"Man behandelt uns wie Aussätzige"

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In Frankreich ist es in der Corona-Krise zum Ritual geworden: Vielerorts applaudieren die Menschen abends aus ihren Fenstern dem Gesundheitspersonal. Ein großes "Merci" an die Helfer prangt nach Einbruch der Dunkelheit auf dem Pariser Eiffelturm. Doch die Realität sieht zuweilen anders aus: Einige Krankenschwestern und -pfleger beklagen Anfeindungen, Diebstähle und Drohungen.

Zu ihnen gehört auch Lucille, die ihren Nachnamen nicht nennen will. "Ich bin wütend", sagt die 30-jährige Krankenschwester. Sie fand in ihrem Briefkasten ein anonymes Schreiben, in dem sie aufgefordert wurde, ihren Wohnort Vulaines-sur-Seine südöstlich von Paris zu verlassen und auch ihre Einkäufe dort nicht mehr zu machen. Die Krankenschwester glaubt, dass ein Nachbar sie im Visier hat, der eine Ansteckung mit dem Coronavirus fürchtet. "Wir opfern unser Privatleben, um uns um andere zu kümmern, und nun behandelt man uns wie Aussätzige", kritisiert sie. Mit dem Brief ist Lucille zum örtlichen Bürgermeister gegangen, der die Justiz eingeschaltet hat.

Von Anfeindungen und Misstrauen berichten auch andere Pflegekräfte in den Online-Netzwerken. Die angespannte Stimmung hat die französische Regierung auf den Plan gerufen: Premierminister Edouard Philippe verurteilte die "skandalösen Worte" gegen Ärzte und Krankenschwestern scharf, die trotz der hohen Belastung ihren Dienst täten. Solche Angriffe zeigten die "dunkle Seite" mancher Menschen in der Krise, sagte Philippe.

Manche Pfleger berichten sogar von tätlichen Übergriffen: Die Krankenschwester Laure wurde nach eigenen Angaben im südwestfranzösischen Toulouse von einem Passanten beschimpft, der die Herausgabe von Schutzmasken verlangte. Der Krankenschwester Sophie brachen Unbekannte ihr Auto in Marseille auf. Die Beute: Zwei Tüten mit Masken und anderem Material. "Wenn das so weitergeht, werden wir noch angegriffen", fürchtet die 42-Jährige. Sie geht abends nicht mehr raus, um sich den Beifall anzuhören. AFP

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