+
Auf der Tagesordnung der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen (G7) standen gestern einige konfliktbeladene Themen. Darunter war auch die Iran-Krise. Gastgeber Emmanuel Macron (vorne links) hatte zu diesem Thema auch den Außenminister des Iran eingeladen - zur Überraschung der übrigen Gipfelteilnehmer.

Macron riskiert Eklat

Biarritz (dpa). Mit einem brisanten Überraschungscoup auf dem G7-Gipfel will Frankreichs Präsident Emmanuel Macron neue Bewegung in den gefährlichen Iran-Konflikt zu bringen. Völlig unerwartet traf Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif gestern zu dem Treffen der reichen Industrieländer (G7) im französischen Biarritz ein. Die Visite wirbelt das dreitägige Treffen der Staats- und Regierungschefs kräftig durcheinander. Es war zuvor schon von massiven Differenzen mit US-Präsident Donald Trump überschattet, auch wenn alle versuchten, ein einträchtiges Bild abzugeben.

Die Einladung Sarifs ist heikel, weil die USA den Iran als Feind ansehen und keine diplomatischen Beziehungen pflegen. US-Präsident Donald Trump wirft Teheran vor, sich zum Beispiel in Syrien oder im Jemen aggressiv in regionale Konflikte einzumischen. Nach dem Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran setzt Trump nun wieder auf eine Politik des "maximalen Drucks" gegen Teheran.

Mit der US-amerikanischen Delegation werde Sarif sich aber nicht treffen, erklärte der Sprecher des Außenministeriums in Teheran, Abbas Mussawi. Kanzlerin Angela Merkel sieht in dem Besuch einen Beitrag zur Konfliktlösung mit dem Iran. Jeder Versuch einer Deeskalation sei wertvoll.

Macron war am Freitag schon in Paris mit Sarif zusammengetroffen und unterrichtete die Staats- und Regierungschefs beim Abendessen am Vortag über seine Gespräche. Wie Merkel erklärte, habe die Runde keinen Fahrplan entwickelt. "Wir haben Optionen durchgespielt." Die G7-Runde sei sich einig, dass der Iran keine nukleare Bewaffnung bekommen dürfe. Alle wollten eine Verhandlungslösung und Entschärfung des Konflikts, sagte Merkel.

Keine Wiederaufnahme Russlands

Im Ringen um eine Beilegung des Brexit-Streits brachte die erste Teilnahme des neuen britischen Premierministers Boris Johnson an einem G7-Gipfel keine Fortschritte. Nach Angaben aus EU-Kreisen kam Johnson ohne neue Vorschläge zu einem Treffen mit EU-Ratspräsident Donald Tusk, das aber in "sehr positiver Atmosphäre" verlaufen sei. Der US-Präsident stärkte Johnson den Rücken für den Austritt aus der EU. "Er ist der richtige Mann für den Job", sagte Trump und stellte ihm ein schnelles Handelsabkommen mit den USA in Aussicht.

Uneinigkeit gab es auch über eine Wiederaufnahme Russlands in den G7-Club, die der US-Präsident als "vorteilhaft" befürwortete. Das von Präsident Wladimir Putin regierte Land war nach der Krim-Annexion 2014 ausgeschlossen worden. Mit seinem Anliegen erhielt Trump aber eine Abfuhr, da vor allem Merkel und Macron gegen eine Wiederaufnahme sind, solange Putin in der Ukraine kein Entgegenkommen zeigt.

Trump verkündete eine Grundsatzeinigung mit Japans Ministerpräsident Shinzo Abe über ein bilaterales Handelsabkommen. Die größte Volkswirtschaft USA und Japan, die drittgrößte, wollen damit ihre Märkte für die Waren des jeweils anderen weiter öffnen.

Eine neue Initiative gab es für Afrika. Die G7-Länder wollen stärker als bisher gegen islamistischen Terrorismus in Westafrika vorgehen. Merkel und Macron kündigten neue Hilfen für die Staaten in der Region an. (Seite 4)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare