Tierschützer demonstrieren am Samstag vor dem Betriebsgelände der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück mit Bannern gegen den Konzern und die allgemeine Schlachthaus-Praxis. FOTO: DPA
+
Tierschützer demonstrieren am Samstag vor dem Betriebsgelände der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück mit Bannern gegen den Konzern und die allgemeine Schlachthaus-Praxis. FOTO: DPA

Terror

Rettung der Lufthansa droht zu scheitern

  • vonDPA
    schließen

Frankfurt- Die Lufthansa richtet sich angesichts einer niedrigen Aktionärspräsenz auf der nahenden Hauptversammlung auf eine mögliche Insolvenz ein. Denn die Zustimmung zu den neun Milliarden Euro schweren Staatshilfen steht nach den Registrierungen der Anteilseigener mehr denn je auf der Kippe. Großaktionär Heinz Hermann Thiele könnte sich querstellen. Ab heute wird die Lufthansa nicht mehr im Dax geführt, sondern nur noch im MDax. dpa

Regensburg- Die Rückreise des emeritierten Papstes Benedikt in den Vatikan ist für heute geplant. Das teilte das Bistum Regensburg am Sonntag mit. Der 93-Jährige hält sich seit Donnerstag in Regensburg auf, wo er überraschend seinen schwer erkrankten Bruder Georg Ratzinger besucht. Wie schon in den letzten Tagen ließ sich Benedikt auch am Sonntagmorgen mit einem rollstuhlgerechten Wagen zur Wohnung seines Bruders fahren. Dort feierten sie eine Messe. dpa

London- Bei einem Terrorangriff in der britischen Stadt Reading sind nach Polizeiangaben drei Menschen getötet worden. Drei weitere Personen wurden schwer verletzt. Ein 25-jähriger Mann wurde unter Mordverdacht festgenommen. Am Sonntag stufte die Polizei die Tat als terroristisch ein. Hintergründe wurden zunächst nicht bekannt. Für den Inlandsgeheimdienst MI5 ist der Angreifer kein Unbekannter, wie der britische Sender BBC berichtete. Er sei bereits im Jahr 2019 aufgefallen, weil er nach Syrien habe reisen wollen.

Der Mann war am Abend in den Forbury Gardens auf Menschen losgegangen und hatte wahllos auf seine Opfer eingestochen. Die Stadt Reading mit rund 160 000 Einwohnern liegt etwa 70 Kilometer westlich der britischen Hauptstadt. dpa

Essen- Leere in der City und Frust bei den Beschäftigten: Das geplante Aus von Dutzenden Filialen der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) sowie 20 Standorten der Tochter Karstadt Sports schürt in den Kommunen die Angst vor verödeten Innenstädten. Mitarbeiter sprachen von einer "schrecklichen Entscheidung". Zunächst hatte GKK angekündigt, 62 seiner 172 Häuser zu schließen. Am Samstag wurde bekannt, dass auch 20 der 30 Niederlassungen der Tochter Karstadt Sports schließen sollen. dpa " Seite 4

Berlin- Im Streit über den Umgang mit dem früheren Brandenburger AfD-Chef Andreas Kalbitz hat Bundesparteichef Jörg Meuthen Rückendeckung bekommen. Ein AfD-Bundeskonvent im sächsischen Lommatzsch lehnte am Samstag einen gegen Meuthen gerichteten Antrag ab - wenn auch knapp. Meuthen steht parteiintern vor allem wegen seines Umgangs mit Mitgliedern des Rechtsaußen-Spektrums in der Kritik. dpa " Seite 4

Washington- Der frühere Nationale Sicherheitsberater John Bolton kann sein Buch mit explosiven Vorwürfen gegen US-Präsident Donald Trump einer Gerichtsentscheidung zufolge wie geplant am morgigen Dienstag veröffentlichen. Ein Bundesgericht in Washington lehnte am Samstag einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung ab, mit der die Trump-Regierung die Veröffentlichung in letzter Minute verhindern wollte. In der Begründung von Richter Royce Lamberth hieß es, es sei zu spät für einen Veröffentlichungsstopp des Buches. dpa

Gütersloh/Berlin- Nach dem Corona-Ausbruch mit mehr als 1300 Infizierten in der nun für 14 Tage geschlossenen Fabrik des Fleischkonzerns Tönnies bleiben dem Kreis Gütersloh drastische Einschränkungen des Alltags vorerst erspart. Nach einer Krisensitzung stellte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet jedoch klar, dass ein regionaler Lockdown weiter eine Option sei, um die Infektionen unter Kontrolle zu bekommen. In der Kritik von Politik und Verbraucherschützern stehen der Unternehmer Clemens Tönnies sowie die Branche insgesamt - der Vorwurf: Ungesunder Preiskampf bei Fleisch zulasten der Beschäftigten, der Landwirte und des Tierwohls.

Es gebe "ein enormes Pandemie-Risiko", warnte Laschet am Sonntag in Gütersloh. Das Infektionsgeschehen sei jedoch bei der Firma lokalisierbar, und es gebe keine Infektionskette in die übrige Bevölkerung der Region. Sein Kabinett war zu einer Krisensitzung zusammengekommen. Laschet richtete sich direkt an das Unternehmen. "Wir werden auch Herrn Tönnies beim Wort nehmen, dass er gesagt hat, es kann keinen Zustand geben wie zuvor. Wir brauchen neue Regeln, neue Bedingungen - und das ist auch das, was wir vom Unternehmen erwarten", sagte Laschet. Tönnies hat Rücktritts-Spekulationen zurückgewiesen.

