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Spahn rät zu mehr Vorsicht

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Erstmals ist ein deutscher Staatsbürger nachweislich an der neuartigen Lungenerkrankung Covid-19 gestorben. Der 60-Jährige sei vor einer Woche nach Ägypten gereist, teilte das ägyptische Gesundheitsministerium mit. Dort habe er Temperatur bekommen und sei im Krankenhaus positiv auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet worden. Sein Zustand habe sich zunehmend verschlechtert, am Sonntag sei er gestorben.

Wegen der schnellen Ausbreitung des neuen Coronavirus in Deutschland empfiehlt Gesundheitsminister Jens Spahn, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern vorerst abzusagen. Zurzeit geschehe dies aus seiner Sicht noch zu zaghaft, sagte der CDU-Politiker gestern. "Angesichts der dynamischen Entwicklung der letzten Tage sollte das schnell geändert werden." Von solchen Absagen betroffen sein könnten unter anderem Sportveranstaltungen, Messen und Konzerte. Oberstes Ziel sei es, die Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen. Der Weltärztebund begrüßte die Empfehlung als "völlig richtig". Frankreich verbietet bereits grundsätzlich Veranstaltungen mit über 1000 Menschen. Das kündigte Gesundheitsminister Olivier Véran gestern in Paris nach einer Sitzung des Sicherheitsrats an, der von Staatschef Emmanuel Macron geleitet wurde.

Die Entscheidung über Absagen obliegt in Deutschland weiter den regionalen Behörden. "Solange uns die Behörden nicht vorschreiben, die Shows abzusagen, werden wir daran festhalten", sagte ein Sprecher des Konzertveranstalters Hannover Concerts. Die Fußball-Bundesliga will ihre Saison wie geplant bis Mitte Mai zu Ende bringen. Spahn sagte am Sonntag: "Nach zahlreichen Gesprächen mit Verantwortlichen ermuntere ich ausdrücklich, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern bis auf weiteres abzusagen." Er sei sich bewusst, welche Folgen das für Bürgerinnen und Bürger oder Veranstalter habe. Klar sei aber, dass die Gesundheit vorgehe.

Koalitionsausschuss berät Hilfen

Wie in anderen Ländern Europas und weltweit breitet sich Sars-CoV-2 auch in Deutschland rasch aus. Beim Robert-Koch-Institut (RKI) waren bis zum Sonntagnachmittag 902 Infektionen erfasst, wobei nicht alle Nachweise aus den Bundesländern dort bereits registriert sind. Die weitaus meisten Fälle bundesweit verzeichnen derzeit Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. In Hessen stieg die Zahl der bestätigten Infektionen auf inzwischen 21. Weltweit haben sich bis jetzt über 107 000 Menschen nachweislich mit dem neuen Coronavirus infiziert. Viele Erkrankungsfälle verlaufen leicht. Behörden in vielen Ländern erlassen dennoch derzeit Maßnahmen wie Schulschließungen und eine Quarantäne für Verdachtsfälle.

Norditalien wird zur Sperrzone

Der wirtschaftliche Schaden der Coronavirus-Epidemie für den Luftverkehr in Deutschland wird nach Einschätzung des Branchenverbandes BDL größere Ausmaße haben als frühere Krisen, wie Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow sagte. Auch der Reiseverband DRV verwies auf einen Umsatzeinbruch. Über Hilfen für die Wirtschaft, einen Mix konjunktureller Instrumente, beriet am Abend im Kanzleramt der schwarz-rote Koalitionsausschuss. Es zeichneten sich eine frühere Abschaffung des Solidaritätszuschlags und eine Ausweitung der Kurzarbeit ab, ebenso wie Überbrückungskredite für betroffene Firmen.

Noch härter als bisher schon greift die Regierung in Italien im Kampf gegen die rasant fortschreitende Covid-19-Epidemie im Land durch. Ein großer Teil des Nordens wurde zur Sperrzone erklärt - Chaos war die Folge. 16 Millionen Menschen in der Region Lombardei mit der Metropole Mailand und in Städten wie Venedig oder Parma dürfen nur noch bei triftigen Gründen aus der Gegend hinaus oder in sie hinein, wie Ministerpräsident Giuseppe Conte sagte. "Wir stehen vor einer nationalen Notlage." Die Regierung erklärte, Touristen in der Sperrzone könnten ausreisen und sollten das direkt tun.

Conte bestätigte auch weitreichende Verbote für das ganze Land. Alle Kinos, Theater, Museen, Sportclubs, Demonstrationen und viele andere Veranstaltungen müssen schließen oder fallen aus. Sehenswürdigkeiten wie das Kolosseum und die Vatikanischen Museen sind bis auf Weiteres geschlossen.

Italien ist der Staat in Europa mit den meisten bestätigten Sars-CoV-2-Infektionen. Bis Samstag zählten die Behörden 5883 Menschen mit einer nachgewiesenen Infektion. Mehr als 230 von ihnen sind gestorben. dpa " Seite 4

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