Die Kirchen müssen in diesem Jahr neue Wege fürs gemeinsame Beten und Feiern finden. So zum Beispiel mit der Übertragung von Gottesdiensten, die dann im Internet verfolgt werden können. FOTO: DPA
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Die Kirchen müssen in diesem Jahr neue Wege fürs gemeinsame Beten und Feiern finden. So zum Beispiel mit der Übertragung von Gottesdiensten, die dann im Internet verfolgt werden können. FOTO: DPA

Online oder im Wohnzimmer

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Keine gefüllten Kirchen, keine Gebete zusammen mit der Gemeinde - gläubige Hessen werden Ostern in diesem Jahr ganz anders als sonst feiern. Auf Gottesdienste müssen sie dank vieler Ideen aber nicht verzichten.

Für Gläubige in Hessen lautet die frohe Botschaft: "Ostern findet statt. Aber nicht wie gewohnt." So fasst der Sprecher des Bistums Fulda, Christof Ohnesorge, die beispiellose Situation angesichts der Corona-Krise zusammen. Weil sich Katholiken und Protestanten wegen der Kontaktbeschränkungen nicht wie sonst in den Kirchen zu den Ostergottesdiensten versammeln dürfen, müssen die Gemeinden neue Wege fürs gemeinsame Beten und Feiern finden. Ein Überblick.

Bistum Limburg

Das Bistum Limburg will die Gottesdienste aus der Kapelle des Bischofshauses und aus dem Dom live übertragen. Gläubige können die Messen online auf der Internet-Seite der Diözese verfolgen, auf Facebook und YouTube oder in lokalen Fernsehkanälen. Unter dem Motto "#ZusammenHALT" lädt das Bistum zudem zu interaktiven Gottesdiensten an den Kar- und Ostertagen ein. Die Diözese hat auch Vorschläge erarbeitet, wie die Gläubigen Hausgottesdienste in den eigenen vier Wänden feiern und gestalten können. Zu den Handreichungen gehören Liedvorschläge, Texte oder Hinweise zu passenden Gegenständen und Dekorationen.

Bistum Mainz

"Ostern fällt in diesem Jahr nicht aus", betont der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. "Wir werden die Auferstehung feiern, aber es wird das seltsamste und traurigste Osterfest, das ich je erlebt habe." Das Bistum Mainz, das in Rheinland-Pfalz und Hessen liegt, streamt die Karfreitagsliturgie mit Bischof Kohlgraf um 15 Uhr auf seiner Web-Seite. Eine Osternacht-Feier überträgt das ZDF live (siehe Text unten rechts).

Bistum Fulda

"Feiern vom Leiden und Sterben sowie der Auferstehung Christi fallen nicht aus, werden aber anders als sonst begangen - sie werden übertragen", heißt es aus dem Bistum Fulda. Und zwar im Internet und teils im Radio sowie auf offenen TV-Kanälen der Region. Auch das Bistum Fulda hat Textvorlagen zusammengestellt, die bei Hausgottesdiensten genutzt werden können. Ab der Osternacht brennt außerdem täglich die Osterkerze in der Fuldaer Stadtpfarrkirche. Gläubige können sich nach Angaben des Bistums aus einer Laterne daneben das Osterlicht mit nach Hause nehmen.

Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) will die Gläubigen mit Online-Angeboten und Live-Übertragungen erreichen. Auf dem Programm der Gemeinden stehen Wohnzimmergottesdienste, Videoandachten und auch Fernseh- und Radioprogramme. Die EKHN verschickt zudem an alle evangelischen Haushalte im Kirchengebiet zu Ostern einen "Hoffnungsbrief". Mit der Aktion "Gottkontakt" soll auf die Formen des Gebets hingewiesen werden. "In dieser Zeit beten wir viel häufiger als sonst", sagt Kirchenpräsident Volker Jung. Zudem biete die Kirche Menschen an, ausgedruckte Predigten und Andachten in den Briefkasten zu werfen.

Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) überträgt auf ihrer Internet-Seite ekkw.de ebenfalls Andachten. Bischöfin Beate Hofmann spricht am Karfreitag aus der Kasseler Martinskirche. Am Sonntag gibt es eine Osterandacht. Hinzu kämen viele Gemeinden, die ihre Gottesdienste im Internet übertragen würden. Seit der Zuspitzung der Corona-Pandemie bietet die EKKW zudem ein Hörangebot im Internet - einen Podcast -, der auch telefonisch abrufbar ist. Auch wer nicht ins Internet geht, kann etwas Osterstimmung mitbekommen: Die Landeskirche ruft zur Beteiligung an der Aktion "Ostern vom Balkon" auf. Mit dem Lied "Christ ist erstanden, von der Marter alle!" sollen Posaunenchöre und andere Bläser am Sonntag um 10.15 Uhr zum Ende des ZDF-Fernsehgottesdienstes und ebenfalls zum Ende der ekkw.de-Osterandacht öffentlich musizieren - natürlich unter Einhaltung der Sicherheitsabstände.

Jüdische Gemeinden

Nicht nur die christlichen Kirchen müssen in diesem Jahr eines ihrer wichtigsten Feste ohne persönlich anwesende Gemeinde feiern. Am (heutigen) Mittwochabend beginnt mit Sonnenuntergang das jüdische Pessach-Fest, das an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei erinnert. "Im Prinzip ist Pessach ein Familienfest - wobei viele unserer Gemeindemitglieder traditionell in Israel feiern. Das ist in diesem Jahr nicht möglich", erklärt der Frankfurter Rabbiner Julian-Chaim Soussan. Ähnlich wie viele christliche Geistliche haben sein Kollege Avichai Apel und er in den vergangenen Wochen viel über soziale Medien und Online-Angebote Gemeindemitglieder betreut.

Angesichts von Reiseeinschränkungen und Kontaktverboten haben Soussan zufolge mittlerweile sogar einzelne orthodoxe israelische Rabbiner einen Vorstoß unternommen, die eigentlich strengen Regeln der Feiertags- und Schabbatruhe wegen der besonderen Umstände zu lockern. Wenn es gar nicht anders gehe, könnten etwa Großeltern in Deutschland und ihre Enkel in Israel oder anderen Ländern danach auch per Zoom oder Skype zusammenkommen.

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