Joachim Gauck ist neuer Bundespräsident

Berlin - Joachim Gauck ist neuer Bundespräsident. Er wurde mit überwältigender Mehrheit von der Bundesversammlung zum neuen Staatsoberhaupt gewählt. Bilder und Reaktionen.

Zollitsch will Gauck zum Katholikentag einladen

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, will Bundespräsident Joachim Gauck zum Deutschen Katholikentag in Mannheim einladen. Er biete dem neuen Staatsoberhaupt “die tatkräftige Unterstützung“ der Bischofskonferenz an, sagte Zollitsch am Sonntag nach Gaucks Wahl. Zollitisch hob Gaucks “christliche Prägung“, sein “Wirken in der evangelischen Kirche“ sowie sein “Kampf für die Überwindung der Unfreiheit“ und “tatkräftige Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit“ hervor.

Gauck war evangelisch-lutherischer Pastor und Kirchenfunktionär sowie Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen.

Merkel froh über breite Mehrheit für Gauck

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich zufrieden und froh über die breite Mehrheit für den neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck in der Bundesversammlung gezeigt. Merkel sagte am Sonntag in einem Interview von ARD und ZDF, es könne durchaus vorkommen, dass Gauck etwas kritisch sehe, genauso wie es sein könne, dass sie etwas kritisch sehe. Dies sei normal.

Gratulation! Unser neuer Bundespräsident Joachim Gauck

Joachim Gauck ist neuer Bundespräsident. Mit überwältigender Mehrheit ist der frühere Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde am Sonntag im ersten Wahlgang von den Delegierten der Bundesversammlung in das höchste Staatsamt der Bundesrepublik Deutschland gewählt worden. © dpa
Joachim Gauck ist neuer Bundespräsident. Mit überwältigender Mehrheit ist der frühere Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde am Sonntag im ersten Wahlgang von den Delegierten der Bundesversammlung in das höchste Staatsamt der Bundesrepublik Deutschland gewählt worden. © dpa
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“Es geht hier nicht um Erziehungsmaßnahmen“, sagte Merkel, sondern um Meinungsäußerungen, aus denen eine Demokratie meistens gestärkt hervorgehe. Merkel hatte sich zunächst gegen Gauck als Präsidentschaftskandidat ausgesprochen.

An diesem Montag wird Gauck als neuer Präsident seine Amtsgeschäfte aufnehmen, am Freitag wird er vereidigt. Merkel sagte: “Und dann wird er sein Amt gut für unser Land wahrnehmen.“

Zu Vorschlägen für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Gaucks Gegenkandidatin Beate Klarsfeld wollte sich die Kanzlerin nicht äußern. Das sei Angelegenheit des Bundespräsidenten.

Präsidentenwahl: Die aktuellen Bilder aus Berlin

Wahl zum Bundespräsidenten: Die aktuellen Bilder aus Berlin. © dpa
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Bach gratuliert Bundespräsident Gauck zur Wahl

DOSB-Präsident Thomas Bach hat dem neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck zu seiner Wahl beglückwünscht. „Im Namen des deutschen Sports gratuliere ich unserem neuen Bundespräsidenten aufs Herzlichste. Ich wünsche mir, dass Joachim Gauck in seinem Amt dazu beiträgt, die Kluft zwischen Zivilgesellschaft und Politik zu überbrücken. Damit würde das Bewusstsein gestärkt, dass es zur Erhaltung unserer lebenswerten Gesellschaftsform des bürgerschaftlichen Engagements bedarf“, sagte Bach, der sich derzeit auf einer Auslandsreise befindet.

Thomas Bach erklärte weiter: „Das von Herrn Gauck gewählte Thema der Freiheit in Verantwortung für die Allgemeinheit bietet Antworten auf viele Herausforderungen unserer Zeit. Er kann damit in Zeiten fortschreitender Globalisierung Orientierung geben für Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft.“

Joachim Gauck, der in der Vergangenheit dem Unabhängigen Beratungsgremium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Stasi-Fragen vorsaß, wurde am Sonntag von der 15. Bundesversammlung zum elften deutschen Bundespräsidenten gewählt. Er war der gemeinsame Kandidat von CDU/CSU, FDP, SPD und Bündnis 90/Die Grünen.

In der Bundesversammlung saßen auch aktive und ehemalige Sportlerinnen und Sportler, u.a. Verena Bentele (Behindertensport, Biathlon, Skilanglauf) für die SPD Baden-Württemberg, Kirsten Bruhn (Behindertensport, Schwimmen) für die SPD Schleswig-Holstein, Mihat Demirel (Basketball) für Bündnis 90/Die Grünen Berlin, Claudia Kohde-Kilsch (Tennis) für die Linkspartei im Saarland, Vanessa Low (Behindertensport, Leichtathletik) für die SPD Nordrhein-Westfalen (NRW), Janne Friederike Meyer (Reiten) für die CDU Schleswig-Holstein, Fußball-Trainer Otto Rehhagel für die CDU Berlin, Christian Reif (Leichtathletik) für die CDU Rheinland-Pfalz und Linda Stahl (Leichtathletik) für die SPD in NRW.

Kretschmann: Wahl Gaucks eine gute Entscheidung

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat die Wahl Joachim Gaucks zum neuen Bundespräsidenten als eine gute Entscheidung für die Menschen in Deutschland bezeichnet. “Nicht umsonst wurde er mit überwältigender Mehrheit und parteiübergreifend in sein neues Amt gewählt“, sagte Kretschmann am Sonntag. Er sei davon überzeugt, dass Gauck dazu beitragen werde, dass die Bürgergesellschaft weiter Aufwind erhalte.

Gauck sei ein Bundespräsident, der den Bürgerinnen und Bürgern mit seiner großen Lebenserfahrung, seinem scharfen Verstand und couragiertem Auftreten sowie mit seinem Leitthema der Freiheit in Verantwortung eine Orientierung geben werde.

EKD-Ratsvorsitzender wünscht Gauck "Gottes Segen"

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, erwartet vom neu gewählten Bundespräsident Joachim Gauck wichtige Impulse für “das öffentliche Gespräch“. In seiner Gratulation zur Wahl in der Bundesversammlung am Sonntag schrieb Schneider, Gauck übernehme das neue Amt “in einer nicht einfachen Zeit“. Die Auseinandersetzungen um das Amt des Bundespräsidenten hätten Spuren hinterlassen, die Sehnsucht nach einer Persönlichkeit, die das Amt wieder in “ruhige Fahrwasser“ geleite, sei groß. “Groß sind auch die Herausforderungen, vor denen unser Land und die Staatengemeinschaft Europas stehen“, so der EKD-Chef. Schneider fügte hinzu: “Gottes Segen möge Sie leiten und begleiten, heute und an allen Tagen Ihres Lebens.“

Gauck will Aufgabe mit aller Kraft erfüllen

Der neue Bundespräsident Joachim Gauck hat versichert, sein neues Amt mit allen Kräften und mit ganzem Herzen ausfüllen zu wollen. “Ich werde mit all meinen Kräften und meinem Herzen “Ja“ sagen zu der Verantwortung, die Sie mir heute gegeben haben.“

Zugleich räumte Gauck nach seiner Wahl durch die Bundesversammlung ein, “ganz sicher nicht alle Erwartungen erfüllen zu können“, die in den kommenden fünf Jahren an ihn gerichtet würden. Er wolle sich jedoch nun auf neue Themen, Probleme und Personen einstellen.

Gauck erinnerte an seine erste freie Wahl zur DDR-Volkskammer am 18. März vor 22 Jahren. “Was für ein schöner Sonntag“, sagte er auch im Rückblick auf dieses Datum. “In jenem Moment war da in mir neben der Freude ein sicheres Wissen: Ich werde niemals eine Wahl versäumen.“

Auch als Präsident könne er sich die Welt und das Land nicht denken ohne Freiheit und Verantwortung. Er nehme diesen Auftrag mit Dankbarkeit an.

Der frühere DDR-Bürgerrechtler wurde mit großer Mehrheit zum Nachfolger von Christian Wulff gewählt. Der 72-Jährige erhielt 991 von 1228 gültigen Stimmen, das entspricht einer Zustimmung von gut 80 Prozent. Für Gaucks Gegenkandidatin Beate Klarsfeld votierten 126 Delegierte.

Damit erhielt die als Nazi-Jägerin bekanntgewordene 73-Jährige mindestens drei Stimmen von Vertretern anderer Parteien - die sie unterstützende Linkspartei stellte nur 123 Delegierte. Der Kandidat der rechtsextremen NPD, Olaf Rose, bekam drei Stimmen. 108 Delegierte der Bundesversammlung enthielten sich.

Gauck: "Was für ein schöner Sonntag!"

“Was für ein schöner Sonntag!“, sagte der neue Bundespräsident Joachim Gauck unmittelbar nach seiner Wahl in der Bundesversammlung am Sonntag in Berlin. 

Gauck ist gewählt!

Joachim Gauck ist neuer Bundespräsident. Mit überwältigender Mehrheit ist der frühere Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde am Sonntag im ersten Wahlgang von den Delegierten der Bundesversammlung in das höchste Staatsamt der Bundesrepublik Deutschland gewählt worden.

Gauck ist damit der elfte Bundespräsident. Er war der gemeinsame Kandidat von Union, FDP, SPD und Grünen und tritt nun die Nachfolge des vor wenigen Wochen zurückgetretenen Christian Wulff an. Gegen Gauck hatte als Favoritin der Linken die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld kandidiert. Zudem war der Historiker Olaf Rose von der NPD ins Rennen geschickt worden.

Komiker Ingo Appelt zu Gauck-Wahl

Komiker Ingo Appelt, der von der SPD als Wahlmann in die Bundesversammlung entsandt wurde, meint zu erwarteten Wahl von Joachim Gauck: “Besser kann's ja nicht laufen. Wir haben den Wulff mit viel Arbeit und viel Verve rausgewitzelt, also rausgemobbt, und jetzt haben wir endlich den Mann, den wir haben wollten. (...) Endlich mal ein Bundespräsident, den Frau Merkel nicht wollte.“

Piraten Dathe und Delius enthalten sich

Die beiden Wahlleute der Piratenpartei in der Bundesversammlung, Katja Dathe und Martin Delius, haben sich nach eigenen Angaben bei der Wahl des Bundespräsidenten enthalten. “Wir sagen Nein zu Joachim Gauck“, sagten sie am Sonntag in Berlin zu heute.de. Beide hatten vor der Wahl offen gelassen, ob sie für Joachim Gauck oder Beate Klarsfeld stimmen wollen.

Stimmen werden ausgezählt

Bei der Bundespräsidentenwahl hat die Auszählung der Stimmen begonnen. Es gilt als sicher, dass der frühere DDR- Bürgerrechtler Joachim Gauck von der Bundesversammlung in Berlin zum 11. Staatsoberhaupt bestimmt wird. Der 72-jährige parteilose Theologe wird von einer beispiellosen Fünf-Parteien-Koalition aus CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen unterstützt. Die Linke hat die 73 Jahre alte Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld als Kandidatin aufgestellt. Notwendig ist die Wahl an diesem Sonntag, weil Christian Wulff im Februar nach nur 20 Monaten als Präsident zurückgetreten war. Die Bundesversammlung besteht aus den Bundestagsabgeordneten und einer gleichen Zahl Länder-Delegierter.

Erster Wahlgang beendet

Berliner Reichstag begann am Mittag der erste Wahlgang - knapp 1240 Delegierte waren aufgerufen, den elften Bundespräsidenten zu bestimmen. Das Ergebnis wird gegen 14.15 Uhr erwartet. Die Wahl des früheren DDR-Bürgerrechtlers Joachim Gauck zum Nachfolger des vor vier Wochen zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff gilt als sicher.

