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Ukraine-Krieg: „Spur der Verwüstung“ – Russland attackiert Kiew

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Von: Tobias Utz, Lukas Rogalla, Bettina Menzel, Katja Thorwarth, Tim Vincent Dicke, Sonja Thomaser, Nail Akkoyun, Christian Stör, Sandra Kathe, Johannes Nuß, Isabel Wetzel, Nico Scheck, Andreas Schmid, Marvin Ziegele, Lucas Maier

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Im Ukraine-Konflikt gehen die Kämpfe und Angriffe auch am Sonntag weiter. Die Ukraine geht von einem Angriff auf ein Wasserkraftwerk aus. Der News-Ticker.

Dieser Ticker ist beendet. Lesen Sie in unserem neuen News-Ticker alles um den Krieg in der Ukraine.

+++ 07.00 Uhr: Auch am Sonntag erhöht die russische Armee den militärischen Druck auf die Großstädte des Nachbarlandes. Heftige Angriffe gab es in der Nacht zum Sonntag nach ukrainischen Angaben rund um Kiew, Charkiw und Mykolajiw . In der Region Kiew hinterließen die russischen Angriffe eine Spur der Verwüstung.

Menschen fliehen aus Kiew. Die Hauptstadt steht unter Beschuss der russischen Armee.
Menschen fliehen aus Kiew. Die Hauptstadt steht unter Beschuss der russischen Armee. © Emilio Morenatti/dpa

In einem nördlich von Kiew gelegenen Krankenhaus berichtete der durch Granatsplitter verwundete ukrainische Soldat Mykola, wie seine Einheit während einer Aufklärungsfahrt auf eine „feindliche Kolonne“ gestoßen sei. „Sie überschütteten uns mit Mörserfeuer“, sagte der 29-Jährige zu AFP-Reportern. 

Ukraine-Konflikt: „10 Tage Hölle“ in Charkiw – Kommt endlich der humanitäre Korridor?

+++ 05.35 Uhr: Angriffe auf die Region Sumy im Nordosten der Ukraine gemeldet. Ein lokaler Behördenvertreter berichtet von russischen Angriffen auf die Städte Sumy und Lebedin, so die dpa. Das teilte der Chef der Gebietsverwaltung von Sumy, Dmytro Schywyzkyj, auf seinem Telegram-Kanal in der Nacht zu Sonntag mit. Die Angaben bezogen sich demnach auf Samstag.

In der Kleinstadt Ochtyrka, ebenfalls in der Region Sumy, habe die Luftwaffe von Russland ein Lager für Lebensmittel, Baumaterialien sowie einen Parkplatz zerstört, heißt es weiter. Bereits am Freitag sei ein Heizkraftwerk zerstört worden, dabei seien fünf Mitarbeiter ums Leben gekommen.

Die Heizungen sind in der gesamten Stadt ausgefallen. Wasser und Strom funktionieren nur noch vereinzelt. „Was soll ich sagen, Ochtyrka selbst ist teilweise weg“, schreibt Schywyzkyj auf Telegramm. Erst am Dienstag war aus Ochtyrka gemeldet worden, dass 70 Soldaten bei einem Angriff durch Mehrfachraketenwerfer auf eine Armee-Einheit getötet wurden.
Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

+++ 04.50 Uhr: Im Angesicht der dramatischen humanitären Situation in Charkiw, gibt ein Kommentar Hoffnung. Der Leiter der ukrainischen Delegation für Gespräche mit Russland hat sich auf Facebook geäußert, wie die dpa schreibt. „So Gott will“ werde es am Sonntag einen Korridor geben, schrieb David Arachamija in der Nacht zu Sonntag auf Facebook.

Mit diesen Worten antwortete Arachamija einer Frau auf seiner Facebook-Seite. Sie hatte sich auf Facebook für eine Waffenruhe mit Russland ausgesprochen. Sie sei aus Charkiw und habe „10 Tage Hölle“ erlebt. In Mariupol war am Samstag eine Feuerpause gescheitert. Beide Seiten warfen sich den Verstoß gegen den Waffenstillstand vor.

Ukraine-Konflikt: Russland soll Angriff auf Wasserwerk planen

+++ 03.55 Uhr: Russland steht mit seiner Armee wohl kurz davor, den Damm des Wasserkraftwerks Kaniw einzunehmen. Das ein Angriff auf den Damm, 150 Kilometer südlich von Kiew, geplant sein könnte, teilte ein der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte in einem Bericht in der Nacht zu Sonntag (06.03.2022) mit, so die dpa. Das Wasserkraftwerk befindet sich am Fluss Dnipro. Bisher haben russische Truppen mehrere Einrichtungen der Energie-Infrastruktur zerstört, angegriffen oder eingenommen, darunter das größte Kernkraftwerk Europas in Saporischschja.

