Absturz von Smolensk

Spurensuche im Nebel

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Es sollte ein Tag des Erinnerns an ein schweres Verbrechen im Zweiten Weltkrieg werden. Aber der 10. April 2010 endete für Polen mit der größten Tragödie der Nachkriegszeit. Piotr Zychowicz stand damals auf dem Friedhof der Gedenkstätte in Katyn nahe der russischen Stadt Smolensk. In dem Wald hatte der sowjetische Geheimdienst NKWD 1940 Tausende polnischer Offiziere ermordet. Zychowicz war Reporter der polnischen Zeitung "Rzeczpospolita" - und wartete mit anderen auf die Ankunft von Polens Präsident Lech Kaczynski, der an die Opfer von Katyn erinnern wollte. Doch auf dem Weg dorthin kam Kaczynski ums Leben.

Die weiß-rote Tupolew-154 der polnischen Regierung stürzte beim Landeanflug auf den Militärflugplatz von Smolensk ab. Alle 96 Insassen starben, darunter Kaczynski - und mit ihm die Elite des Landes. Der 70. Jahrestag des Katyn-Massakers wurde zum Begriff für ein neues schmerzhaftes Kapitel polnischer-russischer Geschichte.

Das polnische Verteidigungsministerium kam 2011 in einem Bericht zu dem Schluss, dass die Militärpiloten unzureichend für die TU-154 ausgebildet waren und bei extremem Nebel Fehler begingen. Auch soll der russische Fluglotse die Crew zu spät gewarnt haben, dass ihr Landeanflug zu tief sei. Russland wies stets jede Verantwortung für das Unglück als Verschwörungstheorie zurück, zeigte aber auch große Anteilnahme.

Die Katastrophe von Smolensk belastet das Verhältnis zwischen Warschau und Moskau seit Jahren. Polens nationalkonservative PiS-Regierung und Parteichef Jaroslaw Kaczynski, Zwillingsbruder von Lech, haben oft suggeriert: "Der Absturz war ein Mordanschlag." Sie geben nicht nur Russland die Schuld. Sie werfen auch der damaligen Regierung unter Donald Tusk vor, die Katastrophe nie richtig aufgeklärt zu haben. dpa

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