Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warnt vor einem Rückfall in autoritäre Denkmuster - und die Warnung richtet sich auch an die Landsleute daheim in Deutschland. FOTO: AFP
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warnt vor einem Rückfall in autoritäre Denkmuster - und die Warnung richtet sich auch an die Landsleute daheim in Deutschland. FOTO: AFP

Signal gegen Antisemitismus

  • vonDPA
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Jerusalem- In einem starken Zeichen der Solidarität haben Staatsgäste aus rund 50 Ländern in Jerusalem der Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren gedacht. Gemeinsam riefen sie beim Welt-Holocaust-Forum gestern zum weltweiten Kampf gegen Antisemitismus auf. Deutschland müsse seiner historischen Verantwortung gerecht werden, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der als erstes deutsches Staatsoberhaupt in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem sprach.

"Wir bekämpfen den Antisemitismus! Wir trotzen dem Gift des Nationalismus! Wir schützen jüdisches Leben!", sagte Steinmeier. "Wir stehen an der Seite Israels. Dieses Versprechen erneuere ich hier in Yad Vashem vor den Augen der Welt." Er betonte, die deutsche Verantwortung vergehe nicht, es dürfe keinen Schlussstrich unter das Erinnern geben. Israelische Medien stuften die Rede als sehr beeindruckend ein. Israels Präsident Reuven Rivlin umarmte Steinmeier danach.

Rivlin dankte den anwesenden Staatsgästen für die Solidarität mit dem jüdischen Volk. "Antisemitismus hört nicht bei den Juden auf", sagte der 80-jährige Rivlin. "Antisemitismus und Rassismus sind bösartige Krankheiten, die Gesellschaften von innen zerstören." Regierungschef Benjamin Netanjahu rief die Staatengemeinschaft dazu auf, sich geschlossen dem Iran entgegenzustellen.

Mosche Kantor, Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses, warnte vor einer massiven Abwanderung von Juden aus Europa. Der britische Thronfolger Prinz Charles erinnerte in seiner Rede an seine Großmutter Alice, die während der Nazi-Besatzung in Griechenland eine jüdische Familie gerettet hatte. Seine Großmutter habe ihn schon lange "inspiriert", sagte Charles. Dass sie von Yad Vashem als "Gerechte unter den Völkern" anerkannt sei, "erfüllt meine Familie mit enormem Stolz". Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnte vor einem Wiedererstarken des Antisemitismus. Russlands Präsident Wladimir Putin schlug ein Gipfel-Treffen der fünf ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat vor, um Hass und Antisemitismus entgegenzutreten.

Vor und nach dem Forum kam es auch zu politischen Gesprächen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas traf am Abend in Bethlehem Putin. Netanjahu besuchte mit Pence die Klagemauer in Jerusalems Altstadt. (dpa) " Seite 5

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