+
Knapp drei Monate vor Ende des Zweiten Weltkriegs legten britische und amerikanische Bomber am 13. und 14. Februar 1945 Dresden in Schutt und Asche. FOTO: DPA

Lange umstritten

  • schließen

Tausende Menschen kamen bei den Bombenangriffen auf Dresden im Februar 1945 ums Leben. Mitunter ist die Rede von bis zu 500 000 oder sogar einer Million Menschen, die bei den Attacken der Alliierten in der sächsischen Kulturmetropole gestorben sein sollen. Zuletzt teilte unter anderem AfD-Co-Chef Tino Chrupalla mit: "Ich gehe von etwa 100 000 Opfern aus."

Dafür gibt es keine Belege. Einer Historikerkommission zufolge waren es nicht mehr als 25 000 Tote.

Vom 13. bis zum 15. Februar 1945 griffen britische und US-amerikanische Bomber Dresden an. Tausende Tonnen Brand- und Sprengbomben fielen auf die Stadt und entfachten einen tödlichen Feuersturm. Ein Großteil des Stadtzentrums wurde nahezu vollständig zerstört.

Weil die Zahl der Opfer dieser Angriffe über Jahrzehnte umstritten war - die Angaben schwankten zwischen etwa 20 000 und 500 000 Menschen -, setzte im Jahr 2004 der damalige Dresdner Oberbürgermeister Ingolf Roßberg eine Historikerkommission ein.

Vor allem Rechtsextremisten hatten die Angriffe immer wieder als beispiellos hingestellt und versucht, die deutsche Kriegsschuld zu relativieren. Es war ein Mythos, den schon der Propagandaapparat der Nationalsozialisten am Ende des Zweiten Weltkriegs für sich zu nutzen versuchte.

In ihrem fast 100 Seiten starken Bericht kam die Historikerkommission nach mehr als fünf Jahren Forschung zu dem Schluss, dass bei den Angriffen nicht mehr als 25 000 Menschen ums Leben kamen. Die Experten untersuchten unter anderem Friedhofsunterlagen nach Angaben zu den Todesopfern und werteten mehr als 1300 Aussagen von Zeitzeugen aus. Außerdem gingen die Forscher der Behauptung nach, Tausende Menschen seien im Flammen-inferno spurlos verbrannt - und dadurch liege die Zahl der Opfer in Wahrheit weit höher.

Nach der Konsultation von Experten - unter anderem aus Brandschutz, Rechtsmedizin, Archäologie und Architektur - kamen die Historiker aber zu dem Schluss, dass das spurlose Verschwinden einer größeren Zahl von Menschen unmöglich gewesen ist. Dessen ungeachtet behauptet AfD-Co-Chef Chrupalla, das Rote Kreuz habe 1948 von 275 000 Toten geschrieben. Das halte er für glaubwürdiger. Mit derselben vermeintlichen Quelle hatte auch die rechtsextreme NPD argumentiert.

Die Historikerkommission bezeichnet die Angaben in dem mehr als 70 Jahre alten Bericht des Roten Kreuzes als "nicht belastbar" oder "zumindest nicht nachprüfbar". In dem Report von 1948 heißt es ausdrücklich, die Angaben basierten etwa auf Augenzeugenberichten, Zeitungsmeldungen oder Angaben anderer Hilfsorganisationen - und nicht auf eigenen Untersuchungen.

Die Experten konnten weder aus der Rekonstruktion der Ereignisse noch bei der Prüfung von Dokumenten, Erinnerungen, Statistiken oder militärtechnischen Untersuchungen "belastbare Argumente für Totenzahlen von 100 000 und mehr" feststellen. dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare