Früh und energisch

Taiwan hat Virus besser im Griff

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Im Kampf gegen das neue Coronavirus lässt sich vieles von Taiwan lernen - auch, wie das Leben danach aussehen kann. Kaum ein Land war so gefährdet: Die Inselrepublik liegt nur 130 Kilometer vor der chinesischen Küste. Einige Hunderttausend Taiwaner leben in der Volksrepublik. Mehr als zwei Millionen Chinesen besuchten im Vorjahr die Insel. Die Verbindungen sind eng. Trotzdem zählt Taiwan bisher nicht einmal 500 Infektionen sowie sechs Tote - auf 23 Millionen Taiwaner gerechnet weltweit ein Spitzenplatz. Mit seiner frühen und energischen Reaktion auf den Ausbruch von SARS-CoV-2 wird Taiwan heute als "Erfolgsgeschichte" gepriesen. Schon die ersten Berichte im Dezember über rätselhafte Lungenentzündungen in der chinesischen Metropole Wuhan lösten auf der Insel Alarm aus. Die Erinnerung an die Pandemie mit dem ersten SARS-Virus 2003 mit 73 Toten und Hunderten Infizierten allein in Taiwan ließ die Behörden wachsam sein.

Bereits am 31. Dezember 2019 führte Taiwan Fieberkontrollen für Fluggäste aus Wuhan ein. Drei Wochen später durften Bewohner der chinesischen Metropole nicht mehr einreisen. Ein nach der SARS-Pandemie eigens geschaffenes Kommandozentrum der Regierung übernahm die Koordinierung im Kampf gegen das Virus. Die Produktion von Gesichtsmasken wurde hochgefahren, ihre Verteilung geregelt. Anfang Februar wurde die Grenze für alle Chinesen dichtgemacht - im März auch für fast alle Ausländer.

Die frühen Einreisesperren waren effektiv. Auch verfolgten und unterbrachen die Behörden umgehend Infektionsketten, brachten Kontaktpersonen in Quarantäne. Die Öffentlichkeit wurde durch Hinweise im Fernsehen über Risiken und Vorbeugung unterrichtet. Das frühe Eingreifen ersparte den Taiwanern Ausgangssperren oder einen "Lockdown" der Wirtschaft.

Beispielhaft ist auch, wie das Land heute die neue Normalität meistert. In Bussen, Bahnen und Zügen ist Mund- und Nasenschutz Pflicht. In Räumen müssen die Menschen 1,5 Meter Abstand halten, im Freien einen Meter. Restaurants rücken Tische auseinander. Versammlungen sind in Räumen bis 100 Personen erlaubt, bis 500 an der frischen Luft. Bei Schülern wird jeden Morgen Temperatur gemessen. An Eingängen zu Banken, Postämtern und Geschäften gibt es Fieberkontrollen und Desinfektionsmittel für die Hände. Am Flughafen und in Bahnhöfen stehen Infrarotgeräte, die Passagieren automatisch die Temperatur messen.

Einreisende - zumeist nur noch Taiwaner - müssen zwei Wochen zu Hause in Quarantäne verbringen. Am Flughafen müssen sie ihre Smart-phones aushändigen, damit die Behörden das GPS-Navigations-Signal feststellen können. Damit wird der Aufenthaltsort der Person dann während der nächsten 14 Tage verfolgt. "Epidemie-Vorbeugungs-Taxis" bringen sie zum Quarantäne-Ort. Die Behörden rufen zweimal täglich an, um sicherzustellen, dass die Personen tatsächlich bei ihrem Handy sind. Verstöße können teuer werden: umgerechnet 3000 bis 30 000 Euro. dpa

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