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Kartell gegen Solokämpfer

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Kann sich die CDU mit einer neuen Spitze berappeln - oder geht es noch tiefer in den Abgrund? Die Auftritte der wichtigsten Kandidaten klingen jedenfalls nicht sonderlich versöhnlich.

Es wird ein dramatischer Richtungskampf um die Macht in der CDU, so viel ist klar. Achteinhalb Wochen lang haben das Tandem Laschet/Spahn sowie die Solo-Kontrahenten Merz und Röttgen noch Zeit bis zum Sonderparteitag am 25. April, bei dem in Berlin der neue CDU-Chef gewählt wird. Seit dem gestrigen Dienstag ist auch deutlich: Es wird eine Entscheidung über den Kanzlerkandidaten der Union bei der nächsten Bundestagswahl. Kaum zu erwarten, dass sich die beiden machtbewussten Kandidaten Armin Laschet oder Friedrich Merz die Spitzenkandidatur von CSU-Chef Markus Söder abnehmen lassen.

Interessant sind die Konstellationen, in denen die verschiedenen Seiten ins Rennen gehen. Im Team Laschet/Spahn dürfte der NRW-Ministerpräsident auf die Anhänger des Merkel-Kurses einer eher Mitte-Links orientierten CDU zielen. Der als eher konservativ geltende Gesundheitsminister Jens Spahn dagegen auf die Jungen in der Partei und auf jene, die sich im politischen Spektrum eher Mitte-Rechts verorten. Nicht unwichtig: Spahn gilt als Freund von Söder, der bei der Kanzlerkandidatur immerhin ein gewichtiges Wörtchen mitreden will. Und der Bayer, so viel ist zuletzt klar geworden, hat nicht viel übrig für Merz.

Für Merz und Ex-Umweltminister Norbert Röttgen dürfte es nicht einfach sein, ein solch breites Spektrum zu erreichen, glauben Strategen in der Partei: Der Sauerländer Merz gilt als konservativer Wirtschaftsliberaler, der Rheinländer Röttgen als liberal-konservativ.

Immenser Druck

Doch auf allen Kandidaten lastet immenser Druck: Es geht um die Frage, ob die Union das Kanzleramt nach der Ära von Angela Merkel verteidigen kann - oder ob sie Juniorpartner unter den Grünen wird oder gar in die Opposition muss.

Der Tag, der den Start in den Kandidaten-Marathon markiert, beginnt mit einem Überraschungscoup. Um 8.07 Uhr verschickt die Bundespressekonferenz eine Einladung für 9.30 Uhr: "Laschet und BM Spahn: Zur Zukunft der CDU Deutschlands". Schnell ist klar: Die beiden haben sich auf eine Mini-Teamlösung geeinigt, die auf größerer Ebene mit Merz nicht möglich war. Laschet und Spahn schieben sich an diesem Tag zeitlich vor Merz. Bereits am Montagabend war durchgesickert, dass Merz um 11 Uhr am gleichen Ort seine Vorsitzendenkandidatur verkünden wird.

Laschet hatte seit dem angekündigten Rückzug von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer vehement für eine Teamlösung mit Merz geworben, manche warfen ihm schon Zögerlichkeit vor. Noch am Montagmorgen versucht AKK bei einem Sondertreffen mit Laschet und ihren anderen Stellvertretern, Merz doch noch für eine "Formationslösung" zu gewinnen. Die Angst vor einer weiteren Spaltung der Partei ist groß. AKK soll Merz mit der Frage angerufen haben, ob es sich lohne, mit ihm über einen Wechsel ins Kabinett Merkel zu reden. Doch dieser habe nur geantwortet, vor einem Jahr hätte er darüber nachgedacht. Nun sei es für einen solchen Schritt zu spät, erinnern sich Eingeweihte.

Der 59-jährige Laschet wirkt angespannt, als er sich dann an der Seite Spahns den Hauptstadtjournalisten stellt. Er wolle einige Gedanken zur Zukunft der CDU vortragen, sagt Laschet kurz - und überlässt dann zunächst dem viel Jüngeren das Wort. Es geht ums Teamplay, soll das wohl heißen.

"Wir befinden uns als CDU ... in der größten Krise unserer Geschichte - einer Krise des Vertrauens, des Zusammenhalts und der Zuversicht", beginnt Spahn. Die CDU riskiere ihre Zukunft als Volkspartei, wenn sie weitermache wie bisher. Dann listet der 39-Jährige drei Themen auf, die als internes Wahlprogramm verstanden werden können. Es gehe um einen funktionieren Staat, der Vertrauen in Demokratie und Rechtsstaat schaffe. "Man kann gleichzeitig für Grenzschutz und für Klimaschutz sein", sagt Spahn. Es gehe um ein "Update für die soziale Marktwirtschaft", um den Wohlstand zu bewahren, und einen "weltoffenen Patriotismus", der "Heimat, Familie, Tradition wertschätzt". Es sind Signale an die CDU-Konservativen.

Auftaktstatement

Laschet arbeitet sich die wichtigsten Themenfelder, liest beim Auftaktstatement viel vom Manuskript ab. Die Ängste der Menschen erwähnt er, beschwört Zusammenhalt der Gesellschaft. Auch die Weltpolitik streift Laschet, China, die USA, den Brexit, die Lage in Syrien.

Immer wieder grenzt sich Laschet von Merz ab. Als das Tandem Laschet/Spahn nach fast eineinhalb Stunden die Bühne räumt, gibt es keine Begegnung mit Merz.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (l.) und Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz (r. o.) meldeten am Dienstag offiziell ihre Kandidatur an. Unterstützt wird Laschet von Gesundheitsminister Jens Spahn. Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen (r. u.) hatte bereits vergangene Woche seine Bewerbung angekündigt. FOTOS: DPA

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