Bundestagspräsident Norbert Lammert schlug zum Auftakt der Bundesversammlung vor, der Präsidenten künftig am 18. März zu wählen oder zu vereidigen - dem Datum der Bürgerrevolution 1848 und der ersten freien DDR-Volkskammerwahl 1990. Bisher wird üblicherweise am 23. Mai gewählt, dem Verfassungstag. Lammert verband diesen Vorschlag mit Kritik an den vorzeitigen Rücktritten zweier Bundespräsidenten.

Nach dem Grundgesetz werde der Bundespräsident für fünf Jahre gewählt - dies solle auch so bleiben, mahnte er. Es gelte, “die politische Realität wieder näher an die Verfassungsnorm zu bringen“. Zugleich rief Lammert dazu auf, das Vertrauen in die höchsten Staatsämter wieder zu stärken. “Demokratie braucht Vertrauen. Sie basiert vor allem auch auf dem Vertrauen in ihre Repräsentanten“, sagte Lammert. Dies gelte besonders auch für den Bundespräsidenten, “mit keinem Amt verbinden sich mehr Erwartungen auf Vertrauen und Autorität“. Ständiges Misstrauen mache “die Wahrnehmung öffentlicher Ämter unmöglich“.

Lammert spricht über Wulff-Rücktritt

Zum Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff nach nur 20 Monaten im Amt sagte Lammert, die Geschichte dieser kurzen Präsidentschaft werde zu einem späteren Zeitpunkt geschrieben werden. Bei der Bewertung dieses Schrittes gehe es auch um das Verhältnis von Amt und Person, die Erwartungen an Amtsträger, aber auch die Rolle der öffentlichen und veröffentlichten Meinung.

“Es gibt durchaus Anlass für selbstkritische Betrachtungen, nicht nur an eine Adresse“, sagte Lammert. Er fügte hinzu: “Manches war weder notwendig noch angemessen, sondern würdelos. Von der zunehmenden Enthemmung im Internet im Schutze einer tapfer verteidigten Anonymität gar nicht zu reden.“ Mit dieser Äußerung löste Lammert im Internet einen Sturm der Empörung aus. Martin Delius, der als Wahlmann für die Piraten an der Bundesversammlung teilnimmt, schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: “Das ist schon lustiger als gedacht.“

Tröstende Worte für Wahlmann Otto Rehhagel

Bei einem Zählappell in der Unionsfraktion sagte Fraktionschef Volker Kauder am Sonntag vor der Bundespräsidentenwahl zur 0:6-Schlappe von Hertha BSC gegen Bayern München am Vorabend, noch sei nichts verloren. Die Delegierten hätten durchaus Sympathien für den Hauptstadtfußball, ergänzte Kauder nach Angaben von Teilnehmern. Hertha-Trainer Rehhagel trat daraufhin vor das Mikrofon und sagte: “Denk' ich an Bayern in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.“ Kauder stellte daraufhin klar, Rehhagel meine damit natürlich den FC Bayern München.

Fraktionen vor Wahl erneut zusammengekommen

Die Bundestagsfraktionen sind am Sonntagvormittag in Berlin erneut zu Sitzungen zusammengekommen, um mit ihren Wahlmännern und Wahlfrauen die Wahl des neuen Bundespräsidenten vorzubereiten. Dabei sollte es nochmals Zählappelle geben, um zu klären, ob alle Mitglieder der Bundesversammlung anwesend sind.

Die Bundesversammlung besteht aus den Mitgliedern des Bundestages und einer gleichen Anzahl von Delegierten, die von den Landesparlamenten gewählt werden. Von den insgesamt 1240 Delegierten werden voraussichtlich 1238 anwesend sein. Dazu gehören auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Die Bundesversammlung wählt ab 12.00 Uhr in Berlin den neuen Bundespräsidenten. Die Wahl des früheren DDR-Bürgerrechtlers Joachim Gauck gilt als sicher. Der 72-jährige parteilose Theologe wird von einer beispiellosen Fünf-Parteien-Koalition aus CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen unterstützt.

