Eine Mitarbeiterin des Nikolai Gamaleya Nationalzentrums für Epidemiologie und Mikrobiologie mit zwei Ampullen des neuen Impfstoffs gegen das Coronavirus. Foto: Alexander Zemlianichenko Jr/Russian Direct Investment Fund/AP/dpa
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Eine Mitarbeiterin des Nikolai Gamaleya Nationalzentrums für Epidemiologie und Mikrobiologie mit zwei Ampullen des neuen Impfstoffs gegen das Coronavirus. Foto: Alexander Zemlianichenko Jr/Russian Direct Investment Fund/AP/dpa

Moskau lässt Impfstoff zu

  • vonDPA
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Moskau- Russland hat als erstes Land der Welt einen Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen. "Das russische Vakzin gegen das Coronavirus ist effektiv und bildet eine beständige Immunität", sagte Kremlchef Wladimir Putin am Dienstag im Staatsfernsehen. Mit seinem Namen "Sputnik V" soll es an den ersten Satelliten im All erinnern, den die Sowjetunion 1957 vor den USA gestartet hatte. Doch wichtige Tests stehen noch aus - weder die Wirksamkeit noch die Nebenwirkungen lassen sich derzeit fundiert beurteilen. Experten zeigen sich sehr skeptisch.

Nach Angaben Putins soll die "Sputnik V"-Impfung "ausnahmslos freiwillig" sein. Eine seiner beiden Töchter habe sich schon impfen lassen. Bei ihr seien nach der ersten Injektion 38 Grad Fieber gemessen worden, das aber rasch wieder gesunken sei, sagte er. "Sie fühlt sich gut." Der Impfstoff wurde vom staatlichen Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau entwickelt. Es handelt sich um einen sogenannten Vektorimpfstoff. Dabei transportieren harmlose Viren Teile des Erbguts von Erregern in den Körper. Dieser bildet im Idealfall dann Antikörper und setzt andere Abwehrmechanismen in Gang.

Erst wenige Menschen haben den Impfstoff im Rahmen einer Studie erhalten. Eine Zulassung vor dem Vorliegen der Ergebnisse großer klinischer Studien widerspricht dem international üblichen Vorgehen. "Jeder Impfstoff muss natürlich alle Versuchsreihen und Tests durchlaufen, bevor er genehmigt und ausgeliefert wird", heißt es etwa von der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

International warnen Experten vor so großer Eile. "Auch in der aktuellen Pandemie-Situation ist es zwingend erforderlich, dass alle Prüfungen und Bewertungen mit der gleichen Sorgfalt erfolgen wie bei anderen Impfstoffen", mahnte Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen. Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit meinte: "Ich sehe die Zulassung sehr, sehr zurückhaltend. Es gibt bislang keine publizierten Daten zu dem Impfstoff - das ist schon mal eine ganz große Schwierigkeit."

Der Impfstoff sei bislang an 50 Soldaten und Zivilisten getestet worden, hieß es aus Russland. Die viel entscheidendere Phase ist, an weitaus größeren Probandengruppen zu überprüfen, ob der Wirkstoff tatsächlich vor einer Infektion schützt und welche Nebenwirkungen auftreten. Der Chef des russischen Investmentfonds sagte der Agentur Interfax zufolge, mit der Zulassung solle gleichzeitig diese Phase-III-Studie beginnen. Zehntausende Freiwillige sollen demnach innerhalb eines Monats geimpft werden.

Nach russischen Angaben haben weltweit mehr als 20 Länder bereits Interesse angemeldet. Laut einer Liste der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Montag werden derzeit sechs andere Impfstoff-kandidaten in einer Phase-III-Studie getestet. dpa " Seite 4

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