Pete Buttigieg, demokratischer Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, gilt als Wunderjunge aus South Bend im US-Bundesstaat Indiana. In der Wahlnacht hat er sich keck selbst zum Sieger der "Caucuses" ausgerufen. FOTO: DPA
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Pete Buttigieg, demokratischer Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, gilt als Wunderjunge aus South Bend im US-Bundesstaat Indiana. In der Wahlnacht hat er sich keck selbst zum Sieger der "Caucuses" ausgerufen. FOTO: DPA

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Die demokratischen Präsidentschaftskandidaten versuchen das Chaos der Vorwahlen in Iowa zu ihrem Vorteil zu nutzen. Ohne offizielle Ergebnisse erklären sie sich zu Siegern und eilen nach New Hampshire.

Pete Buttigieg stehen die Strapazen des Übernachtflugs noch ins Gesicht geschrieben. Trotzdem versucht er nach Landung in New Hampshire, die Aura des Siegers zu verbreiten. Er fühle sich "phänomenal" sagt der homosexuelle Wunderjunge aus South Bend im US-Bundesstaat Indiana im Morgenfernsehen nachdem er sich in der Wahlnacht keck selbst zum Sieger der Caucuses ausgerufen hatte.

"Die haben gesagt, wir sollten eigentlich nicht hier sein", sagt er und spielt auf seinen Aufstieg als unbekannter Bürgermeister mit einem Namen, den kaum jemand auszusprechen wusste, zum gefühlten Spitzenreiter der Demokraten an. "In einer Woche werden wir hier Geschichte schreiben." Am kommenden Dienstag entscheiden die Wähler des kleinen Neuengland-Staats bei den ersten Primaries, wer die Demokraten gegen Donald Trump ins Rennen führen soll.

Bis dahin hat "Mayor Pete" ein vollgepacktes Wahlkampfprogramm, das der 38-jährige mit einer starken Tasse schwarzen Kaffee bei Jim Donchess, dem Bürgermeister von Nashua, beginnt. Dort beschwert sich der Hoffnungsträger der Moderaten, um den Rückenwind betrogen worden zu sein, der den Siegern von Iowa in der Vergangenheit die Wahlkampfkassen füllte und kostenlose Medienaufmerksamkeit schenkte. "Momentum" nennen das die Amerikaner.

Alle erklären sich zu Siegern

Das einzige Problem für Buttigieg bestand darin, seine Behauptung nicht mit offiziellen Zahlen untermauern zu können. Wie auch Bernie Sanders nicht, der weniger bombastisch, aber genauso entschieden seinen Sieg ausrief. "Ich habe das Gefühl, wir haben hier eine sehr gute Nacht gehabt", verkündete der demokratische Sozialist vor seinen Anhängern. "Der Wechsel kommt." Als Siegerin sah sich auch Elizabeth Warren, die vor ihrem nächtlichen Aufbruch nach New Hampshire erklärte, "es ist zu knapp, um ein Ergebnis auszurufen".

Der ehemalige Vizepräsident Joe Biden wiederum machte das Beste aus einer Wahlnacht, die weit hinter den Erwartungen seines Teams zurückblieb. "Wir haben unseren Teil an Delegierten gewonnen", versicherte er, während Ehefrau Jill ein wenig betreten ins Publikum schaute. "Und sind auf ein langes Rennen eingestellt."

Während sich alle Kandidaten irgendwie zu Siegern erklärten, stand Iowa als Verlierer fest. "Das dürfte der letzte Caucus gewesen sein", reagierte Barack Obamas ehemaliger Wahlkampfstratege David Plouffe auf das Chaos, das sich live im Fernsehen entfaltete. Das lag an einer Panne bei der Erfassung der Ergebnisse aus den fast 1700 Parteiversammlungen. Die hatten pünktlich gegen 19 Uhr Ortszeit in Schulen, Turnhallen, Kirchen, Gemeindezentren und Wohnhäusern begonnen. Nach zwei Stunden hatten die Wähler entschieden. Die Ergebnisse waren für 22 Uhr erwartet worden.

Während die Kandidaten, ihre Wahlkampfteams und die großen Fernsehsender von Minute zu Minute ungeduldiger auf die ersten harten Zahlen warteten, teilte die Partei mit, es gebe "Unstimmigkeiten", die bei einer "Qualitätskontrolle" überprüft werden müssten.

Panne bei der Wahl in Iowa

Der ehemalige Parteichef der Demokraten in Iowa, Derek Eadon, fand eine andere Beschreibung für das Chaos: "Ein systemweites Desaster." Es begann mit dem Versagen einer hastig entwickelten App, mit der die Verantwortlichen die Ergebnisse der Caucusses übermitteln sollten. Dann versuchten diese vergeblich, das Telefon-Backup-System zu benutzen. In ihrer Not schickten einige die Resultate via Twitter, Facebook oder E-Mail, an die sie Fotos der Ergebniskarten anhängten.

Nach zwei Krisengesprächen der Parteiverantwortlichen in Iowa mit den empörten Teams der Kandidaten und einem nächtlichen Presse-Briefing ohne Reporterfragen hieß es kurz nach 2 Uhr, die Ergebnisse würden im Laufe des Dienstags bekannt gegeben.

Das Wahlkampfteam Michael Bloombergs, der in Iowa nicht angetreten war, machte keinen Hehl aus seiner Schadenfreude über das Chaos. Hätten sie Bloomberg-Technologie eingesetzt, ätzte Wahlkampf-Manager Kevin Shelley, lägen Ergebnisse vor.

Verdächtig aggressiv reagierte das Biden-Team, das in einem Schreiben an die Parteifreunde in Iowa Aufklärung verlangte, bevor ein Ergebnis veröffentlicht wird. Doch je länger die Bekanntgabe des Wahlsiegers verzögert wird, desto mehr könnte er den Effekt eines schlechten Abschneidens in Iowa abfedern.

Das Chaos in Iowa verstärkt nach Ansicht erfahrener Beobachter wie Ann Kuster die Verunsicherung der Demokraten, die nach einem Kandidaten suchen, der Donald Trump schlagen kann. "Ich habe noch nie eine so hohe Zahl an unentschiedenen Wählern gesehen", sagt die Abgeordnete aus New Hampshire.

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