Bei der bislang letzten Wahl im Juni 2010 war Gauck noch dem CDU-Politiker Christian Wulff unterlegen. Dieser trat im Februar nach nur 20 Monaten im Amt wegen einer Kette von Vorwürfen zurück. Für die Linke kandidiert die als Nazi-Jägerin bekannt gewordene Beate Klarsfeld. Die 73-Jährige ist aber chancenlos.

Voraussichtlich an diesem Montag soll Gauck in sein Amt eingeführt werden. Die Vereidigung des 11. Präsidenten vor Bundestag und Bundesrat ist für den kommenden Freitag vorgesehen.

Zitat zur Präsidentenwahl

“Ich habe auch eine Bitte an Sie, die oder den Gewählten: Führen Sie dieses Amt so, dass wir nicht schon bald wieder zusammenkommen müssen.“ (Prälat Karl Jüsten, Leiter des Katholischen Büros in Berlin, am Sonntagmorgen beim ökumenischen Gottesdienst vor der Bundespräsidentenwahl in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin.)

Ökumenischer Gottesdienst in Berlin

Zum Auftakt der Bundesversammlung haben die evangelische und katholische Kirche am Sonntag in Berlin gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst gefeiert. Dabei bedankte sich der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Prälat Karl Jüsten, laut Redemanuskript beim zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff, der sich für das Gemeinwesen engagiert habe.

Der Wunsch nach mehr Transparenz und Offenlegung privater Angelegenheiten lasse viele davor zurückschrecken, öffentliche Ämter zu übernehmen, gab der Geistliche zu bedenken. Zu Recht erwarte die Bevölkerung von Mandatsträgern, dass sie ehrlich und aufrecht seien. Die Erwartung könne sich aber nicht nur an diese richten.

Mit Blick auf das höchste Amt äußerte der Prälat nach Angaben der Deutsche Bischofskonferenz die Bitte: “Halten wir Maß! Überfordern wir unseren neuen Bundespräsidenten nicht mit zu hohen Erwartungen.“ Ausdrücklich mahnte Jüsten zudem die Medien zum “nötigen Respekt vor dem Amtsinhaber“.

Präsidenten-Kandidat Joachim Gauck im Porträt

Der im Kriegsjahr 1940 als Kapitänssohn in Rostock geborene Gauck wollte in der DDR eigentlich Journalist werden, erhielt aber keinen Studienplatz für Germanistik. © dpa
Also studierte er nach dem Abitur evangelische Theologie und wurde Pfarrer. © dpa
Im Wendejahr 1989 engagierte sich Gauck im Neuen Forum. Dort kümmerte er sich um die Aufdeckung des Überwachungsapparates der DDR. © dpa
Dieses Aufgabenfeld sollte Gauck in den folgenden elf Jahren nicht mehr loslassen. Das Amt des „Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR“ übte er überaus streitbar aus. © dpa
Konflikten geht der streitbare Intellektuelle also nicht aus dem Weg und der Kampf für die Freiheit ist sein Lebensmotto. © dpa
Über das höchste Staatsamt hat der redegewandte Gauck zudem präzise Vorstellungen: „Als Repräsentant des ganzen Volkes kann der Bundespräsident zwischen den Regierten und den Regierenden vermitteln und zu einer besseren Verständigung zwischen ihnen beitragen.“ © dpa
Ab 2001 war Gauck deutsches Mitglied des Verwaltungsrates der "Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit". © dpa
Gauck war bereits 2010 für das Amt des Bundespräsidenten nominiert worden. Damals scheiterte er im dritten Wahlgang. © dpa
Dass er bei der durch Horst Köhlers überraschenden Rücktritt nötig gewordenen Wahl knapp an Wulff scheiterte, änderte nichts an seinem gewachsenen Stellenwert. Als brillanter Redner ist der 72-Jährige im In- und Ausland weiter gefragt. © dpa
2010 erhielt der frühere DDR-Bürgerrechtler in München (Oberbayern) vom Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (l - SPD) und dem Vorsitzender der Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern, Wolf Dieter Eggert, den Geschwister-Scholl-Preis. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung bekam Gauck für sein Buch "Winter im Sommer - Frühling im Herbst". © dpa
Auch der des Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) zeichnete Gauck mit der Ehren-Victoria aus. © dpa
Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt bei einem Unterstützerfest. © dpa
Glamourös: Das Paar 2010 bei der Verleihung des Medienpreises "Goldene Henne" im Friedrichstadtpalast in Berlin. © dpa

