Striktes Vorgehen

Erdogan mit harter Hand gegen Demonstranten - Tränengas auf friedlicher Frauendemo

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan geht strikt gegen seine Kritiker und Dissidenten vor: Terrorismusvorwürfe, Festnahmen und Tränengas in der Türkei.

  • Ein Mann aus Köln und eine Frau aus Hamburg wurden in der Türkei verhaftet.
  • Weiterhin werden Personen wegen des versuchten Putsches vor drei Jahren festgenommen.
  • Auch ein Frauenprotest in Istanbul scheint Erdogan aufzustoßen - die Polizei löst ihn gewaltsam auf.

Update vom 27. November: Bei einer Kundgebung gegen Gewalt an Frauen in Istanbul hat die türkische Polizei Tränengas gegen Demonstrantinnen eingesetzt. Die Polizei löste den Protest auf der zentralen Einkaufstraße Istiklal damit am Montag (25. November) auf, wie auf Videobildern zu sehen war und Augenzeugen berichteten. 

Tränengas gegen Demonstranten in der Türkei während friedlichem Protest gegen Gewalt an Frauen

Zuvor hatten Hunderte friedlich zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen demonstriert. Die Teilnehmerinnen hielten unter anderem Schilder mit der Aufschrift von in der Türkei getöteten Frauen.

Gewalt gegen Frauen ist in der Türkei ein verbreitetes Problem. Nach Angaben der Plattform „Wir werden Frauenmorde stoppen“ wurden im vergangenen Jahr 440 Frauen von Männern getötet - in mehr als einem Viertel der Fälle waren die Ehepartner die Täter.

Im August hatte der Mord an Emine Bulut für großes Aufsehen gesorgt. Ihr Ex-Mann hatte die Frau vor den Augen ihrer zehnjährigen Tochter in einem Restaurant im zentralanatolischen Kirikkale erstochen. Der Täter wurde inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilt.

Türkei: Zahlreiche Festnahmen von angeblichen Terrorverdächtigen

Update vom 26. November:Türkische Staatsanwälte lassen im Zusammenhang mit dem
Putschversuch
 vor mehr als drei Jahren erneut nach Dutzenden angeblichen Terrorverdächtigen fahnden. Insgesamt suchten Sicherheitskräfte am Dienstag (26. November) in mehreren Provinzen nach 162 Menschen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Bis zum Mittag (Ortszeit) waren demnach bereits mindestens 75 Menschen in Haft.

Den Gesuchten würden Verbindungen zur Bewegung um den islamischen Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen, berichtete Anadolu weiter. Die türkische Regierung macht Gülen für den Putschversuch von 2016 verantwortlich. Sie wirft ihm auch vor, staatliche Institutionen wie die Armee oder Justiz gezielt infiltriert zu haben.

Festnahmen in der Türkei: Vorwiegend Angehörige des Militärs betroffen

Wieder handelt es sich bei den Gesuchten vorwiegend um aktive und ehemalige Angehörige des Militärs. Verteidigungsminister Hulusi Akar hatte am vergangenen Donnerstag gesagt, dass seit dem Putschversuch insgesamt 17 866 Mitglieder der Streitkräfte ihres Amtes enthoben worden seien. 2709 seien suspendiert worden.

Erst am Freitag hatten Staatsanwaltschaften in mehr als 20 Provinzen nach 138 Menschen fahnden lassen und Dutzende inhaftiert. Unter den Gesuchten waren ebenfalls viele Soldaten.

Erdogan lässt im Türkei-Urlaub Mann aus NRW verhaftet – Hält er Kontakt zur PKK?

Ursprungsartikel vom 25. November 2019: Istanbul - In derTürkei sind zwei weitere Deutsche mit der Justiz in Konflikt geraten. Seit dem 12. November sitzt ein Mann aus Köln wegen Terrorvorwürfen in Haft. Gegen eine Frau aus Hamburg wurde nach Angaben des Ehemanns eine Ausreisesperre verhängt. In beiden Fällen geht es auch um Vorwürfe der Tätigkeit in pro-kurdischen Vereinen.

