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Ein Land im Ausnahmezustand

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In Italien sollen wegen der Coronavirus-Ausbreitung die rund 60 Millionen Einwohner seit gestern möglichst zu Hause bleiben. Die Regierung in Rom hatte am Montag die bisher im Norden des Landes verhängten Sperrungen bis zum 3. April auf das ganze Land ausgedehnt - ein Ausnahmezustand. Die Menschen dürfen nur noch aus wenigen Gründen ihr Haus verlassen. Als Ausnahmen gelten Einkaufen, wenn man zur Arbeit muss, Arztbesuche oder die Hilfe für alte oder kranke Verwandte. Das Besuchen von Freunden oder Spaziergänge in anderen Orten sind untersagt.

Kinos und Theater sind landesweit geschlossen. Läden, Bars und Restaurants haben nur eingeschränkt geöffnet. Internationale Zug- und Flugverbindungen sowie der öffentliche Nahverkehr sollen aber nicht gestoppt werden. Die Billigflieger Ryanair und Easyjet streichen jedoch ihr komplettes Flugprogramm nach Italien.

Das Robert Koch-Institut (RKI) stuft nun ganz Italien als Coronavirus-Risikogebiet ein. Die Bundesregierung rät von allen nicht erforderlichen Reisen in das Land ab. Österreich erschwert unterdessen massiv die Einreise aus Italien. Sie werde weitgehend gestoppt, sagte Kanzler Sebastian Kurz in Wien. Die Durchreise von Touristen Richtung Deutschland solle möglich bleiben.

In Deutschland alle Länder betroffen

In Deutschland sind mit ersten Nachweisen in Sachsen-Anhalt nun alle Bundesländer in Deutschland von SARS-CoV-2-Nachweisen betroffen. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen in Deutschland liegt nach den aktuellsten RKI-Angaben vom Montag bei mehr als 1100. Am Montag waren in Deutschland die ersten beiden Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus bekannt geworden. Weltweit haben sich inzwischen mehr als 113 000 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Über 4000 sind gestorben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich für ein striktes Vorgehen der Behörden aus und dafür, alle nicht notwendigen Veranstaltungen abzusagen. Der Bundestag wird zusätzlich eine Milliarde Euro für den Kampf gegen die Epidemie bewilligen. Mit dem Geld solle Forschung gefördert werden, sagte Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU). Mit 25 Milliarden Euro will die EU Union ihre Wirtschaft gegen die schlimmsten Folgen der Epidemie wappnen. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen kündigte gestern nach einer Videokonferenz entsprechende Finanzhilfen an. Der Bund will für die intensivmedizinische Versorgung in Kliniken eine zentrale Beschaffung übernehmen.

Kulturbetrieb und Sport trifft es hart

In mehreren Bundesländern sollen Großveranstaltungen mit über 1000 Menschen, wie von Gesundheitsminister Jens Spahn angeregt, nicht mehr stattfinden oder ohne Zuschauer erfolgen. Die hessische Landesregierung gab lediglich die Empfehlung, derartige Termine abzusagen, machte aber keine bindenden Vorgaben. Eine generelle Schließung von Schulen und Kitas war zunächst in keinem Bundesland vorgesehen.

Hunderttausende Fußballfans werden in den kommenden Wochen aus den Stadien ausgesperrt. Betroffen sind zumindest die Partien Gladbach gegen Köln heute und Dortmund gegen Schalke am Samstag. Auch die Nationalelf muss ihren EM-Test gegen Italien am 31. März in einer leeren Nürnberger Arena austragen, wie der Deutsche Fußball-Bund mitteilte. Das Coronavirus hat zudem für den ersten Saisonabbruch im deutschen Profisport gesorgt. Die Deutsche Eishockey Liga entschied gestern, die Spielzeit nicht fortzusetzen. Sie endet damit ohne einen deutschen Meister.

Auch den Kulturbetrieb in Deutschland trifft es hart. Für die großen Berliner Theater und Opernhäuser wurden alle Veranstaltungen bis 19. April abgesagt, auch in Bayern sind alle staatlichen Theater, Konzertsäle und Opernhäuser bis zum 19. April geschlossen.

Behörden in China meldeten gestern den niedrigsten Anstieg der Infektionen seit Beginn der Berichte über die Epidemie. dpa " Mehr im Innenteil

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