Aus Angst vor Rassismus-Vorwürfen streichen München und Berlin das Wort „schwarzfahren“ aus ihrem Wortschatz. (Symbolbild)
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Aus Angst vor Rassismus-Vorwürfen streichen München und Berlin das Wort „schwarzfahren“ aus ihrem Wortschatz. (Symbolbild)

Rassismus-Vorwurf

Deutsche Städte schaffen das Wort „Schwarzfahren“ ab - Ramsauer: „Haben doch alle einen Knall“

  • Florian Dörr
    VonFlorian Dörr
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Ist das Wort „Schwarzfahren“ rassistisch? Die Verkehrsbetriebe in zwei deutschen Metropolen haben es nun aus ihrem Sprachgebrauch gestrichen.

München/Berlin - „Schwarzfahren“ in München und Berlin ist Vergangenheit. Denn sowohl die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) als auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben den Begriff aus ihrer Form der Kommunikation verbannt. Bedeutet: Statt von „Schwarzfahren“* ist nun auf Plakaten oder Aufklebern von „Fahren ohne gültigen Fahrschein“ die Rede.

Begriff „Schwarzfahren“ unter Rassismus-Verdacht: München und Berlin reagieren

Was steckt dahinter? Im Berliner Fall geht die Entscheidung auf ein „Diversity-Programm“ des rot-rot-grünen Senats aus dem Herbst 2020 zurück. Darin heißt es unter anderem: „Das Ziel sollte sein, respektvoll mit Bürgerinnen und Bürgern kommunizieren zu können, unabhängig von ihrem Lebensalter, ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Identität, ihrer Religionszugehörigkeit oder Weltanschauung, ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder ihrer Behinderung.“

Mit dem Vermeiden des Begriffs „Schwarzfahren“ in der internen und externen Kommunikation will die BVG dem nachkommen und einen möglichen Rassismus-Verdacht vermeiden.

Peter Ramsauer über „Schwarzfahren“-Debatte: „Kann ich nur noch den Kopf schütteln“

Könnte die Benutzung des Begriffs „Schwarzfahren“ ähnliche Reaktionen nach sich ziehen, wie es zuletzt etwa bei „Mohren-Apotheken“ in mehreren deutschen Städten* der Fall war? Der CSU-Abgeordnete Peter Ramsauer hat laut „Bild“ mit Blick auf die neue Sprachregelung der Verkehrsbetriebe eine klare Meinung: „Als ehemaliger Verkehrsminister kann ich nur noch den Kopf schütteln. Die haben doch alle einen Knall!“

Doch auch in München ist das „Schwarzfahren“ Vergangenheit: Die MVG möchte den Begriff „Schwarzfahren“ künftig vermeiden und tauscht systematisch alle Plakate aus, auf denen er bisher zu lesen war. Statt „Schwarzfahren kostet 60 Euro!“ in Bussen und Trams heißt es nun etwa: „Ehrlich fährt am längsten.“ Gegenüber der „Bild“ erklärt ein Sprecher des Unternehmens, es handle sich dabei um eine „Maßnahme für eine zeitgemäßere Kommunikation.“

Begriff „Schwarzfahren“ geht auf „Armut“ zurück

Sprachwissenschaftlich ist ein Rassismus-Verdacht, unter den der Begriff „Schwarzfahren“ nun gestellt wird, allerdings unbegründet: In Wahrheit hat der Begriff seine Wurzeln im Jiddischen: Er wird von „shvarts“ abgeleitet, was wiederum mit „Armut“ übersetzt werden kann. (fd) *wetterauer-zeitung.de und giessener-allgemeine.de sind Teil von IPPEN.MEDIA.

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