Nach der Einstimmung auf die Bundesversammlung in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt waren noch einmal Fraktionssitzungen geplant, bevor die Bundesversammlung gegen Mittag zusammentritt. Erwartet wurde, dass der Kandidat von Union , SPD, FDP und Grünen, Joachim Gauck schon im ersten Wahlgang gewählt wird. Der Publizistin Beate Klarsfeld, die von der Linken aufgestellt worden war, wurden keine Chancen eingeräumt. Sollte Gauck im ersten Wahlgang gewählt werden, könnte das Ergebnis schon nach rund zwei Stunden feststehen.

Das waren die deutschen Bundespräsidenten

Bundespräsident Christian Wulff (CDU, rechts unten) war das zehnte Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Ein Überblick über unsere Präsidenten: © dpa
THEODOR HEUSS (1949-59, FDP): Der schwäbische Liberale setzte in Amtsführung und Reden Maßstäbe für seine Nachfolger. Mit seiner humorvoll-väterlichen Art gewann “Papa Heuss“ schnell Sympathien. © dpa
Im Ausland  - wie hier bei einem Besuch bei Hans Speidel (l.) im NATO-Hauptquartier in Frankreich -  half der schwäbische Literat Heuss, Vorurteile gegen die Deutschen abzubauen. 1954 wurde er mit 88,2 Prozent der Stimmen wiedergewählt - das beste aller Ergebnisse bisher. © dpa
Im Parlamentarischen Rat hatte Heuss vielen Bestimmungen des Grundgesetzes seinen Stempel aufgedrückt. Heuss starb 1963 fast 80-jährig in Stuttgart. Hier besucht Bundespräsident Horst Köhler (r.) mit Heuss' Enkel Ludwig Theodor Heuss das Denkmal seines Vorgängers in Brackenheim. © dpa
HEINRICH LÜBKE (1959-69, CDU): Der damalige Bundeslandwirtschaftsminister kam als Verlegenheitskandidat ins Amt, nachdem Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) eigene Pläne für die Heuss-Nachfolge aufgegeben hatte. © dpa
Lübke galt als Pflichtmensch und eigenwillig. Im Inland wurde seine ungelenke Redeweise belächelt. CDU-Kanzler Ludwig Erhard missfiel, dass Lübke mit SPD-Vize Herbert Wehner die große Koalition einfädelte. Hier sind (v.l.) die späteren Bundeskanzler Willy Brandt, Helmut Schmidt und SPD-Vize-Vorsitzender Herbert Wehner vor der Bildung der Großen Koalition 1966 zu sehen. © dpa
Viele Reisen in die Dritte Welt verschafften dem Fürsprecher der Entwicklungsländer besonders in Afrika hohes Ansehen. Als Besucher und Fürsprecher der Entwicklungsländer Der gebürtige Sauerländer starb 1972 mit 78 Jahren in Bonn. © dpa
GUSTAV HEINEMANN (1969-74, SPD): Mit Heinemann kam erstmals ein Sozialdemokrat an die Staatsspitze. 1974 verzichtete Heinemann auf eine zweite Kandidatur. Zwei Jahre danach starb er im Alter von 76 Jahren in Essen. © dpa
Die Wahl des Bundesjustizministers zum Staatsoberhaupt mit Hilfe der FDP-Stimmen ebnete der sozial-liberalen Koalition im selben Jahr den Weg. Es bedurfte allerdings dreier Wahlgänge dafür. Neun Stunden lang tagte die Bundesversammlung. Dannach gab es Händeschütteln: Heinemann (l.) mit SPD-Fraktionsvorsitzenem Helmut Schmidt. © dpa
Die Wahl des früheren Bundesjustizministers Heinemann mit Stimmen der SPD und FDP galt in dessen Worten als "ein Stück Machtwechsel". Wenige Monate später löste die sozialliberale Koalition die Große Koalition in Bonn ab. Heinemann verstand sich als "Bürgerpräsident" und suchte stets den Kontakt mit den einfachen Leuten. © dpa
