Russland hält Einsatzkräfte bereit

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Minsk- Im Machtkampf in Belarus (Weißrussland) ist Russland bereit, seinem Nachbarn und Verbündeten bei einer weiteren Zuspitzung der Lage mit Einsatzkräften zu helfen. Es sei eine eigene Reserve für den Fall eines Eingreifens gebildet worden, sagte Kremlchef Wladimir Putin gestern dem Sender Rossija 1. Dies sei auf Bitten von Präsident Alexander Lukaschenko in Minsk erfolgt. "Ich hoffe aber, dass es nicht so weit kommen wird."

Unterdessen hat die belarussische Sonderpolizei OMON in Minsk Proteste gegen Lukaschenko aufgelöst und Dutzende Menschen festgenommen. Auch zahlreiche Journalisten kamen vorübergehend in Gewahrsam. Die Menschenrechtsorganisation Wesna in Minsk sprach am Abend von rund 180 Festnahmen.

Der autoritäre Staatschef in Minsk warf dem Westen unterdessen einen "hybriden Krieg" gegen sein Land vor. Die Lage in der Hauptstadt von Belarus war angespannter als zuletzt. Als "hybride Kriegsführung" wird in der Regel eine Kombination aus klassischen Militäreinsätzen, wirtschaftlichem Druck, Computerangriffen und Propaganda bezeichnet. Lukaschenko hat dem Ausland schon mehrfach vorgeworfen, hinter den Massenprotesten gegen ihn zu stecken. Konkrete Beweise legte er aber nicht vor. "Gegen Belarus hat ein diplomatischer Kampf auf allerhöchster Stufe begonnen", sagte der 65-Jährige bei einer vom Staatsfernsehen übertragenen Sitzung. Es werde auf Neuwahlen bestanden und damit auf unzulässige Weise Druck ausgeübt.

Der als "letzter Diktator Europas" bezeichnete Lukaschenko nimmt den Sieg bei der Präsidentenwahl vom 9. August für sich in Anspruch. Das Ergebnis von 80,1 Prozent für ihn nach 26 Jahren an der Macht steht als grob gefälscht international in der Kritik.

Putin warf dem Westen einmal mehr eine unzulässige Einmischung in die Angelegenheiten des unabhängigen Landes vor. Russland verhalte sich hingegen zurückhaltender. Allerdings hatte sich Lukaschenko Propagandisten von russischen Staatsmedien als Streikbrecher kommen lassen, nachdem eigene Journalisten des Staatsfernsehens ihm den Rücken gekehrt hatten.

Die belarussische Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja sprach sich gegen eine Einmischung Russlands aus. dpa

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