Bekir Topgider habe in der Südosttürkei seine Familie besucht, als er festgenommen wurde, sagte sein Anwalt Hasan Dagtekin der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Ihm würden Terrorpropaganda und „Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation“ vorgeworfen. Gemeint ist die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, die in der Türkei und Europa als Terrororganisation gilt. Einer Pressemitteilung von Vereinskollegen zufolge ist Topgider (geboren 1959) unter anderem „Mitglied des geschäftsführenden Vorstands“ von Komkar, einem Verband von „Vereinen aus Kurdistan in Deutschland“.

Kölner in Türkei verhaftet: Hintergrund sind Beitrage auf Facebook aus dem Jahr 2009

Hintergrund der Anschuldigungen seien unter anderem Beiträge auf Facebook, manche stammten aus dem Jahr 2009, sagte Anwalt Dagtekin. Demnach stoßen sich die türkischen Behörden auch an der Vereinsarbeit des Mannes. Komkar werde in den Akten als „parallele Organisation“ bezeichnet. Topgider weise die Vorwürfe zurück.

Außerdem: Mindestens elf Personen mit vermeintlichem IS-Bezug kommen aus der Türkei in Deutschland an. Sind sie Gefahr oder nur eine Drohung des türkischen Präsidenten Erdogan?

Frau aus Hamburg in Türkei verhaftet: Ausreisesperre verhängt

Seit dem 3. Oktober wirdNebahat Yildirim aus Hamburg in der Türkei festgehalten. Die58-Jährige habe zuerst acht Tage in Haft gesessen, bevor gegen sie die Ausreisesperre verhängt wurde, wie ihr Ehemann, der namentlich nicht genannt werden wollte, der dpa sagte. Seit 1991 habe sie nur noch die deutsche Staatsbürgerschaft. Ihr Anwalt Abdülmenaf Kiran sagte, seiner Mandantin würden Terrorpropaganda und Präsidentenbeleidigung vorgeworfen. Sie bestreite das.

Deutsche Frau in Türkei verhaftet: Sie hatte einen Erdogan beleidigenden Post „geliked“

Den Behörden zufolge soll die Frau über eine Hamburger Organisation 2012 Hungerstreiks in der Türkei organisiert und den Anführer der PKK unterstützt haben. Ihr Mann sagte allerdings, seine Frau sei in dem fraglichen pro-kurdischen Verein gar nicht aktiv gewesen. Zudem soll sie einenBeitrag in sozialen Medien „geliked“ haben, der für Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan b eleidigende Aussagen enthalten habe.

Ihrem Mann zufolge war die Hamburgerin ins südosttürkische Diyarbakir gereist, um sich um dieGräber ihrer Eltern zu kümmern und Geschwister zu besuchen. Seit der Entlassung aus dem Polizeigewahrsam müsse sie sich fünfmal die Woche bei der Polizei melden.

Über einen Monat schon dauert die türkische Militäroffensive in Nordsyrien an. Die Türkei besitzt deutsche Panzer, die sie unter anderem in Nordsyrien einsetzt. Nun wird der Verdacht laut, dass Ankara die Fahrzeuge illegalerweise an Rebellen weitergegeben hat. Weil von einem jungen Mann Terrorgefahr ausgehen soll, hat die Türkei ihn nach München abgeschoben - dort befindet er sich auf freiem Fuß. Derweil erhebt der Ex-Fußballstar Hakan Sükür schwere Vorwürfe gegen Recep Tayyip Erdogan und hat einen Tipp für Mesut Özil und Ilkay Gündogan.

Am Sonntag und Montag kam es nach zu Anschlägen auf einen Linken-Politiker. Dabei sind Schüsse gefallen. Möglicherweise sind radikale Erdogan-Anhänger verantwortlich.

dpa/AFP

Rubriklistenbild: © dpa / Jason Dean

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