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Merkel appelliert an Bürger

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Berlin- Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen - so hat die Bundesregierung ihr Handeln in der Corona-Krise immer wieder begründet. Kanzlerin Angela Merkel unternahm nun ebenfalls einen ungewöhnlichen Schritt und sprach am Mittwochabend in einer Fernsehansprache direkt zu den Bürgern. Merkel rief alle Menschen in Deutschland in einem bislang einzigartigen Appell zur Solidarität und Disziplin angesichts der Bedrohung durch das Coronavirus auf. "Das ist eine historische Aufgabe, und sie ist nur gemeinsam zu bewältigen", sagte sie.

Deutschland weitete die bereits an den Landesgrenzen zu fünf Nachbarländern geltenden Einreisebeschränkungen nun auch auf Flüge und den Schiffsverkehr aus. Wie das Bundesinnenministerium am Mittwochabend mitteilte, dürfen ab sofort nur noch Deutsche oder Reisende mit "einem dringenden Reisegrund" per Flugzeug oder Schiff aus Österreich, Spanien, Italien, der Schweiz, Luxemburg und Dänemark nach Deutschland kommen. Wer aus einem EU-Staat kommt, darf nur noch auf einem deutschen Flughafen landen, wenn er von dort aus weiter in sein Heimatland reist.

Unterdessen ist die größte Rückholaktion für Deutsche aus dem Ausland in der Geschichte der Bundesrepublik angelaufen. In den vergangenen Tagen hatten zahlreiche Länder wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus Grenzen dichtgemacht und Flugverbindungen gekappt. Die Bundesregierung will 30 bis 40 Maschinen bei Lufthansa, Condor und TUI chartern und dafür bis zu 50 Millionen Euro ausgeben. Nach Schätzungen des Auswärtigen Amts sind noch weit mehr als 100 000 Deutsche im Ausland unterwegs.

Kultusminister prüfen Abi-Termine

Unternehmen in Deutschland können wegen der Corona-Krise ab sofort Hilfskredite beantragen. Die Unterstützung wird über die Hausbanken beantragt, wie die staatliche Förderbank KfW und die Deutsche Kreditwirtschaft mitteilten.

Die Konjunktur in Deutschland wird nach Einschätzung der Volkswirte der privaten Banken infolge der Krise massiv einbrechen. Für das Gesamtjahr erwartet der Bundesverband deutscher Banken (BdB) einen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung um vier bis fünf Prozent.

Nach einer Stabilisierung am Vortag setzte sich der Einbruch am deutschen Aktienmarkt zur Wochenmitte fort. Manche fürchten, dass der DAX unter die nächste runde Marke von 8000 Punkten sinkt. Zum Handelsschluss lag der Leitindex um etwa 5,5 Prozent niedriger als am Vortag - bei rund 8440 Punkten. Die Verluste der vergangenen knapp vier Wochen summieren sich mittlerweile auf mehr als 5000 DAX-Punkte - oder fast 40 Prozent.

Das Land Bayern kündigte an, den Beginn der Abiturprüfungen vom 30. April auf den 20. Mai zu verschieben. Auch Mecklenburg-Vorpommern will die Prüfungen verschieben. Nun will die Kultusministerkonferenz (KMK) beraten, wie man bundesweit mit dem Problem umgeht.

Die am Wochenende von Polen eingeführten Grenzkontrollen haben am Übergang Ludwigsdorf bei Görlitz auf der Autobahn 4 zu einem Mega-Stau von rund 60 Kilometern geführt. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) war in der Nacht mit rund 90 Helfern im Einsatz, um die Wartenden zu versorgen. Teils stünden die Menschen bis zu 20 Stunden im Stau. Es gebe weder Toiletten noch eine Versorgung mit Essen. dpa/FOTO: STEFFEN KUGLER/BUNDESREGIERUNG/DPA

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