Die Truppe von Russland versuchten weiterhin, in die südwestlichen Außenbezirke der Hauptstadt Kiew* einzudringen, so der Bericht. Mehrmals wurde in der Nacht auf Sonntag bereits Flugalarm ausgelöst, schreibt die dpa. Russische Truppen versuchten zudem, sich der Autobahn von der Kiewer Vorstadt Browary nach Boryspil, wo der internationale Flughafen Kiews liegt, zu nähern. In Richtung Koselets, das rund 70 Kilometer nordöstlich von Kiew liegt, sei die Bewegung von 100 Einheiten an Waffen und anderer militärischer Ausrüstung beobachtet worden, darunter vor allem Raketenwerfer.

Die Umzinglung der Städte Kiew, Charkuiw und Mykolajiw sei weiterhin ein Hauptfokus der russischen Truppen, heißt es. In der Region sind nach Angaben der ukrainische Agentur Unian, seit Kriegsbeginn 194 Menschen getötet worden, darunter 126 Zivilisten. Unabhängig können diese Angaben derzeit jedoch nicht geprüft werden.

Ukraine-Konflikt: Neue Verhandlungen erst ab Montag

+++ 21.50 Uhr: Ukrainische Truppen haben mit den von Verbündeten gelieferten Waffen nach Angaben von Außenminister Dmytro Kuleba zahlreiche russische Panzerfahrzeuge und anderes Kriegsgerät zerstört. „Gerade heute haben wir drei russische Kampfflugzeuge, die unsere Städte bombardiert haben, mit Hilfe von „Stingern“ abgeschossen“, sagte Kuleba bei einem Treffen mit
US-Außenminister Antony Blinken im Grenzgebiet zu Polen. Die USA, aber auch Deutschland haben der Ukraine Panzerabwehrwaffen und Boden-Luft-Raketen vom Typ „Stinger“ geliefert.

Kuleba betonte, die Ukraine benötige weitere militärische Unterstützung etwa in Form von Kampfjets oder von Luftabwehrsystemen. Seine Botschaft sei einfach: „Die Ukraine wird diesen Krieg so oder so gewinnen, denn es ist der Krieg des Volkes um sein Land, und wir verteidigen die richtige Sache. Die Frage ist nur der Preis, der Preis für unseren Sieg.“ Wenn die Verbündeten die Ukraine weiterhin mit Waffen versorgten, „wird der Preis niedriger sein“. Blinken sagte, die Unterstützung für die Ukraine werde nicht nur fortgesetzt - „sie wird zunehmen“.

Kuleba sagte, bei den Verhandlungen mit der russischen Seite gebe es keine Fortschritte. „Aber jeder Krieg endet mit Diplomatie und mit Gesprächen, also müssen wir weiter reden.“ Man gehe aber nicht zu den Verhandlungen, „um russische Ultimaten zu akzeptieren“.

Ukraine-Krieg: Verhandlungen mit Russland sollen am Montag fortgesetzt werden

+++ 19.56 Uhr: Die Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland werden nach Angaben des ukrainischen Delegationsleiters, David Arachamija, am Montag (07.03.2022) fortgesetzt. Das teilte der Volksvertreter der Ukraine am Samstag über die Social-Media-Plattform Facebook mit. Die Ankündigung kommt entgegen Prognosen, die bereits für das Wochenende mit einer Fortsetzung der diplomatischen Verhandlungen gerechnet hatten.

Beide Seiten hatten sich zuletzt am Donnerstag (03.03.2022) im Westen von Belarus getroffen und sich bei ihrer zweiten Runde auf humanitäre Korridore verständigt. Sie sollten dabei helfen, dass Menschen umkämpfte Städte und Dörfer verlassen können. Diese Vereinbarung scheiterte jedoch, da beide Seiten einander vorwarfen, den Waffenstillstand nicht einzuhalten. Der russische Angriff auf die betreffenden Gebiete im Süden der Ukraine wurde am Samstagnachmittag fortgesetzt. Zehntausende Zivilistinnen und Zivilisten warten noch immer auf eine Evakuierung.

+++ 19.28 Uhr: Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau haben russische Truppen am Samstag eine große Militärbasis in Cherson im Süden der Ukraine eingenommen. Wie die russischen Behörden mitteilten hätten die ukrainischen Truppen die Basis geräumt und ein Waffenlager unter anderem mit Panzerabwehrraketen zurückgelassen. Eine Bestätigung von Kiew gab es nicht.

