Hoffen auf den Phönix-Moment

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Er kann nicht auf Applaus hoffen, aber das hält Robert Habeck nicht von großen Worten ab. "Es ist nicht die Stunde der nationalistischen Geier. Jetzt ist die Stunde, Phönix zu werden", sagt der Grünen-Chef, und meint Europa in der Corona-Krise. Habeck geißelt "Hyperkonsum und Turbokapitalismus", fordert Klima- und Umweltvorgaben für Unternehmen, die in der Krise vom Steuerzahler gestützt werden.

Eine normale Parteitagsrede bei den Grünen? Nein, normal ist fast nichts: Statt in die Gesichter der Delegierten in einer Halle schaut Habeck in einen ziemlich leeren Raum in der Parteitagszentrale, statt Küsschen und Umarmungen gibt es Probleme mit Webcams und Mikrofonen. Die Grünen haben als erste in der Corona-Krise das Experiment eines Online-Parteitags gewagt. Aus gutem Grund. Denn in der Corona-Krise hatten es die Grünen zuletzt nicht einfach. In den Umfragen ging es von deutlich mehr als 20 Prozent runter auf 14 bis 16.

Als Trostpflaster für die zuletzt so erfolgsverwöhnte Partei konnte der Politische Bundesgeschäftsführer Michael Kellner einen neuen Rekord verkünden: Erstmals ist die Mitgliederzahl über 100 000 geklettert, auf 101 651, Stand 27. April. "Rückenwind", sagt Kellner, er habe sich noch nie so auf einen Wahlkampf gefreut wie auf den vor der nächsten Bundestagswahl.

Ob Habeck und Mit-Parteichefin Annalena Baerbock das auch so sehen? Einer - oder eine - von beiden galt zwischenzeitlich schon halb gesetzt als Kanzlerkandidat. Oder Kandidatin.

Gerangel mit SPD

Da konkurrierten die Grünen mit der Union um Rang eins in dem Umfragen. Aktuell geht es eher um Rang zwei, ein Gerangel mit der SPD. Für die Partei, die die kleinste der sechs Bundestagsfraktionen stellt, ist das noch sehr weit entfernt von Sack und Asche. Auf einen Phoenix-Moment hoffen trotzdem schon viele, die sich an den Erfolg gewöhnt haben.

Diesen erneuten Aufschwung soll der digitale Parteitag vorbereiten, auf dem rund 90 Delegierte eine Art grünes Corona-Programm beschlossen haben. Herzstücke sind ein Konjunkturprogramm von 100 Milliarden Euro noch in diesem Jahr, das auch den Umwelt- und Klimaschutz voranbringen soll, mehr Geld für Bedürftige und Eltern sowie ein gemeinsamer Fonds der EU-Staaten von einer Billion Euro. Wenn es nicht mehr ums akute Krisenmanagement, sondern um langfristige Strategien geht, wollen die Grünen laut mitreden. dpa

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