Osten der Ukraine konzentrieren zu wollen.
+++ 12.00 Uhr: Das ukrainische Militär hat in einem Waldstück nahe der Hauptstadt Kiew eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Soldaten fanden dort eine Kommandostation des sogenannten Krasucha-4-Systems. Dabei handelt es sich um eine Maschinerie, welche offenbar GPS-Signale im Umkreis von hunderten Kilometern stören und Radarsysteme aufspüren kann. Westliche Geheimdienste dürfte der Fund freuen. Seit geraumer Zeit gibt es Spekulationen um das Krasucha-4-System. Es handelt sich um eine Innovation. Diese soll nun nach Deutschland gebracht werden, wie der Daily Telegraph berichtet. Der US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz wird als Ziel angegeben. Dort soll das containerförmige Gerät untersucht und analysiert werden.
+++ 11.15 Uhr: Laut einer Einschätzung des britischen Verteidigungsministeriums versuchen russische Streitkräfte das ukrainische Militär im Donbass im Osten der Ukraine einzukesseln. Seit dem Strategiewechsel des Kreml liegt der Fokus auf der „Befreiung“ der Regionen Luhansk und Donezk. Der Analyse zufolge rücken die russischen Streitkräfte von Charkiw im Norden und Mariupol im Süden vor.
+++ 09.30 Uhr: Offenbar wurde ein russischer Kommandant von Soldaten der eigenen Brigade getötet. Das US-Magazin Politico zitiert einem Bericht des Nachrichtenportals Kyiv Independent zufolge westliche Beamte die das bestätigen. Demnach handelt es sich dabei um die 37. Motorschützenbrigade. Der Kommandant sei absichtlich mit einem Panzer überfahren worden, so Politico. Er erlag wohl anschließend seinen schweren Verletzungen.
Erstmeldung vom Sonntag, 27.03.2022, 05.45 Uhr: Russland beschießt die Ukraine offenbar aus dem eigenen Luftraum. Das geht aus einer Einschätzung des britischen Verteidigungsministerium hervor. Das Ministerium beruft sich im Lagebericht auf Geheimdienstinformationen. Demnach verlasse sich die russische Armee dabei auf sogenannte Abstandmunition und feuere aus der Ferne. So setze Russland die eigenen Flugzeuge nicht der ukrainischen Luftabwehr aus. (as/cs/tu/sto) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.