+++ 19.06 Uhr: In einer ersten größeren Stellungnahme seit Beginn der Invasion in der Ukraine hat sich Wladimir Putin mit neuen Drohungen gegen das russische Nachbarland zu Wort gemeldet. Nach Putins Aussage riskiere die Ukraine mit ihrem Verhalten ihre Souveränität als Staat. Auch die Sanktionen des Westens gegen Russland seien ein Risiko für die Zukunft der Ukraine.

Putin droht Westen bei möglichem Eingriff in Ukraine-Krieg: Selenskyj sucht bei der Nato Hilfe

+++ 16.44 Uhr: Nach der Aufforderung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an die Nato, eine Flugverbotszone über der Ukraine einzurichten, hat Russlands Staatsoberhaupt Wladimir Putin eine Drohung gegenüber dem Westen ausgesprochen. „Jede Bewegung in diese Richtung wird von uns als Teilnahme des jeweiligen Landes an einem bewaffneten Konflikt betrachtet“, kündigte Putin am Samstag bei einem Treffen mit Beschäftigten der Staatsfluggesellschaft Aeroflot an.

Die Nato hatte eine entsprechende Forderung der Ukraine bereits am Freitag zurückgewiesen. Die Alliierten seien sich einig, dass Nato-Flugzeuge nicht im ukrainischen Luftraum operieren sollten, hatte der Generalsekretär des Militärbündnisses, Jens Stoltenberg, gesagt. Die damit verbundenen Folgen wären, „dass russische Flugzeuge abgeschossen werden. Und man sich damit in einer Logik der Konfrontation verfängt“, sagte dazu auch Großbritanniens Premierminister Boris Johnson.

+++ 15.54 Uhr: Hunderttausende Menschen blieben aufgrund des russischen Angriffs in sechs Regionen der Ukraine ohne Gasversorgung. Das teilte der Betreiber des Gasfernleitungsnetzes der Ukraine mit. „Aufgrund der Kämpfe hat das Unternehmen 16 Gasverteilerstationen in den Regionen Charkiw, Mykolajiw, Saporischschja, Kiew, Donezk und Luhansk geschlossen. Hunderttausende Haushaltsverbraucher sind ohne Gas“, heißt es in der Erklärung.

Aufgrund erheblicher Schäden in den Netzen regionaler Betreiber regionaler Gasunternehmen und aktiver Militäraktionen ist es derzeit unmöglich, die Gasversorgung wiederherzustellen, erklärt der Betreiber.

Ukraine-Krieg: Erdogan will vermitteln

+++ 13.50 Uhr: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan* will am Sonntag (06.03.2022) mit Kremlchef Wladimir Putin zum Ukraine-Krieg telefonieren. Das kündigte Erdogans Sprecher, Ibrahim Kalin, nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu an. Das Nato-Mitglied Türkei unterhält enge Beziehungen zur Ukraine und zu Russland. Daher hat sich die türkische Regierung mehrmals als Vermittler angeboten.

Der Türkei kommt auch eine wichtige Rolle zu, weil sie die Hoheit über die Meerengen zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer (Dardanellen und Bosporus) hat. Zurzeit ist die Durchfahrt für Kriegsschiffe beider Konfliktparteien beschränkt. Die Türkei hat außerdem bereits mehrfach zum Waffenstillstand aufgerufen.

Verluste für Putin gemeldet: 10.000 russische Soldaten sollen gestorben sein

+++ 10.45 Uhr: Der Kiew Independent hat am Samstagmorgen (05.03.2022) vorläufige Schätzungen über die Verluste des russischen Militärs veröffentlicht. Dabei beruft sich das Nachrichtenportal auf Informationen der ukrainischen Streitkräfte.

Die Invasionsarmee des russischen Präsidenten Wladimir Putin erleidet beim Angriff auf die Ukraine demnach weiterhin schwere Verluste: Mehr als 10.000 russische Soldaten haben den Angaben zufolge bislang in diesem Krieg ihr Leben gelassen. Zudem seien 39 Flugzeuge und 40 Helikopter vernichtet worden. Die Angaben seien vorläufig und noch nicht vollständig bestätigt. Die Verluste Russlands im Überblick:

Verstorbene russische Soldaten*> 10.000
Flugzeuge*39
Hubschrauber*40
Panzer269
Artilleriegeschütze105
Mannschaftstransportpanzer945
MLRS (Raketenwerfer)50
Schiffe2
Militärfahrzeuge409
Tanklastwagen60
Unbemannte Luftfahrzeuge (Drohnen)3
Fahrzeuge/Waffen zur Flugabwehr18
Quelle: Vorläufige Schätzung der ukrainischen Streitkräfte/Kiew Independent

*Die Angaben zu den Verlusten von Truppen, Flugzeugen und Hubschraubern sind am Samstagmorgen noch nicht bestätigt.

„Ukrainer, wir sind unbesiegbar“: Verteidigungsminister berichtet von mehr als 66.000 Heimkehrern

+++ 09.50 Uhr: Mehr als 66.000 Ukrainer sind bereits in ihre Heimat zurückgekehrt, um für ihr Land zu kämpfen und es gegen die russische Invasion zu verteidigen. Das teilte der Verteidigungsminister der Ukraine, Olexii Resnikow am Samstag (05.03.2022) auf Twitter mit. „So viele Männer sind in diesem Moment aus dem Ausland zurückgekehrt, um ihr Land gegen die Horde zu verteidigen“, schreibt Resnikow. „Das sind weitere zwölf Kampfbrigaden und motivierte Brigaden! Ukrainer, wir sind unbesiegbar.“

Ukraine-Konflikt: Migrationsforscher erwartet zehn Millionen Flüchtende

+++ 09.00 Uhr: Der Migrationsforscher Gerald Knaus hält es für möglich, dass insgesamt zehn Millionen Menschen aus der Ukraine flüchten werden. „Putins Kriegsführung in Tschetschenien hat dazu geführt, dass ein Viertel der Tschetschenen vertrieben worden sind. Darauf müssen wir uns einstellen“, sagte Knaus dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Ein Viertel der Ukrainer entspräche zehn Millionen Menschen. Das ist bei der aktuellen Dynamik durchaus möglich, sollte der Krieg so weitergehen.“

Wer sich Wladimir Putins Kriegsführung in der Vergangenheit anschaue, könne Vorstellungen von der Zahl der Geflüchteten erhalten. „In einer Woche haben schon so viele Menschen die EU erreicht wie im gesamten Bosnienkrieg“, sagte Knaus. „Diese Geschwindigkeit zeigt, dass wir in Europa vor der schnellsten und größten Flüchtlingskatastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg stehen.“ Die Europäische Union setze darauf, dass ein Großteil der Ukrainer sich selbst in die Länder verteile, wo sie Kontakte hätten.

Ukraine-Konflikt: Feuerpause zur Evakuierung von Mariupol und Wolnowacha

+++ 07.50 Uhr: Das russische Militär hat eine Feuerpause für humanitäre Korridore in der ukrainischen Großstadt Mariupol und für die Stadt Wolnowacha angeordnet. Die Einstellung des Feuers trete um 8 Uhr (MEZ) in Kraft, damit Zivilisten die eingekesselten Städte verlassen können, teilte das russische Verteidigungsministerium am Samstag (05.03.2022) der Agentur Interfax zufolge mit.

Ukraine-Konflikt: Russland will Städte Kiew und Charkiw „umzingeln“

+++ 07.25 Uhr: Russland setzt nach ukrainischen Armeeangaben ihre Offensive gegen die Ukraine mit Luftunterstützung und dem Einsatz von Hochpräzisionswaffen fort. Die Hauptanstrengungen der russischen Seite bestünden darin, die Städte Kiew und Charkiw zu umzingeln, heißt es in einem in der Nacht zu Samstag (05.03.2022) veröffentlichten Bericht der ukrainischen Armee.

Russische Truppen versuchten zudem weiter, die administrativen Grenzen der Regionen Luhansk und Donezk zu erreichen, um so einen Landkorridor von der von Russland annektierten Halbinsel Krim zu den Separatistengebieten zu schaffen.

Parallel berichtet der Kiew Independent von weiteren Angriffen auf Zivilistinnen und Zivilisten. In der Stadt Butcha nahe Kiew hätten russische Streitkräfte demnach ein Auto mit Zivilpersonen beschossen. Zwei Menschen wurden bei dem Angriff getötet, darunter ein 17-jähriges Mädchen. Vier Menschen wurden verletzt.

+++ 06.35 Uhr: Der Kiew Independent berichtet am Samstagmorgen von Fliegeralarm an mehreren Orten. Betroffen seien neben der Hauptstadt Kiew demnach auch die Großstadt Tschernihiw und Sumy. In Sumy gibt es bereits Berichte möglicher Luftangriffe, bestätigt sind die noch nicht.