Der überzeugte Pazifist Heinemann fühlte sich besonders der “Verankerung der Demokratie“ in seinem “schwierigen“ Vaterland verpflichtet.  Hier hält Kofi Annan die Laudatio auf den Vorsitzenden von Transparancy International", Peter Eigen, der 2007 den Gustav-Heinemann-Preis für sein Engagement gegen Korruption erhielt. © dpa
WALTER SCHEEL (1974-79, FDP): Der nach Heuss zweite Liberale im Amt war zuvor Außenminister. Zur Heiterkeit der rheinischen Frohnatur gesellte sich Härte in der Sache. © dpa
Der Rheinländer Scheel war wegen seiner leutseligen Art populär - er schaffte 1974 mit dem Volkslied "Hoch auf dem gelben Wagen" sogar einen Platz in der Top Ten der Musikcharts. 1976 verweigerte er einem Gesetz zur Abschaffung der Gewissensprüfung bei Kriegsdienstverweigerern seine Unterschrift. © dpa
Im “deutschen Herbst“ 1977 brandmarkte Scheel Sympathisanten und Helfer der Terroristen öffentlich als “mitschuldig“. Weil sich die politischen Mehrheiten geändert hatten, blieb es bei einer Amtszeit. © dpa
KARL CARSTENS (1979-84, CDU): Der im Vergleich zu Scheel eher spröde Norddeutsche wurde erst als Wanderer durch Deutschland in weiten Kreisen populär. Politisch trat er für konservative Werte und Tugenden ein. © dpa
Der Jurist Carstens (Mitte, nach seiner Wahl) war anfangs Feindseligkeiten wegen seiner früheren Mitgliedschaft in der NSDAP ausgesetzt. Der gebürtige Bremer starb 1992 mit fast 78 Jahren in Meckenheim bei Bonn. © dpa
RICHARD VON WEIZSÄCKER (1984-94, CDU): Der frühere CDU-Bürgermeister von Berlin hatte bei beiden Kandidaturen keine SPD-Konkurrenz. © dpa
Von Weizsäcker, der erste gesamtdeutsche Präsident, Spross einer württembergischen Familie, beeinflusste wie kaum ein anderer durch seine vielbeachteten Reden das politische Klima. Wegen seiner Weltgewandtheit und seines perfekten Auftretens hatte er den Spitznamen "König Richard". © dpa
Als eine Art “Gewissen der Nation“ erinnerte von Weizsäcker an die historische Schuld der Deutschen und nannte den 8. Mai 1945 einen “Tag der Befreiung“. Hier steht Weizsäcker (l.), damals  - 1982 - Bügermeister von Berlin mit US-Präsident Ronald Reagan und Bundeskanzler Helmut Schmidt am Checkpoint Charly. © 
Mit den Parteien legte sich der populäre Präsident an, als er sie “machtversessen“ nannte. Nach der Wiedervereinigung mahnte er als Staatsoberhaupt aller Deutschen an, teilen zu lernen. Auch im Ruhestand genießt Weizsäcker weiterhin hohes Ansehen. © 
ROMAN HERZOG (1994-99, CDU): Der volksnahe Christdemokrat und ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts wollte seinen Landsleuten unverblümt “Wahrheit und Klarheit“ vermitteln. © dpa
Der Landshuter verlangte 1997 in seiner Berliner Rede (Foto) mit Blick auf den Reformstau: "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen". © dpa
Außenpolitisch erkannte Herzog früh die Notwendigkeit eines “Dialogs zwischen den Kulturen“. Eine Wiederwahl hatte der Bayer von Anfang an nicht im Sinn. © dpa
JOHANNES RAU (1999-2004, SPD): Abseits der Politik war der wegen seiner Bibelfestigkeit “Bruder Johannes“ genannte Präsident ein leidenschaftlicher Witze- und Anekdotenerzähler. © dpa
