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Schwarz-Grün hat sich für die Kinderbetreuung im Koalitionsvertrag auf einen Dreiklang aus Platzausbau, Weiterentwicklung der Qualität und Ausweitung der Beitragsfreistellung verständigt. Die Personalverstärkung spielt dabei eine wichtige Rolle.

Mehr Betreuer für die Kleinsten

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Das Gute-Kita-Gesetz soll mehr Qualität für die Betreuung der Kleinsten bringen. Vielen Ländern geht es aber auch um Gebührenfreiheit für die Eltern. In Hessen will man vornehmlich den Personalmangel bekämpfen.

Zu Beginn des neuen Kita-Jahres stehen die Länder in den Startlöchern, um die angekündigten Milliarden des Bundes für mehr Qualität in der Kinderbetreuung auch auszugeben. Vielfach wollen sie die Mittel aus dem Gute-Kita-Gesetz in mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und längere Öffnungszeiten investieren oder angesichts des Fachkräftemangels neue Wege bei der Erzieherausbildung gehen. Mindestens elf der 16 Länder wollen Elternbeiträge reduzieren oder - zumindest für bestimmte Jahre - ganz abschaffen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Im Rahmen des Gute-Kita-Gesetzes bekommen die Länder 5,5 Milliarden Euro bis 2022. Allerdings ist acht Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes noch kein Geld geflossen, obwohl schon in diesem Jahr 493 Millionen Euro bereitstehen. Denn das passiert erst, wenn alle 16 Länder eine individuelle Vereinbarung mit dem Bund geschlossen haben. Mit Bremen, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen und dem Saarland haben das bisher erst fünf getan. Mindestens fünf weitere Verträge sollen von Anfang August bis Anfang September unterzeichnet werden, wie die dpa-Umfrage weiter ergab: in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Mit dem zusätzlichen Geld vom Bund will Hessen den Personalmangel in der Kinderbetreuung bekämpfen. Die Bundesmittel sollen in Qualität investiert werden, erklärte die Sprecherin des Sozialministeriums in Wiesbaden, Alice Engel, auf Anfrage der dpa. "Ziel ist es, dem Personal in Kitas mehr Zeit für die individuelle Betreuung der Kinder zur Verfügung zu stellen. Dazu werden die personellen Kapazitäten erhöht."

Die Qualität in der Kindertagesbetreuung hänge wesentlich von gut qualifizierten und motivierten Fachkräften ab, erläuterte Engel. Dafür solle neben der vollschulischen Ausbildung vor allem die praxisintegrierte Ausbildung von Erziehern gefördert werden. Diese Angebote sollen ab dem kommenden Jahr aufgestockt werden.

Abstimmungsgespräche

Nach Einschätzung von Experten kann das praxisintegrierte Modell das Interesse an dem Beruf steigern - etwa weil es eine Vergütung bietet, wie das Sozialministerium weiter mitteilte. Geplant sei auch, sogenannte Praxisanleiter zeitlich freizustellen, damit sie angehende Erzieher in den Kitas besser betreuen können.

Das Land stimmt sich derzeit noch mit mehreren Verbänden ab, wie das zusätzliche Geld vom Bund den hessischen Kitas konkret zugutekommen soll. "Auf dieser Grundlage erfolgen dann die Vertragsverhandlungen mit dem Bund, die in eine Vereinbarung in diesem Jahr münden."

Nach Hessen sollen in diesem Jahr 37,2 Millionen Bundesmittel und im nächsten Jahr 74,9 Millionen Euro fließen. Für die Jahre 2021 und 2022 sind nach Angaben des Sozialministeriums jeweils 150 Millionen Euro vorgesehen. Personalmangel zählt nach Einschätzung des hessischen Städte- und Gemeindebundes zu den größten Problemen in den Kitas. "Oberstes Ziel aus kommunaler Sicht müsste daher die Bekämpfung des Fachkräftemangels sein", erläuterte die Referentin Anke Bürgel. Diese Engpässe könnten sich noch verschärfen, sollten die Standards der Betreuung weiter steigen. Dann benötigten Kita-Leitungen und Erzieher mehr kinderfreie Zeiten. Dies bedeute wiederum für die Einrichtungen einen höheren Personalschlüssel.

"Fraglich ist, wie dieser bei Fachkräftemangel erfüllt werden soll", erklärte Bürgel. Entweder könnten die Standards dann nicht eingehalten werden oder es müssten beispielsweise bei Personalausfall wegen Krankheit Kita-Gruppen auch kurzfristig geschlossen werden. "Zudem ist fraglich, ob die zusätzlichen Fachkraftstunden mit den für fünf Jahre befristeten Bundesmitteln ausreichend finanziert werden können." Selbst wenn derzeit weitere Kita-Plätze geschaffen würden, fehlten oft die Fachkräfte, um weitere Kita-Gruppen zu eröffnen

Der Ausbau von Kita-Plätzen in Hessen, insbesondere für die ganz Kleinen, ist nach Einschätzung des Sozialministeriums massiv vorangeschritten. Anfang März 2018 wurden 55 523 Kinder unter drei Jahren in Kindertageseinrichtungen oder in Kindertagespflege betreut. Das entspreche einer Betreuungsquote von mehr als 30 Prozent. Zehn Jahre zuvor waren es den Angaben zufolge noch 22 448 Kinder (14,3 Prozent Betreuungsquote). Trotz der Anstrengungen der vergangenen Jahre sei bekannt, dass die Nachfrage nach einem Kita-Platz derzeit nicht überall in Hessen vollständig gedeckt werden kann, erklärte die Sprecherin.

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