Margrethe II.
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Ein neuer Sündenbock

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Ein schwerer Vorwurf macht in Washington die Runde. Es klingt wie eine Verschwörungstheorie, doch selbst Trump spricht offen darüber. Das Misstrauen ist groß. Für den US-Präsidenten könnte der Vorwurf nützlich sein.

Das Coronavirus hat global Zehntausende Menschenleben gefordert, eine verheerende Weltwirtschaftskrise ausgelöst und die betroffenen Gesellschaften schon jetzt verändert: Ist diese neuartige Plage eine üble Laune der Natur oder stammt sie vielleicht aus einem Labor der aufstrebenden Weltmacht China? Diese Frage treibt die Regierung von US-Präsident Donald Trump um. Die von dem Virus ausgelöste Wirtschaftskrise könnte Trump im November die Wiederwahl kosten, der Präsident ist sauer. Wäre da nicht ein Sündenbock praktisch, dem die Schuld zugeschoben werden kann?

Der Vorwurf:Verschiedene US-Medien haben unter Berufung auf amerikanische Geheimdiensterkenntnisse berichtet, dass das neuartige Coronavirus aus einem Forschungslabor in China stammen könnte. Der Theorie zufolge soll das Virus im Wuhan-Institut für Virologie versehentlich von einem Mitarbeiter in die gleichnamige Stadt gebracht worden sein. In der Millionenmetropole hatte die Epidemie vor rund vier Monaten begonnen. Dann habe China den Ausbruch vertuscht und damit die ganze Welt einer tödlichen Pandemie ausgesetzt, so die Logik. Der "Washington Post" zufolge hatten US-Diplomaten schon vor zwei Jahren nach einem Besuch des Labors gewarnt, dass dort trotz unzureichender Sicherheitsvorkehrungen an Coronaviren geforscht werde.

Was sagt Trump dazu?Der US-Präsident wollte die offenbar auf geheimen Dokumenten basierende Theorie nicht ausdrücklich bestätigen. Er bemühte sich aber klar, die Theorie als mögliche Erklärung am Leben zu halten. "Ich kann ihnen sagen, wir hören diese Geschichte immer öfter", sagte er auf Nachfrage eines Journalisten des konservativen Senders Fox News. Dann lobte der Präsident - der sich meist über anonyme Quellen von Reportern aufregt - ausdrücklich die Quellen des zugrunde liegenden Berichts. Zum Abschluss versprach er "eine gründliche Untersuchung dieser schrecklichen Situation".

Was sagt das US-Militär?Sowohl Verteidigungsminister Mark Esper als auch Generalstabschef Mark Milley haben unter Berufung auf Erkenntnisse der Geheimdienste erklärt, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass das Virus aus einem chinesischen Labor stamme. "Das haben wir seit einiger Zeit genau beobachtet", sagte Minister Esper am Donnerstag im Gespräch mit dem Sender NBC. Die Ergebnisse seien bislang nicht "schlüssig", weswegen ein "natürlicher" Ausbruch des Virus derzeit als wahrscheinlicher gelte. Es sei ein großes Problem, dass China von Anfang an Dinge vertuscht habe. "Sie haben uns in die Irre geführt", sagte Esper. China müsse endlich transparenter werden, fordert er.

Was sagt China?Peking hat den Verdacht zurückgewiesen. Außenamtssprecher Zhao Lijian erklärte, es lägen keine Beweise vor, die dafürsprächen, dass das Virus in einem Labor hergestellt wurde oder von dort ausgetreten sei. Der Ursprung des Virus müsse von der Wissenschaft aufgeklärt werden. "Die Weltgesundheitsorganisation hat gesagt, dass es keine Beweise dafür gibt, dass es in einem Labor hergestellt wurde", so der Sprecher. "Viele renommierte medizinische Experten haben bestätigt, dass die Behauptung, dass das Virus aus einem Labor ausgetreten ist, keine wissenschaftliche Grundlage hat", sagte er.

Wieso verbreitet Trump die Theorie?Trump scheint derzeit Sündenböcke zu suchen, weil er in der Krise selbst schwer unter Druck geraten ist. Der Republikaner hatte die Gefahr des Coronavirus für die USA öffentlich lange heruntergespielt. Am Dienstag schob er dann alle Schuld der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu, am Mittwoch feuerte er die Theorie mit dem Laborversehen erneut an. Wegen des Virus befindet sich die US-Wirtschaft im freien Fall. Innerhalb eines Monats haben zuletzt 22 Millionen Menschen ihren Job verloren. Das muss für den Präsidenten, der in gut sechs Monaten wiedergewählt werden will, ein Albtraum sein. Trumps Argument an seine Anhänger scheint daher Folgendes zu sein: Alles lief so gut unter meiner Führung, aber dann haben mir die WHO und China einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mit anderen Worten: Der US-Präsident trägt eigentlich gar keine Schuld daran, dass sich bis Donnerstag rund 640 000 Menschen in den USA infiziert haben und mindestens 30 000 gestorben sind.

Ob die Wähler ihn dafür und für die wirtschaftlichen Folgen verantwortlich machen werden, wird sich bei der Abstimmung am 3. November 2020 zeigen.

Hat Trump immer China die Schuld zugewiesen?

Im Januar und Februar - unmittelbar nach Abschluss eines großen Handelsabkommens mit Peking - lobte Trump China immer wieder für den Umgang mit der Epidemie. In einem Tweet vom 24. Januar etwa schrieb er: "China hat sehr hart daran gearbeitet, das Coronavirus einzudämmen. Die Vereinigten Staaten wissen ihre Anstrengungen und Transparenz zu schätzen." Im März wurde die Rhetorik ärgerlicher, er sprach vom "chinesischen Virus".

Könnte das Virus gezielt produziert worden sein?Das ist Forschern zufolge extrem unwahrscheinlich. Der Erreger SARS-CoV-2 ist ein Typ aus der seit Jahrzehnten bekannten Gruppe der Coronaviren. Diese verursachen zum Beispiel Erkältungen, manche können aber auch schwerere Erkrankungen nach sich ziehen wie etwa SARS oder MERS. Experten wissen schon lange, dass diese hochvariablen Viren zwischen Tieren und vom Tier auf den Menschen überspringen können.

Unbeirrt von Beschränkungen durch die Corona-Krise haben zahllose Dänen ihre Königin Margrethe II. zum 80. Geburtstag hochleben lassen. Im ganzen Land stimmten Bürger am Donnerstag um Punkt 12 Uhr von zu Hause aus, in der Schule oder in Parks in eine Reihe von Ständchen ein. Sie sangen unter anderem den Geburtstagsklassiker "Heute ist der Geburtstag der Königin".

Mauro Vanni vom Verband der Badeanstalten in der italienischen Urlaubsstadt Rimini über mögliche Sicherheitsmaßnahmen in der Corona-Krise während der Strandsaison.

150 000 000

Die Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates und seiner Frau Melinda unterstützt den Kampf gegen die Corona-Pandemie mit weiteren 150 Millionen Dollar (etwa 138 Millionen Euro). Damit solle die Entwicklung von Diagnosesystemen, Behandlungsmethoden und Impfstoffen gefördert werden Quelle: dpa/Foto: dpa

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