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Krieg in der Ukraine: Star-Journalistin aus Russland rechnet mit Putin ab

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Von: Karolin Schäfer

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Die bekannte Korrespondentin Schanna Agalakowa kündigt nach Russlands Invasion in die Ukraine und verurteilt Wladimir Putin.

Moskau – Mehr als 20 Jahre hat die russische Journalistin Schanna Agalakowa beim Staatsfernsehen in Russland* gearbeitet. Durch ihre Berichterstattung in Frankreich wurde sie in der Föderation regelrecht zu einer Berühmtheit. Zuletzt hatte die langjährige Frankreich-Korrespondentin aber das Staatsfernsehen aufgrund des Ukraine-Krieges* verlassen. Jetzt verurteilte Agalakowa öffentlich die Kremlpropaganda als lebensfern, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete.

Im russischen Fernsehen werde nur noch die Geschichte von Kreml-Chef Wladimir Putin* und Leuten aus seinem Umfeld wiedergegeben. „Wir sehen nur den Machtapparat“, sagte Agalakowa am Dienstag (22.03.2022) bei einem Auftritt in Paris bei der Organisation Reporter ohne Grenzen. „In unseren Nachrichten gibt es kein Land, in unseren Nachrichten kommt Russland nicht vor.“ Bereits zu Beginn der russischen Invasion wurde Russland beschuldigt, im staatlichen Fernsehen ein stark verzerrtes Bild des Ukraine-Krieges abzubilden, Putins Narrative aufrechtzuerhalten. In der Ukraine* sei es „ein ganz gewöhnlicher Tag“, „alles still und ruhig“.

Schanna Agalakowa prangert im Ukraine-Krieg die Propaganda-Maschine Wladimir Putins an.
Schanna Agalakowa prangert im Ukraine-Krieg die Propaganda-Maschine Wladimir Putins an. © Joel Saget/afp

Krieg in der Ukraine: Putins Propaganda in der Kritik

Währenddessen habe der russische Machtapparat die unabhängigen Medien weitestgehend erstickt. Das Wesen der Propaganda in den russischen Staatsmedien sei es Agalakowa zufolge, Fakten zu verdrehen und ein lügenvolles Gemisch zu produzieren. „Ich möchte, dass die Menschen nicht weiter zu Zombies gemacht werden“, wird die 56-Jährige von der dpa zitiert.

Dagegen bewunderte die Journalistin den Mut noch freier Medien in Russland. „Das sind mutige, unglaublich kühne, tapfere Menschen, die ich unendlich schätze“, erklärte Agalakowa in Paris. Eine freie Presse sei wichtig – gerade mit Blick auf den Ukraine-Konflikt*. „Und wenn die Menschen sich selbst nicht mehr sehen in den Nachrichten, dann wissen sie nicht, an wen sie sich wenden können. Ihre Stimme wird nicht gehört. Das führt zu Selbstmord. Zu einem großen Selbstmord in den Ausmaßen des Landes“, ergänzte sie in ihrer Ansprache.

Zur Person
NameSchanna Leonidowna Agalakowa
Alter56 Jahre, geboren am 6. Dezember 1965
GeburtsortKirow, Russland
EhepartnerGiorgio Savone (verheiratet seit 2001)
KinderAlice Savone

Krieg in der Ukraine: Kritik an Putin als Verrat gebrandmarkt

Schanna Agalakowa sei sich bewusst, dass sie in Russland nun des Verrats bezichtigt werde. „Mich hat niemand bezahlt. Ich bin keine Spionin“, betonte die russische Journalistin. Dennoch war sie betroffen, dass im Westen vielerorts das Wort „russisch“ gestrichen werde, etwa in Geschäften oder Theatern.

„Ihr erstickt und tötet die russische Kultur“, mahnte die ehemalige Korrespondentin. „Ich glaube nicht, dass das euer Ziel ist, aber das ist auch ein unausweichliches Ergebnis eurer Handlungen.“ Schuld an der aktuellen Lage in der Ukraine sei der russische Staat, betonte Agalakowa. „Aber der Westen trägt auch seine Verantwortung.“

Die russische TV-Journalistin Marina Owsjannikowa rief ihre Landsleute zum Protest gegen den Ukraine-Krieg auf. Sie gab tiefe Einblicke in die Propaganda Russlands. Nach ihrem TV-Protest bangt sie jedoch um ihr Leben. (kas mit dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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