Ähnliche Frisur, ähnliche Manieren: Boris Johnson (l.) und Donald Trump verbindet viel.
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Ähnliche Frisur, ähnliche Manieren: Boris Johnson (l.) und Donald Trump verbindet viel.

Provokateure und Brüder im Geiste

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(dpa). "Hoppla, hier bin ich!" - Rumpelnd, laut und provozierend walten der britische Premierminister Boris Johnson und US-Präsident Donald Trump in ihren knapp 6000 Kilometer auseinander entfernt liegenden Schaltzentralen der Macht. Das blonde Männer-Duo mischt die Politik auf, nicht nur in Washington und London.

Als Johnson Ende Juli zum Premier gewählt wurde, überschlug sich Trump mit Lob: "Er ist kernig, und er ist schlau … Sie nennen ihn Großbritannien-Trump, und die Leute sagen, dass das eine gute Sache ist." Keine vier Jahre zuvor waren noch die Fetzen geflogen: Als Trump über die angeblich drohende Gefahr auf den Straßen Londons schimpfte und vorschlug, keine Muslime in die USA einreisen zu lassen, konterte Johnson, damals Bürgermeister der Stadt: "Der einzige Grund, warum ich einige Teile New Yorks nicht besichtigen würde, ist das ernsthafte Risiko, Donald Trump zu treffen."

Markenzeichen blonde Haare

Nun aber sind sich die beiden von gegenseitigem Nutzen. In der Welt von Donald Trump wie auch in jener von Boris Johnson ist das ein hinreichender Grund für eine Männerfreundschaft politischer Art.

Trump wittert gute Geschäfte mit London nach dem Brexit. Der US-Präsident stellte den Briten nach dem EU-Austritt ein "fantastisches" Freihandelsabkommen in Aussicht.

Auch den britischen Premier lockt das große Geld. Seinen Landsleuten versprach Johnson bei seiner Antrittsrede paradiesische Zustände nach dem Austritt aus der EU. Experten halten solche Versprechen für gewagt. Trotzdem zelebrieren Trump und Johnson mit ihren Verheißungen ihre neu gefundene Allianz. Sie wirken auf den ersten Blick in vielen Dingen ähnlich. Und auf den zweiten?

Parallelen:Beide sind Selbstdarsteller und Verkaufstalente in eigener Sache. Sie sind beide nicht für Geradlinigkeit bekannt, sondern maximal beweglich bis opportunistisch mit Blick auf politische Positionen. Trump und Johnson sind durch ähnliche Dynamiken an die Macht gekommen: mit populistischen Anti-Establishment-Botschaften an die Abgehängten in ihren Ländern.

Sie sind uneingeschränkt von der eigenen Brillanz überzeugt - Johnson wollte schon als Kind "Welt-König" werden, Trump bezeichnet sich als "sehr stabiles Genie". Sie pflegen einen Politikstil jenseits aller Konventionen, haben Provokation zu ihrer Maxime erhoben, sind Lautsprecher und haben einen Hang zu verbalen Ausfällen.

Beide nehmen es auch mit der Wahrheit nicht so genau: Faktenchecker der "Washington Post" haben seit Trumps Amtsantritt im Jahr 2017 mehr als 10 000 falsche oder irreführende Behauptungen des US-Präsidenten gezählt. Auch Johnson ist für Lügen berüchtigt, als Journalist verlor er daher sogar einen Job.

Bei den Äußerlichkeiten gibt es ebenfalls Parallelen. Beide sind nicht gerade Sinnbilder für Eleganz, modische Stilsicherheit oder gute Manieren. Ihre Markenzeichen sind ihre blonden Haare und eigenwilligen Frisuren - Johnson mag die Mähne eher wild und unsortiert, trägt sie allerdings als Premier ein wenig kürzer. Trump dürfte mit seiner eigenwilligen Föhnwelle vor allem darauf bedacht sein, Lücken zu überdecken.

Unterschiede:Johnson versucht zwar bisweilen, sich als Vorreiter des Anti-Establishments zu inszenieren. Doch Alexander Boris de Pfeffel Johnson - so sein vollständiger Name - kommt aus gutem Hause. Er besuchte das Elite-Internat Eton, studierte in Oxford und war zeitweise Präsident des Debattierclubs Oxford Union und Mitglied der als dekadent verschrienen Studentenverbindung Bullingdon-Club. Sein türkischer Urgroßvater war kurzzeitig Innenminister des Osmanischen Reiches. Er ist mit Adligen in Deutschland und Frankreich verwandt - und sogar über zig Ecken mit der Queen. Auch wenn Johnson im Alltag mit Noblesse geizt, so gehört er doch zur britischen Oberschicht.

All das sind Dinge, die Trump abgehen. Der frühere Baumogul hat viel Geld angehäuft in seinem Leben und es bis ins Weiße Haus geschafft, aber zur noblen Elite mit Tradition und Klasse hat er nie gehört. Ihm haftet bis heute das Image des TV-Unterhalters an, eines Geschäftsmannes mit einem Faible für Wrestling und Frauen.

Sowohl Trump als auch Johnson sind geschickte Redner - allerdings auf unterschiedliche Weise. Trump mag simple, markige Botschaften und bedient sich aus einem eher begrenzten Wortschatz. Johnson benutzt bei seinen Reden gerne gestelzte Formulierungen und bemüht mitunter die griechische Mythologie. Trump ist derlei fremd.

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