Gemäß seinem Lebensmotto "Versöhnen statt spalten" trat der Ex-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen für das Zusammenleben von Deutschen und Ausländern ein. Als historisch gilt seine Rede vor dem israelischen Parlament, in der er um Vergebung für die Verbrechen des Holocaust bat. © dpa
Der mit Christina, einer Enkelin von Gustav Heinemann, verheiratete Rau starb 2006 mit 74 Jahren in Berlin. © dpa
Horst Köhler (2004 bis 2010, CDU): Der ehemalige Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) gehörte der CDU an. © dpa
Als erster Bundespräsident ist er aber ein Seiteneinsteiger, der nicht dem politischen Establishment entstammt. © dpa
2009 wurde der bei den Bürgern äußerst beliebte Köhler wiedergewählt. Hier hält er bei der Eröffnung der Eishockey-WM 2010 in Gelsenkirchen ein Trikot mit seinem Namen hoch. © dpa
2005 folgte Köhler der Bitte des damaligen SPD-Kanzlers Gerhard Schröder und löste den Bundestag für Neuwahlen auf. Als unbequem für die spätere große Koalition erwies sich “Super-Horst“, als er Gesetzen die Unterschrift verweigerte und sich in die aktuelle Politik einmischte. © 
Spätestens als er die internationalen Finanzmärkte “Monster“ schimpfte, war der heute 67-Jährige das Image des marktradikalen Wirtschaftsfachmanns los. © dpa
Sein Rücktritt am 31. Mai 2010 wegen seiner missverständlichen und stark kritisierten Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz kam völlig überraschend. © dpa
Christian Wulff (CDU) war der zehnte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. © dpa
Wulff wurde am 30. Juni 2010 im dritten Wahlgang von der Bundesversammlung gegen Joachim Gauck zum Bundespräsidenten gewählt. © dpa
Von 2003 bis 2010 war Christian Wulff Ministerpräsident des Landes Niedersachsen und von 1994 bis 2008 Vorsitzender der niedersächsischen CDU. Im dritten Anlauf schaffte er es 2003, Ministerpräsident zu werden. © dpa
Seit 2008 ist Christtan Wulff  in zweiter Ehe mit der Medienreferentin Bettina Wulff (geborene Körner) verheiratet. Sie haben einen gemeinsamen Sohn, der 2008 geboren wurde. Bettina Körner brachte als Alleinerziehende einen 2003 geborenen Sohn aus einer vorigen Beziehung mit in die Ehe. © dpa
Wulff war 17. Februar 2012 nach weniger als zwei Jahren im Amt unter massivem Druck zurückgetreten. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Vorteilsannahme. © dapd
Am 18. März 2012 wählte die Bundesversammlung Joachim Gauck zum elften Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland. © dpa

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte vor dem Gottesdienst, Gauck werde jemand sein, der die Würde dieses Amtes sehr schnell wieder herstellen werde. Auf Gaucks Schultern lasteten “fast übermenschliche Erwartungen“. Er erwarte, dass Gauck für Demokratie und Freiheit werbe. Mit Blick auf das Thema Integration sagte Steinmeier, es gebe keinen Bundespräsidenten, der dieses Thema vernachlässigen könne.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles erwartet von Gauck, dass er eine Brücke baue, um die “Zerrüttung zwischen Politik und Menschen“ zu beseitigen.

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