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Sie bleibt: Malu Dreyer, die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin und kommissarische SPD-Vorsitzende.

Die Hoffnungsträgerin

(AFP). Eine Troika sollte nach dem Rücktritt von SPD-Chefin Andrea Nahles den Übergang zu einer neuen Parteispitze gestalten. Die Parteivize Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel wurden vom Vorstand beauftragt, den Neuwahl-prozess zu organisieren. Davon ist ab heute nur noch Dreyer übrig: Denn Schäfer-Gümbel wechselt wie geplant zur Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), Schwesig zog sich wegen ihrer Krebserkrankung von der Bundesebene zurück.

Bleibt also die 58-jährige Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz als alleinige Übergangsvorsitzende. Sie genießt hohes Ansehen in der Partei und führt seit 2016 recht geräuschlos die Mainzer Ampel-Koalition mit Grünen und FDP. Seit sie ihr Regierungsamt damals trotz Umfragetiefs verteidigen konnte, ist sie für viele Sozialdemokraten zur Hoffnungsträgerin geworden.

Hauptaufgabe ihrer kurzen Solo-Amtszeit an der SPD-Spitze wird nun sein, den angestoßenen Auswahlprozess unter den immerhin noch 14 Vorsitzkandidaten weiterzuführen. Im Hintergrund des Bewerberrennens steht auch eine Richtungsentscheidung. Nicht zuletzt geht es um den Fortbestand der Koalition mit der Union, die vor allem bei SPD-Linken unbeliebt ist. Dreyer hat den Eintritt in die Groko 2018 klar mitgetragen, hält sich jetzt aber mit eigenen Positionierungen während des Kandidatenrennens zurück. Aus wichtigen aktuellen politischen Fragen heraushalten kann sie sich deswegen allerdings nicht. So war Dreyer als kommissarische SPD-Chefin auch an den Verhandlungen über das umstrittene Klimapaket der Bundesregierung beteiligt.

Dreyer ist seit Anfang 2013 als Nachfolgerin von Kurt Beck Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz. Nach der Ära Beck, die durch die Affäre um Millionen-zahlungen für den Nürburgring belastet war, gelang es Dreyer, die SPD als führende Regierungspartei im Land wiederaufzurichten.

Vor ihrem Wechsel in die Staatskanzlei war die 1961 in Neustadt an der Weinstraße geborene Tochter eines Schuldirektors und einer Erzieherin bereits seit 2002 Sozialministerin im Kabinett Beck gewesen. Die soziale Gerechtigkeit blieb ein zentrales politisches Thema für die Juristin. Verheiratet ist Dreyer mit dem früheren Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen, der drei Kinder aus erster Ehe hat. Nach ihrer Nominierung als Beck-Nachfolgerin stand zunächst besonders Dreyers Erkrankung an multipler Sklerose im Mittelpunkt des Interesses. Die Nervenkrankheit behindert sie beim Gehen, doch in ihrer Arbeit fühlt sie sich in keiner Weise eingeschränkt. Schon lange ist ihre Erkrankung kein großes Thema mehr.

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