SPD-Politiker Karl Lauterbach findet die Diskussion um weitere Lockerungen „vollkommen daneben“.
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SPD-Politiker Karl Lauterbach findet die Diskussion um weitere Lockerungen „vollkommen daneben“.

Falsch gesetzte Signale

Corona-Krise: Nach Lockerungen - Experte Lauterbach bei Markus Lanz völlig außer sich: „katastrophal schlecht“

  • Judith Braun
    vonJudith Braun
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Markus Lanz (ZDF): Deutschland lockert seine Corona-Maßnahmen und fährt langsam wieder hoch. Dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach stößt das mächtig auf.

Hamburg - Nach fünf Wochen mit strikten Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbot zur Eindämmung der Corona-Pandemie soll Deutschland nun wieder langsam „hochfahren“: Ab kommenden Montag werden Lockerungen der Schutzmaßnahmen für ein klein wenig Normalisierung des Alltags sorgen. Diese wurden von Seiten der Politik beschlossen. Doch nicht alle freuen sich über die Light-Version mancher Maßnahmen im Kampf gegen Covid-19.

Markus Lanz (ZDF): Gesundheitsexperte außer sich und findet eine Corona-Sache „völlig daneben“

Einer davon ist SPD-Politiker Karl Lauterbach. Der Professor für Epidemiologie war am Donnerstagabend (23. April) in der Talkshow von Markus Lanz zu Gast und kritisierte harsch das Vorgehen einiger Ministerpräsidenten: „Ich glaube, dass die Diskussion um weitere Lockerungen vollkommen daneben ist und die falschen Signale setzt.“ Besonders Armin Laschet, den Ministerpräsidenten von NRW, hatte er dabei im Visier: „Ich glaube, dass die Schulöffnungen in NRW katastrophal schlecht vorbereitet worden sind und viel zu früh vor der Zeit kommen.“, so Lauterbach.

Ein weiterer Lanz-Gast bestätigt diese Aussage. Maike Finnern, die Pädagogin und Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in NRW gibt zu bedenken, dass die Schulen in ihrem Bundesland viel zu spät informiert worden seien. Da die Ausstattung mit Seife und Desinfektionsmittel kaum gewährleistet ist, sind Lehrkräfte gebeten worden, diese für die Schüler von Zuhause mitzubringen.

Markus Lanz (ZDF): SPD-Politiker kritisiert falsch gesetzte Signale der Politik

Auch die Lockerungen in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens stoßen Lauterbach mächtig auf. Er befürchtet damit, ähnlich der Auffassung anderer medizinischer Expertenfalsch gesetzte Zeichen: „Ich hätte auch nicht das Signal mit den Gotteshäusern gegeben. Selbst ein guter Christ versteht, dass zur jetzigen Zeit jedes überflüssige Risiko gemieden werden muss.“

Aus epidemiologischer Sicht hätte der Mediziner außerdem den Lockdown noch weitergeführt, um dann mit mehr Reserven als bisher in eine Lockerungsphase überzugehen. Denn mit den derzeitigen Beschlüssen ist es seiner Meinung nach ein riskantes Spiel: „Wir haben auf Kante genäht. Wir haben das sogar so knapp kalkuliert, dass wirklich alles funktionieren muss, damit wir den Vorsprung, den wir uns erarbeitet hatten, nicht verlieren.“

Markus Lanz (ZDF): Lauterbach warnt vor zweiten katastrophalen Welle

Die einzige Hoffnung sei laut Lauterbach gegenüber Lanz, dass nun wirklich alles gut gehe. Wird das nicht der Fall sein, dann würde Deutschland sich mit einemviel größeren Problem konfrontiert sehen als zu Beginn der Pandemie. „Der Unterschied zur ersten Runde wäre der: Wir hätten an vielen Orten gleichzeitig Feuer.“ Zunächst gab es zwei bis drei größere Hotspots in Deutschland, die von dem Virus besonders betroffen waren. Bei einer zweiten Welle gäbe es sehr viele gleichzeitig, die es zu beherrschen gelte. Und der zweite Unterschied, so Lauterbach: „Dann würde es Ältere betreffen.“ Die Sterberate könne dann - wie in anderen Ländern - auch in Deutschland, wo bisher tendenziell mehr Jüngere infiziert sind, nach oben gehen.

In der Lanz-Sendung vom 9. Juni diskutierten Karl Lauterbach und Serap Güler über Schulöffnungen während der Corona-Pandemie.

Der Bundesverkehrsminister stellt indessen neue Verkehrsregeln für Deutschland vor: Ab Ende April warten höhere Bußgelder für Verkehrssünder.

Nach seinen kritischen Zitaten bekommt Boris Palmer bei Markus Lanz (ZDF) die Chance auf Läuterung. Den prägenderen Part hat jedoch Markus Söder inne, der zeigt, wie die Zukunft aussieht.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

jbr

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