Papst hinter Glas?

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Für Papst Franziskus muss es eine Qual sein. Er, der so gerne ein Bad in der Menge nimmt. Der gerne Nähe zum Volk zeigt. Auch er muss jetzt Abstand halten. Seit Italien abgeriegelt ist, ist auch der Vatikan dicht. Zwar hat der kleinste Staat der Welt nur rund 900 Einwohner. Aber hier gehen Kirchenvertreter aus aller Welt ein und aus, der Petersplatz und die Vatikanischen Museen mit der Sixtinischen Kapelle sind Magnet für Millionen Touristen aus aller Welt.

Dort ist nun alles gesperrt, es herrscht Leere. Auch das anstehende Osterfest, mit Weihnachten das wichtigste Fest der katholischen Kirche, wird ohne Gläubige gefeiert. Die spektakuläre Karfreitagsprozession am Kolosseum in Rom entfällt.

Sondersegen wird zum Symbol

Das Bild des Papstes, wie er letzte Woche ganz alleine am Petersdom den Sondersegen urbi et orbi sprach und der Regen über Rom fiel, wird auch Nichtgläubigen als Symbol dieser Zeit im Gedächtnis bleiben. Doch so ganz hält sich Franziskus nicht an die sozialen Abstandsregeln, die in Italien gelten. Er empfängt immer noch Gäste und schüttelt dabei angeblich auch noch die Hände.

"Weder Papst Franziskus noch seine engsten Mitarbeiter tragen eine Gesichtsmaske", sagte Mario Galgano von der deutschen Redaktion bei der vatikanischen Medienplattform Vaticannews. Die päpstliche Schutztruppe der Schweizergarde achte aber auf die nötigen Sicherheitsabstände. Die Sorge ist groß, dass das Virus auch im Vatikan um sich greift. Der größte Teil der Bewohner ist männlich und älter - also die Risikogruppe, für die das Virus gefährlich werden kann. Und Italien hat mit rund 12 000 Toten so viele wie kein anderes Land der Welt. "Ich möchte nicht alarmistisch werden, aber meiner Meinung nach wäre es sicherer, wenn man den Papst wirksam schützen will, dass er durch eine Glaswand mit einem Mikrofon mit den Besuchern spricht, so wie es in einigen Banken geschieht", sagte Vatikan-Buchautor Marco Politi ("Das Franziskus-Komplott"). "Für Franziskus ist es schrecklich, nicht die Möglichkeit zu haben, direkt und frei mit Menschen zu kommunizieren. Sein ganzes Pontifikat basiert weitgehend auf seinen Worten, seinen Gesten, den Symbolen, die er im Kontakt mit den Menschen überträgt."

Franziskus selbst sprach von sich wie in einem "Käfig", als er das erste Mal via Video- stream das Angelusgebet verlas, das jeden Sonntag stattfindet. Generalaudienzen und die Morgenmesse kann man nun via Internet verfolgen.

Zwar ist der 83 Jahre alte Papst fit. Aber weil ihm in jungen Jahren ein Teil eines Lungenflügels entfernt wurde, gibt es die berechtigte Sorge, dass ihn die Lungenkrankheit Covid-19 besonders hart treffen könnte. Zumal sich Fälle in seinem Umfeld häufen.

Der Vatikan brauchte aber mehr als einen Monat nach dem Bekanntwerden des Ausbruchs in Italien Ende Februar, bis er verklausuliert zu verstehen gab: Der Papst ist negativ auf das Virus getestet worden. Dazwischen lagen quälende Spekulationen über den Gesundheitszustand der Argentiniers. Zumal er Anfang März an einer Erkältung litt und sogar die Fastenexerzitien absagen musste. Eine schlechtere Zeit zum Husten konnte sich Franziskus vermutlich nicht aussuchen.

Der erste Corona-Fall im Vatikan wurde Anfang März bekannt, Seitdem wurden mindestens sechs andere positiv getestet. Darunter ist auch ein Mitarbeiter des Staatssekretariats, der obersten Regierungsbehörde der katholischen Kirche der im selben Gebäude wie Franziskus wohnt. dpa

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