Virus in den USA

Kasse gemacht, Warnungen ignoriert?

  • vonThomas J. Spang
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Richard Burr ist ein mächtiger Mann. Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat gehört zu den Insidern, die täglich über die größten Bedrohungen des Landes informiert werden. Mitte Februar verkaufte er laut einer Recherche des "Center for Responsive Politics" Aktien im Wert von bis zu 1,72 Millionen Dollar. Darunter vor allem Unternehmen, die durch die Corona- Krise massive Probleme bekommen haben. Während der Republikaner seine Schäfchen ins Trockene brachte, veröffentlichte er auf Fox einen Kommentar, in dem er die Regierung dafür lobte "besser denn je zuvor" auf das Virus vorbereitet zu sein. Seinen wohlhabenden Spendern erzählte Burr etwas anderes. Der Radiosender NPR veröffentlichte den geheimen Mitschnitt der Rede Burrs bei einem Hintergrundtreffen mit einem exklusiven Kreis an Geschäftsleuten vom 27. Februar, in dem er die Gefahr durch Covid-19 mit der "Spanischen Grippe" verglich.

Neben Burr stehen auch die republikanischen Senatoren Kelly Loeffler aus Georgia, James M. Inhofe aus Oklahoma sowie die ranghöchste Demokratin im Geheimdienstausschuss, Dianne Feinstein, in Verdacht, Insiderinformationen benutzt zu haben, um rechtzeitig vor dem Absturz der Börsen Wertpapiere zu verkaufen.

Eine Recherche der "New York Times" zieht auch die Behauptung des Präsidenten in Zweifel, der am Mittwoch zu dem rasanten Anstieg der Infektionen meinte, "niemand hätte solche Zahlen für möglich gehalten". Tatsächlich führte seine eigene Regierung im vergangenen Jahr eine Übung mit dem Codenamen "Crimson Contagion" durch.

Mangels klarer Zuständigkeiten, ungenügender Koordination zwischen Bundes-, Teilstaaten- und Lokalregierungen, fehlender Schutzausrüstung und Beatmungsgeräten infizierte sich rund ein Drittel der US-Bevölkerung an einem gefährlichen Grippevirus. Die ernüchternde Bilanz der Übung: Sieben Millionen Menschen mussten in Krankenhäusern betreut werden, mehr als eine halbe Millionen kam ums Leben. Die Empfehlungen des "nicht zur Veröffentlichung" bestimmten Berichts der Übung wurden von Präsident Trump ebenso ignoriert, wie die der Ebola-Arbeitsgruppe, die Barack Obama 2014 eingesetzt hatte. Daraus hervorgegangen war ein neues Direktorat im Nationalen Sicherheitsrat des Weißen Hauses, das frühzeitig Alarm schlagen und die Abwehr einer Pandemie koordinieren sollte. Trump schaffte es 2018 ab.

Statt Konsequenzen aus "Crimson Contagion", der Schweine-Grippe und der Ebola-Krise zu ziehen, und mehr Schutzmasken, Beatmungsgeräte und andere Medizingüter zu beschaffen, setzte der US-Präsident einen anderen Schwerpunkt. Drei Wochen nach dem ersten "Corona"-Fall in den USA legte das Weiße Haus seinen Haushaltsentwurf vor. Darin kürzte Trump den Etat der Gesundheitsbehörde CDC um neun Prozent. Zwei Wochen später verkündet er, das Virus werde eines Tages "wie ein Wunder verschwinden". Thomas Spang

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