Proteste dauern an

Nach Putsch in Myanmar: Zahlreiche Demonstranten getötet - Militär geht mit Tränengas und Sturmgewehren vor

Seit dem Militärputsch in Myanmar vor sechs Wochen gehen Demonstranten für die Demokratie auf die Straße. Seit Freitagabend sind dabei offenbar 16 Menschen erschossen worden.

Yangon - Auch am Sonntag haben in Myanmar zehntausende Menschen gegen den Militärputsch demonstriert. Das berichteten Augenzeugen. Demnach sowie laut diverser Medienberichte töteten das Militär und die Polizei dabei fünf Menschen. Die Einheiten gehen immer wieder brutal gegen die Protestler vor.

Am Sonntag fanden die Proteste den Augenzeugen zufolge hauptsächlich in der Gemeinde Hlaing Thar Yar im Westen der ehemaligen Hauptstadt Yangon (früher Rangun) statt. Drei Todesfälle sollen sich dort ereignet haben. Ein Mensch soll gegen 9 Uhr (Ortszeit) in Bago getötet worden sein, nordöstlich von Yangon, sowie ein Mensch in Hpakant im nördlichen Staat Kachin. Das teilten Augenzeugen der Deutschen Presse-Agentur mit.

Seit Freitagabend sind damit insgesamt 16 Menschen bei den andauernden Protesten gegen den Militärputsch getötet worden „Wir protestieren gegen das Militär und stellen uns diesem brutalen Durchgreifen“, sagte der Anwohner und Demonstrant Nay Ko Lin der dpa. „Die vielen Tausend Demonstranten in unseren Gemeinden heute zeigen, dass wir Ungerechtigkeit nicht akzeptieren und Gerechtigkeit wollen.“

Militärputsch: Massenproteste seit Anfang Februar - Klagen gegen Suu Kyi

Das Militär hatte sich am 1. Februar zurück an die Macht geputscht. Die faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi wurde unter Hausarrest gestellt. Das Militär nannte als Grund Unregelmäßigkeiten bei der Parlamentswahl im November. Suu Kyi hatte diese mit klarem Vorsprung gewonnen.

Die Justiz hat inzwischen mehrere Vorwürfe gegen die entmachtete Regierungschefin erhoben: Darunter Anstiftung zum Aufruhr. Dies wurde Anfang März nach einem Verhör bekannt, zu dem Suu Kyi per Video aus dem Hausarrest zugeschaltet wurde. Insgesamt laufen nun vier Klagen gegen Suu Kyi.

Auch während der fast 50 Jahre dauernden Militärdiktatur im früheren Birma hatte die Junta jeden Widerstand brutal unterdrückt. Dennoch dauern die Massenproteste an. Die Forderung der Demonstranten: Die 75-Jährige, die im Land sehr beliebt ist, wieder einzusetzen. Die USA und Großbritannien haben Sanktionen gegen Generäle verhängt, der UN-Sicherheitsrat bereits mehrmals getagt. Appelle und Drohungen haben bisher zu keiner Wirkung beim Militär geführt.

Michelle Bachelet, die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, bezeichnete es als „absolut verabscheuungswürdig“, dass Sicherheitskräfte scharfe Munition gegen friedliche Demonstranten einsetzten. Sie sei erschüttert darüber, dass es auch Berichte über Attacken auf Krankenwagen und Rettungskräfte gab, die gerade Verletzte vesorgten.

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas* (SPD) hat sich bereits zur Lage geäußert. In einer Bundestagsdebatte zur Situation in Myanmar verurteilte er die Brutalität des Militärs. Den Mut und die Kreativität der Demonstranten würdigte er. „Protestierende kann man wegsperren, aber nie ein ganzes Volk“, betonte er.

Demonstrationen in Myanmar: Etliche Tote und Pressefreiheitsverstöße

Bei den Massenprotesten reagieren Polizei und Militär immer brutaler. Insgesamt sind laut der „Assistance Association for Political Prisoners“ (AAPP) bereits 80 Menschen ermordert und 2100 festgenommen worden.

Auch gegen Journalisten geht das Militär vor. So war der polnische Reporter Robert Bociaga, der für die dpa und andere Medien in Myanmar arbeitet, am Donnerstag laut Medienberichten in Taunggyi festgenommen worden. Demnach soll der 30-Jährige auch geschlagen worden sein. Sein Aufenthaltsort ist derzeit nicht klar. Die deutsche Botschaft in Myanmar bemüht sich um Zugang zu dem Reporter und rief die Behörden am Samstag zu einer „fairen und menschlichen Behandlung“ Bociagas auf. (Tanja Koch mit Agenturen) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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