+++ 06.30 Uhr: Die Lage in der Hafenstadt Mariupol ist weiter angespannt. Fünf Tage, teilte der Bürgermeister Wadym Boitschenko mit, leide die Stadt bereits unter „unerbittlichen Angriffen“ von russischer Seite. Von Bewohnern hieß es zuvor, dass sie praktisch weder Wasser, noch Strom, noch Gas hätten.

Der Bürgermeister der Stadt hat nun seine Hoffnung auf einen baldigen humanitären Korridor aus der Stadt ausgedrückt. Während man humanitäre Probleme löse und nach allen Wegen suche, „um Mariupol aus der Blockade herauszuholen“, stünden die Sicherheitskräfte als „verlässliches Schild“ am Stadtrand. Sie hätten die „Eindringlinge“ auch am neunten Kriegstag nicht in die Stadt gelassen.

Ukraine-Konflikt: Russland richtet „Blockade“ ein – Lage in Mariupol schlecht

+++ 04.50 Uhr: Die humanitäre Situation in der strategisch wichtigen Hafenstadt Mariupol scheint sich zu verschlimmern. Der Bürgermeister der Stadt, Wadym Boitschenko, berichtet von einer „Blockade“ der Stadt durch russische Streitkräfte, so afp. Tagelang hätte die russische Armee „rücksichtslos“ die Stadt angegriffen, so der Bürgermeister. Über Telegram teile Boitschenko am Samstag (05.03.2022) mit: „Unsere Priorität ist die Herstellung eines Waffenstillstands, damit wir die lebenswichtige Infrastruktur wiederherstellen und einen humanitären Korridor einrichten können, um Lebensmittel und Medikamente in die Stadt zu bringen“.

Boitschenkos Stellvertreter, Sergej Orlow, hatte bereits am Freitag (04.03.2022) mit der BBC gesprochen. Er berichtete von einer „furchtbaren“ humanitären Situation in Mariupol. Über 40 Stunden lang sei die Stadt zuvor beschossen worden. Die russischen Streitkräfte sollen laut Orlow auch Schulen und Krankenhäuser angegriffen haben. Der stellvertretende Bürgermeister sagte, dass Wladimir Putin „die Ukraine als Nation zerstören“ wolle, so die afp. Sollte die Hafenstadt Mariupol fallen, würde dies einen Zusammenschluss der russischen Truppen mit Einheiten aus der Krim und dem Donbass ermöglichen.

Ukraine-Konflikt: Sprecher des Kreml nennt russische Ziele

+++ 23.45 Uhr: Der Kreml hat sich erneut zu den Zielen Russlands geäußert, wie die dpa berichtet. Demnach wolle Russland die Ukraine nicht aufteilen, so der Kremlsprecher Dmitri Peskow.

In einem Interview mit dem Sender „Sky News Arabia“ führte der Vertreter des Kremls „den zunehmenden Einfluss nazistischer Ideologie“ in der Ukraine als Grund für den Angriff Russlands an. Ein Ausbau der Nato-Infrastruktur in der Ukraine sei ein weiterer Grund, so Peskow. „Russland betrachte dies als Bedrohung seiner Sicherheit“.

Der Sprecher des Kremls nannte als ein weiteres Ziel des Angriffs auf die Ukraine, die Absetzung der politischen Führung im Land. Zu den Forderungen gehöre außerdem die Anerkennung der Krim als russisches Staatsgebiet, sowie die Anerkennung der Separatistengebiete im Süd-Osten des Landes, schreibt die dpa weiter. Die im Interview genannten Ziele des russischen Angriffs auf einen Blick:

Ukraine-Krieg: Ukrainisches Militär vermeldet Schätzungen über russische Verluste

Erstmeldung: Obwohl die russischen Truppen nach einem Militärbericht aus Kiew vielerorts „einen erheblichen technischen Vorteil“ haben, leisten die Streitkräfte der Ukraine erbitterten Widerstand. Nach Schätzungen des ukrainischen Militärs habe es bis Freitagmorgen (04.03.2022) auch auf russischer Seite massive Verluste gegeben. So berichtet das Nachrichtenportal The Kyiv Independent auf Twitter von über 9100 gefallenen russischen Soldaten.

An verloren gegangenem russischen Kriegsgerät und Waffensystemen melden die ukrainischen Streitkräfte etwa 33 Militärflugzeuge, 37 Helikopter, 251 Panzer, 939 Mannschaftstransportwagen, 404 Militärfahrzeuge, 18 Luftabwehrsysteme und zwei Boote.

(skr/tu/ktho/marv/lrg/nak/as/cs/nc/sot mit dpa/AFP/rtr/epd/KNA) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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