Lokale Ausbrüche wie im Kreis Gütersloh bestimmen weiterhin das Infektionsgeschehen in Deutschland. Insgesamt haben die lokalen Behörden dem Robert Koch-Institut (RKI) 687 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet, wie das RKI meldete (Datenstand 21.06., 0.00 Uhr). Die Zahl der Neuinfektionen liegt deutlich über den Werten, die bis etwa Mitte Juni täglich gemeldet wurden.

Die Zahl der Infizierten in der Fabrik in Rheda-Wiedenbrück stieg bis Sonntag nach Angaben des Kreises auf 1331. Die Tests auf dem Gelände der Firma seien am Samstag abgeschlossen worden, hieß es. Insgesamt 6139 Tests seien gemacht worden. Laschet warnte Tönnies-Beschäftigte aus anderen Ländern vor einer überstürzten Abreise in ihre Heimat und versprach "bestmögliche medizinische Behandlung" in Deutschland. Drei Hundertschaften der Polizei unterstützen die Ordnungsämter dabei, die Quarantäne aller rund 6500 Mitarbeiter durchzusetzen. "Fleisch ist zu billig", sagte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Sie setzt sich daher nun auch für eine Tierwohlabgabe ein, die auf Fleisch, Wurst und anderes aufgeschlagen werden könnte.

International gab es unterdessen zwei wichtige Neuerungen im Corona-Geschehen: Im früheren Corona-Hotspot Spanien herrscht seit Sonntag die "neue Normalität": Nach genau 14 Wochen ging um Mitternacht der Notstand zur Eindämmung der Pandemie zu Ende. Die 47 Millionen Bürger des Landes durften sich erstmals seit dem 14. März wieder im ganzen Land frei bewegen. Und die Türkei wirbt trotz Reisewarnung und Einstufung als Corona-Risikogebiet durch die Bundesregierung weiter um deutsche Touristen. dpa

Stuttgart- Bei schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei haben Hunderte Gewalttäter in der Nacht zum Sonntag die Stuttgarter Innenstadt verwüstet und mehrere Beamte verletzt. Krawallmacher schmissen Pflastersteine auf vorbeifahrende Polizeiautos, schlugen Schaufenster auf der Stuttgarter Shoppingmeile ein und plünderten Geschäfte - Schreie, Scherben und Chaos im schicken Einkaufsviertel.

Verstörende Handy-Videos

Nach Polizeiangaben beteiligten sich bis zu 500 Personen an den Krawallen. 24 wurden vorläufig festgenommen. 19 Polizisten wurden verletzt - einer davon ist nun dienstunfähig. Die Polizei sieht keine politischen Motive hinter der Gewalt, sie macht Partygänger und Krawalltouristen für die Eskalation verantwortlich.

Die Ausschreitungen nahmen den Angaben zufolge ihren Anfang mit der Drogenkontrolle eines Jugendlichen im Schlossgarten. Die Polizei habe gegen 23.30 Uhr einen 17-Jährigen wegen eines mutmaßlichen Drogendelikts kontrolliert, berichtete Polizeivizepräsident Thomas Berger am Sonntag bei einer Pressekonferenz im Stuttgarter Rathaus. Sofort hätten sich 200 bis 300 Personen aus der örtlichen "Partyszene" mit dem Jugendlichen solidarisiert und die Beamten vor Ort mit Steinen und Flaschenwürfen angegriffen. Auf dem Schlossplatz sei die Gruppe dann auf 400 bis 500 Personen angewachsen. Mehrere Handy-Videos im Internet dokumentieren das Ausmaß der Gewalt. Junge Männer, viele von ihnen vermummt, ziehen randalierend durch die Einkaufsstraßen. Polizeihubschrauber fliegen über die Stadt. Bei den Ausschreitungen wurden laut Polizei 40 Geschäfte beschädigt und neun Läden geplündert. "Die Situation ist völlig außer Kontrolle", kommentierte ein Polizeisprecher am frühen Sonntag die Lage. Auf einem Videoclip ist zu sehen, wie ein vermummter Mann einem knienden Polizisten mit Anlauf und mit beiden Beinen von hinten in den Rücken springt. Der Beamte stürzt, die Zuschauer johlen. Insgesamt waren in der Nacht 280 Polizisten im Einsatz.

Der Stuttgarter Polizeipräsident Franz Lutz sprach gestern von einer "nie dagewesenen Dimension von offener Gewalt gegen Polizeibeamte" - und kündigte an, in den kommenden Wochen mit verstärkten Kräften in der Innenstadt unterwegs sein zu wollen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sprach am Sonntag von einem "brutalen Ausbruch von Gewalt". dpa " Seite 4

München- Der Schauspieler und Synchronsprecher Claus Biederstaedt ist tot. Er starb nach langer Krankheit am Donnerstag, 18. Juni, kurz vor seinem 92. Geburtstag, wie sein Sohn am Sonntag bestätigte. Biederstaedt arbeitete auch als Theaterregisseur. dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare