Der Tagebau Hambach wird verkleinert und der umkämpfte Hambacher Forst erhalten. FOTO: DPA
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Der Tagebau Hambach wird verkleinert und der umkämpfte Hambacher Forst erhalten. FOTO: DPA

Keine richtige Freude bei den Baumbesetzern

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Der Hambacher Forst bleibt. Nur langsam sickert die Information am Morgen nach der Einigung von Bund, Ländern und Energiekonzernen zu den Waldbesetzern am Braun- kohletagebau Hambach. Es knallen keine Sektkorken, es gibt keinen Jubel, nicht einmal sichtbare Freude. Clumsy ist mit einem Beutel Anfachholz für seinen Ofen auf dem Weg zu seinem Baumhaus.

Bei der Nachricht, die er vorher auf seinem Handy noch nicht gesehen hatte, zeigt er kaum eine Regung: "Es ist nur ein Teilerfolg. Wir rasen weiterhin auf die Klimakatastrophe zu", sagt er verhalten und spricht die Dürre und die Brände in Australien an. Aber - natürlich sei es gut, dass der Energiekonzern RWE den Wald für die Kohleförderung nicht rode.

Der Bund, die Kohleländer und die Betreiber hatten sich in der Nacht zum Donnerstag bei ihren Verhandlungen über den Fahrplan für den Kohleausstieg in Deutschland geeinigt und dabei den Erhalt des seit Jahren umkämpften Waldes beschlossen. Der Tagebau Hambach soll deutlich verkleinert werden.

Clumsy hat den Wald schon besetzt als der noch kein Symbol für die Klimabewegung in Deutschland war. Als es noch kein "Fridays for Future" gab und mit dem Namen "Hambi" über die Aachener Region niemand was anfangen konnte. Dass der Wald erhalten bleibt, ist für ihn ein Erfolg der ganzen Bewegung, der Besetzer und des Umweltverbands BUND. Seit 2012 lebt Clumsy in dem Wald: "Ich bin gefühlt Teil von diesem Wald geworden und der Wald ein Teil von mir."

Sein Baumhaus in 15 Metern Höhe wirkt selbst vom Boden aus stabil und einladend. Es ist mit Solarzellen ausgestattet und hat eine kleine Terrasse. Aus seinem ersten Haus in derselben mächtigen Stileiche hatte die Polizei ihn bei der Räumung im Herbst 2018 runtergeholt und sein illegal errichtetes Haus zerstört.

Das Kreischen der Sägen, das Krachen der Bäume, die für den Hubwagen gefällt wurden, der wochenlange Aufmarsch der Polizisten, der Tod eines abgestürzten jungen Mannes - wer heute über "Hambi" spricht, hat diese Bilder von der Räumung im Kopf: einer der größten Polizeieinsätze der Landesgeschichte von NRW mit Kräften aus ganz Deutschland und höchst umstritten. Kurz nach der Räumung standen schon wieder die ersten Baumhäuser.

Trotz der Entscheidung für den Erhalt des Waldes, es ist noch nicht vorbei: So lange der Tagebau weiterlaufe, Kohle gefördert und das Klima angeheizt werde, würden sich auch weiter Leute engagieren, meint Clumsy. "Die Nachricht bedeutet nicht, dass es vorbei ist", sagt auch ein anderer, der in der Ansiedlung "Oaktown" vorbeikommt. Die Bagger von RWE stünden ganz nah vor dem Wald. "Der Wald braucht weiter Unterstützung", sagt er. Außerdem sei es bei der Besetzung nicht nur um Klimakrise und ökologische Krise gegangen, sondern auch um das politische System, das die Krisen ermöglicht habe.

"Der Hambi ist nicht nur ein Ort des Widerstands, sondern des Lebens und des Lernens geworden", sagt die Sprecherin des Aktionsbündnisses Ende Gelände, Kathrin Henneberger, auf dem Weg in den Wald. Die Barrikaden aus alten Autoreifen, Paletten und einem alten Sofa auf dem Weg sind Hinterlassenschaften des jahrelangen Kampfes mit verhärteten Fronten. Die Sonne scheint, die Vögel singen.

"Wie lange die Besetzung andauert, entscheiden die Waldbewohner und -bewohnerinnen selber", sagt die Aktivistin der Bewegung, mit der in den letzten Jahren viele Tausend widerrechtlich in die Rheinischen Tagebaue gelaufen sind, um gegen die Kohle zu protestieren. Der Wald gehört RWE. Die Baumhäuser sind illegal gebaut. Nach der verpufften Räumung 2018 und vor dem verkündeten Fahrplan zum Kohleausstieg gab es keine Räumungsaktion mehr. "Eine neue Räumung wäre ein idiotisches Signal", so Clumsy. dpa

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