Der "synodale Weg"

  • vonDPA
    schließen

Vor fast einem Jahr haben die deutschen Bischöfe beschlossen, zusammen mit den Gläubigen einen Reformprozess für die katholische Kirche einzuleiten. Nun tagt in Frankfurt erstmals die Versammlung, die das "Synodale Weg" getaufte Vorhaben voranbringen soll. Einige Fragen und Antworten dazu:

?Warum geht die katholische Kirche in Deutschland den "synodalen Weg"?

Weil sie sich in einer Krise befindet - ausgelöst durch den Skandal des massenhaften Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester. Zudem wurden Rufe nach Reformen von verschiedenen Gruppierungen immer lauter. Im März 2019 beschlossen die deutschen Bischöfe, einen Reformprozess, den "synodalen Weg", mit Beteiligung des Kirchenvolks gehen zu wollen. "Die Bischöfe haben erkannt, so kann es nicht weitergehen", begründete damals Reinhard Kardinal Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, das in dieser Form beispiellose Projekt.

?Wer ist an diesem Prozess beteiligt?

Oberstes Organ des Synodalen Wegs ist die Synodalversammlung, die in Frankfurt am Donnerstag erstmals zusammentrat. Sie hat 230 Mitglieder: die 69 deutschen Bischöfe, 69 Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) - die Vertretung der Gläubigen - und 92 Vertreter verschiedener katholischer Berufsgruppen. In ihrer ersten Sitzung wollte die Versammlung die Mitglieder von vier Synodalforen wählen, die die vier Themenfelder des Reformprozesses behandeln: der Umgang der Kirche mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, die umstrittene Ehelosigkeit von Priestern (Zölibat) und die Rolle der Frauen in der Kirche.

?Was ist letztlich das angestrebte Ziel?

In der Satzung des "synodalen Weges" heißt es: "Die katholische Kirche in Deutschland macht sich auf einen Weg der Umkehr und der Erneuerung. Wir stellen uns der schweren Krise, die unsere Kirche, insbesondere durch den Missbrauchsskandal, tief erschüttert." Angestrebt sei die "Klärung von zentralen Themen- und Handlungsfeldern".

?Wie werden Beschlüsse gefasst - und welche Wirkung hätten sie?

Beschlüsse erfordern der Satzung zufolge "eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Mitglieder, die eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz enthält". Allerdings: "Beschlüsse der Synodalversammlung entfalten von sich aus keine Rechtswirkung." Letztlich müssen sie von den Bischöfen beziehungsweise der Bischofskonferenz umgesetzt werden. Entscheidungen, die die Weltkirche betreffen, sollen dem Vatikan quasi als Empfehlungen übermittelt werden. Die ganz großen Themen wie die Abschaffung des Zölibats oder die Öffnung des Priesteramts für Frauen können die deutschen Katholiken nicht im Alleingang beschließen - das könnte nur der Vatikan in Rom. Beobachter gehen davon aus, dass die in Deutschland gefassten Beschlüssen von Katholiken weltweit beobachtet werden und eine Signalwirkung entfalten könnten.

?Wie sind die Erwartungen vor der ersten Versammlung?

Gemischt, sie schwanken zwischen Hoffnung und Skepsis. Kritiker verweisen darauf, dass die deutschen Katholiken als Teil der Weltkirche alleine nichts Grundsätzliches entscheiden könnten. Sie verweisen zudem auf frühere Reformprojekte, die versandet seien. Dagegen sprechen Befürworter von einer "wichtigen Chance" für Veränderungen.

?Wie geht es dann schließlich weiter?

Die Synodalversammlung wird bis zum morgigen Samstag in Frankfurt tagen. Die Bischöfe und Katholiken wollen bis Ende 2021 den Synodalen Weg gehen und noch drei weitere Treffen in Frankfurt abhalten. Drei Jahre nach ihrer letzten Sitzung soll die Versammlung erneut zusammentreten - zur Evaluation der Umsetzung der Ergebnisse des "synodalen Weges". dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare