Reisende lassen sich am Frankfurter Flughafen auf das Coronavirus testen. Seit Samstag besteht die Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten. FOTO: DPA
+
Reisende lassen sich am Frankfurter Flughafen auf das Coronavirus testen. Seit Samstag besteht die Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten. FOTO: DPA

Kein Testpflicht-Chaos

  • vonDPA
    schließen

Berlin- Der Start der Testpflicht für Rückkehrer aus Ländern mit hohem Corona-Risiko ist am Wochenende weitgehend reibungslos verlaufen - obwohl die Liste der Regionen prompt länger wurde. Wegen eines deutlichen Anstiegs von Infektionen in Bulgarien und Rumänien warnt die Bundesregierung nun vor touristischen Reisen in mehrere Regionen der beiden EU-Länder. Dazu zählt auch die bulgarische Touristenhochburg Warna mit dem bei deutschen Party-Touristen beliebten Urlaubsort Goldstrand, der oft mit dem Ballermann auf Mallorca verglichen wird.

Für Heimkehrer aus Risikogebieten gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sie lassen sich noch im Urlaubsland höchstens 48 Stunden vor der Abreise testen und legen einen Negativ-Nachweis in deutscher oder englischer Sprache vor. Tests im Ausland sind aber selbst zu zahlen. Oder sie lassen sich nach der Rückkehr in Deutschland testen, was bis zu drei Tage kostenlos möglich ist, etwa auch beim Hausarzt.

In beiden Testzentren am größten deutschen Flughafen in Frankfurt ließen sich nach Betreiber-Angaben allein am Samstag insgesamt etwa 2600 Rückkehrer registrieren. In ein bis anderthalb Prozent der Fälle seien die Testergebnisse positiv gewesen. Am Sonntag liefen die Tests demnach problemlos und auf vergleichbarem Niveau. Am Flughafen Düsseldorf haben sich einem Sprecher zufolge kaum Schlangen an den Teststellen gebildet, ähnlich war die Lage in Stuttgart und an den beiden Berliner Airports Tegel und Schönefeld. Auch in Hamburg musste laut Behörde niemand lange warten.

Altmaier gegen Rundumschläge

Rund ein halbes Jahr nach Ausbruch der Corona-Krise hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) eine genaue Überprüfung der bisherigen Maßnahmen gefordert. "Nach einem halben Jahr Erfahrung mit dem Virus brauchen wir eine medizinische Einordnung dessen, was falsch gelaufen ist und geändert werden muss", sagte der CDU-Politiker. "Wir müssen einen zweiten Lockdown mit aller Macht verhindern. Deshalb brauchen wir zielgenauere Maßnahmen und Korrekturen statt flächendeckender Rundumschläge."

Laschet warnt vor zweitem Lockdown

Der Anstieg der Neuinfektionen auf zuletzt deutlich über 1000 pro Tag sei alarmierend. "Wir müssen diesen Trend abflachen und umkehren, denn es geht um die Gesundheit aller, die Rückkehr der Kinder in die Schulen und den Aufschwung unserer Wirtschaft", so Altmaier.

Die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland ist nach mehreren Tagen wieder unter die Schwelle von 1000 Fällen gesunken. Gestern haben die Gesundheitsämter in Deutschland nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) nur noch 555 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sprach sich gegen eine zweite Stilllegung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens wie im Frühjahr aus. Ein weiteres Mal das ganze Land herunterzufahren, könne "nicht die Lösung" sein, sagte Laschet am gestrigen Sonntag.

Der Ärzteverband Marburger Bund warnte indessen vor wachsender Nachlässigkeit in der Corona-Pandemie. "Wir sehen schon einen kontinuierlichen Anstieg der Infektionszahlen - er ist flach, aber er ist da", sagte die Vorsitzende Susanne Johna. Gleichzeitig scheine die Bereitschaft zum Einhalten der Schutzregeln bei einem kleineren Teil der Bevölkerung abzunehmen.

Zwei Schulschließungen wegen Corona-Infektionen in Mecklenburg-Vorpommern kurz nach dem Beginn des neuen Schuljahres zeigen, wie schnell die Kinder wieder zu Hause sitzen können - ganztags. In Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein geht die Schule am heutigen Montag wieder los, im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen am Mittwoch. dpa " Seite 4

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare