Nach Brexit starten Verhandlungen

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London/Brüssel- Nach dem Brexit haben London und Brüssel erste Pflöcke für die Verhandlungen über ihre künftigen Beziehungen eingeschlagen und den Ton verschärft. Nach den Ansagen vom Wochenende müsste sich die Wirtschaft auf weniger enge Handelsbeziehungen einstellen als ursprünglich gedacht. Die jeweilige Verhandlungslinie wollen beide Seiten aber erst heute umreißen. Bis zum Ablauf der Übergangsfrist Ende des Jahres dürfte es noch viel Hin und Her geben. Bis dahin soll ein Vertrag über die künftige Partnerschaft stehen.

Am Montagvormittag will der britische Premierminister Boris Johnson bei einer Rede vor Unternehmern und Botschaftern seine Position darlegen. Einen Vorgeschmack darauf gab es bereits am Wochenende. Mehrere britische Medien berichteten unter Berufung auf Regierungsquellen, Johnson werde Forderungen aus Brüssel nach dynamischen Anpassungen an EU-Standards zu Arbeitnehmerrechten, Umweltschutz und staatlichen Wirtschaftshilfen eine Absage erteilen. Er strebt demnach eine Handelsbeziehung zur EU nach dem Vorbild Kanadas an.

Auch EU-Unterhändler Michel Barnier hat eine harte Linie für die anstehenden Verhandlungen mit Großbritannien abgesteckt. "Eines ist klar: Die Interessen eines jeden Mitgliedsstaats und all unserer Bürger stehen an erster Stelle", erklärte der Franzose am Samstag auf Twitter. Auch Barnier wird am Montag vorstellen, was er in den Gesprächen mit London erreichen will.

Großbritannien war in der Nacht zum Samstag aus der EU ausgetreten. In einer Übergangsfrist bis Jahresende ändert sich aber im Alltag praktisch nichts. Während dieser Zeit wollen sich beide Seiten über die künftigen Beziehungen einig werden. Neben dem Handel geht es unter anderem auch um Fischereirechte, Sicherheit und den Zugriff auf Datenbanken. Die Frist bis Jahresende gilt eigentlich als viel zu kurz, doch eine Verlängerungsoption um bis zu zwei Jahre, die noch bis Ende Juli offensteht, lehnt Johnson vehement ab.

Harter Bruch droht

Sollte es keine Einigung geben, droht ein harter Bruch, der in London inzwischen als Australien-Modell bezeichnet wird. Die EU hat mit dem fünften Kontinent bisher nur ein Rahmenabkommen, das unter anderem technische Hürden betrifft. Im Großen und Ganzen findet der Handel zwischen Europa und Australien auf Grundlage der Welthandelsorganisation WTO statt. dpa

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