Christoph Wichmann
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SCHLAGLICHT

Das könnte die Truppe leisten

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Medizinische Hilfe für Schwerkranke oder auch Objektschutz als Verstärkung der Polizei? Die Bundeswehr könnte in der Corona-Krise einiges beitragen. Hohe rechtliche Hürden kann nur die Politik überwinden.

Melden Sie sich bei uns im Kommando!", lautet der Aufruf, mit dem das Sanitätswesen der Bundeswehr um Freiwillige wirbt. Reservisten vom Fach sollen als Verstärkung in der Corona-Krise antreten. Bis gestern haben sich 1014 Männer und Frauen gemeldet, darunter 400 Experten aus den dringend gesuchten Pflege- und Laborbereichen. Bemerkenswert: Angefragt haben auch etwa 300 Menschen, die als "Ungediente" schon aus rechtlichen Gründen nicht einberufen werden können oder aber keine sanitätsdienstliche Ausbildung haben. Sie hat die Bundeswehr an zivile Hilfsorganisationen verwiesen.

Fünf Krankenhäuser hat das Militär in Deutschland. Sie haben ihre Kapazitäten deutlich erhöht. "Die Bundeswehrkrankenhäuser sind in die Versorgung ziviler Patientinnen und Patienten eingebunden", sagt eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums. Das war aber auch vor der Coronavirus-Epidemie so.

Welche Leistungsreserven sind also im Militär für die Gesamtgesellschaft zu heben? "Keinen Sinn würde ergeben, die mobilen Einheiten, also die Einsatzlazarette, aufzubauen. Betrieben werden sie von dem Personal, das aus den Bundeswehrkrankenhäusern kommt und somit dort fehlen würde", sagt Oberstarzt Dr. Thomas Harbaum. Er ist im Sanitätswesen der Bundeswehr für alles verantwortlich, was mit Präventivmedizin, Gesundheitsschutz und Hygiene zu tun hat. "Und wir sind auch gerade dabei, zum Beispiel Beatmungsgeräte aus dem Material der mobilen Einheiten zu identifizieren, um sie zusätzlich in den Bundeswehrkrankenhäusern einsetzen zu können."

Teils hat der Sanitätsdienst aber eine besondere Expertise beim Infektionsschutz: Harbaum nennt als Beispiel "Barrier Nursing, das Barrieremanagement im Umgang mit hochinfektiösen Patienten". Erfahrungen damit gebe es beispielsweise aus einem Hilfseinsatz der Bundeswehr bei Ebola-Ausbrüchen in Afrika.

Doch er bremst auch Erwartungen. "Wir sind im Vergleich ganz wenige", sagt Harbaum. Es gibt etwa 3000 Ärzte verschiedener Fachrichtungen in der Bundeswehr, im Gesamtkonzert des Gesundheitswesens eine kleine Gruppe, eher der "Juniorpartner", wie er es nennt. Die Bundeswehr muss zudem weiter in der Lage sein, mögliche Schwerverletzte aus Auslandseinsätzen in Deutschland zu versorgen.

50 000 Soldaten wären möglich

Mit einer sich verschärfenden Lage könnten aber auch andere Teile der Bundeswehr und ihrer 184 000 Soldaten zum Einsatz kommen - wenn zivile Experten infolge von Krankheit ausfallen oder ihre Arbeit als "Rädchen im Getriebe" nicht fortsetzen können, weil es an anderer Stelle hakt. "Resilienz" lautet der Fachbegriff dafür - die Widerstandsfähigkeit eines Systems im Falle von Störungen.

Militärplaner glauben, dass ein Einsatz von bis zu 50 000 Soldaten machbar wäre, falls der Staat händeringend gesuchte Spezialfähigkeiten auf die Straße bringen müsste:

ABC-Abwehr:Diese Einheiten können geschützt Infektionsquellen aufspüren und in hoher Qualität desinfizieren.

Logistik:Die Bundeswehr verfügt über Lastwagen und geschützte Depots für die Verteilung von lebensnotwendigen Gütern oder auch Medizinmaterial.

Infrastruktur:Kasernen sind bereits als Quarantänestationen eingesetzt worden.

Lufttransport:Die Hubschrauberflotte kann zivil unterstützen, ist in der Einsatzbereitschaft allerdings stark gebeutelt. Die Luftwaffe flog in der Corona-Krise bereits Deutsche aus China aus.

Feldjäger:Sind ausgebildete Militärpolizisten, die ermitteln, Personen schützen und den Verkehr regeln können. Sie könnten auch Objekte schützen. Ihr Einsatz zur Unterstützung der Polizei von Bund und Ländern berührt aber das Feld der "hoheitlichen Aufgaben".

In Österreich, Italien und Spanien sind militärische Einheiten bereits in solchen Unterstützungseinsätzen. Können die Lebensverhältnisse und Herausforderungen bei den EU-Partnern so anders sein als in Deutschland?

In Deutschland ist vor allem die rechtliche Lage gründlich anders. Einsätzen der Bundeswehr im Innern setzt die Verfassung enge Grenzen - auch aus historischen Gründen. Das gilt für die ganze Vielfalt des Föderalismus, der als Gegenmodell zum "Führerstaat" angelegt ist.

Die Verantwortung im Gesundheits- und Katastrophenschutz liegt bei Landkreisen, Städten und den Bundesländern. Als erstes Bundesland hat Bayern den Katastrophenfall ausgerufen - ein Schritt, um Zuständigkeiten und Einsatzführung auf Ebene eines Bundeslandes zentral zu koordinieren und zu bündeln.

"Das Heer hat jetzt den Auftrag, durch geeignete und zielgerichtete Maßnahmen die Einsatzbereitschaft für den Kernauftrag und die Führungsfähigkeit auch für jedwede geforderte Unterstützungsleistung aufrechtzuerhalten", schrieb der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, selbst wegen Corana in "häuslicher Isolation", an seine Soldaten. Das auf Effizienz getrimmte Gesundheitswesen mit derzeit noch etwa 500 000 Krankenhausbetten zu verstärken, ist ein Rennen gegen die Zeit. Zum Vergleich: Allein die alte Bundesrepublik, also "Westdeutschland", hatte 700 000 Krankenhausbetten sowie rund 135 000 Betten in einer militärischen "Reservelazarettorganisation", die 2007 aufgelöst wurde.

Die Garten-Partys der Queen (93) im Buckingham-Palast sind wegen der Corona-Krise abgesagt worden. Etwa 8000 Gäste wurden zu jedem Treffen auf dem Rasen ihrer offiziellen Residenz in London erwartet. Die jährlichen Partys finden zwischen Mai und Juli statt. Quelle: dpa/Foto: dpa

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat in der Corona-Krise zu "Geduld und Mithilfe" aufgerufen. Die Menschen sollten Verkäuferinnen in den Supermärkten "einfach mal ein Lächeln" schenken und Lastwagenfahrern "einen freundlichen Wink".

8000

Ein katholischer Pfarrer aus dem Ruhrgebiet hat mit einer ungewöhnlichen Aktion auf das Gottesdienstverbot wegen der Corona-Epidemie reagiert. Christoph Wichmann von der Pfarrei St. Pankratius in Oberhausen rief auf der Website der Gemeinde dazu auf, abends um 19 Uhr eine Kerze anzuzünden, diese auf die Fensterbank zu stellen und dann das Vaterunser zu beten.

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