Ein trauriger Klaus-Günther Kunzmann. Der Hessentag in Bad Vilbel ist gestern vom Land Hessen und der Stadt wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Der Hessentags-Koordinator sagt schweren Herzens: "Zu der Entscheidung gab es keine Alternative." FOTO: HANS HIRSCHMANN
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Ein trauriger Klaus-Günther Kunzmann. Der Hessentag in Bad Vilbel ist gestern vom Land Hessen und der Stadt wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Der Hessentags-Koordinator sagt schweren Herzens: "Zu der Entscheidung gab es keine Alternative." FOTO: HANS HIRSCHMANN

Hessentag abgesagt

Trotz Corona-Krise treffen sich in Deutschland noch immer Gruppen in Parks und Cafés. Die Länder schließen Ausgangsverbote nicht aus. Wegen der Corona-Pandemie ist der in Bad Vilbel geplante Hessentag abgesagt worden. Auch die Wirtschaft bereitet sich auf harte Zeiten vor.

Die 60. Auflage des Hessentags war für den 5. bis 14. Juni geplant. Bad Vilbel soll nun den nächsten offenen Termin im Jahr 2025 erhalten.

Trotz des eindringlichen Appells von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu mehr Disziplin drohen in der Corona-Krise größere Ausgangssperren in mehreren Bundesländern. Am kommenden Sonntag will Merkel dem Vernehmen nach mit den Ministerpräsidenten in einer Telefonschalte darüber beraten. Seit Donnerstag dürfen die Menschen im bayerischen Mitterteich und zwei weiteren Orten bereits nur noch in Ausnahmefällen auf die Straßen. Bayerns Landeschef Markus Söder (CSU) drohte mit einer Ausgangssperre für das ganze Bundesland.

Auch Freiburg erlässt wegen der Corona-Pandemie eine eingeschränkte Ausgangssperre. Die Stadt selbst sprach von einem Betretungsverbot für öffentliche Orte, das vom 21. März bis 3. April gelten soll. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann stellte ebenfalls schärfere Vorgaben in Aussicht. Wenn die Bürger ihr Verhalten nicht umstellten, werde ein Ausgangsverbot kommen.

Die Bundesregierung und die Notenbanken stemmen sich mit aller Macht gegen eine drohende Pleitewelle und Verwerfungen an den Finanzmärkten. Solo-Selbstständige und Kleinstfirmen sollen mit 40 Milliarden Euro unterstützt werden - über direkte Zuschüsse und Darlehen. Es geht etwa um Musiker, Fotografen, Künstler, Heilpraktiker, Dolmetscher oder Pfleger, deren Geschäfte schließen mussten, Messen, Veranstaltungen und Konzerte abgesagt wurden.

Hessen spannt Rettungsschirm

Im Kampf gegen die Corona-Krise will Hessen einen milliardenschweren Rettungsschirm spannen und der Wirtschaft unter die Arme greifen. Zunächst sollen 7,5 Milliarden Euro bereitstehen, sagte Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) gestern in Wiesbaden. Wenn es die Situation erfordere, werde der Betrag aufgestockt.

Führende Ökonomen rechnen mit einer möglicherweise sehr schweren Rezession. Vier bekannte Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten nun eine schrumpfende Wirtschaftsleistung. Die Corona-Krise könnte die deutschen Unternehmen demnach härter treffen als die Finanzkrise 2009.

In beliebten Urlaubsregionen läuft derweil weiter die größte Rückholaktion für Touristen in der Geschichte der Bundesrepublik. Nachdem am Mittwoch 1500 Urlauber aus Tunesien, Ägypten, Marokko und Aserbaidschan mit Sondermaschinen nach Deutschland geflogen wurden, starteten zusätzlich von den Philippinen und der Dominikanischen Republik Maschinen mit deutschen Touristen. Zahlreiche Länder haben wegen der rasanten Ausbreitung des Virus Grenzen dichtgemacht und Flugverbindungen gekappt.

Hamburg schließt Kitas länger

Der staatlich organisierte Nachschub an Schutzausrüstung für Praxen und Krankenhäuser kommt unterdessen in Gang. Das Gesundheitsministerium gab zehn Millionen dringend benötigte Atemschutzmasken zur weiteren Verteilung an die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Bundesländer.

Einige Eltern müssen sich darauf einstellen, ihre Kinder womöglich länger zu Hause zu betreuen als ursprünglich angekündigt. Hamburg weitete die Schließzeit der Kitas am Donnerstag bis zum 19. April aus. In vielen anderen Bundesländern waren von vornherein Schließungen bis nach den Osterferien, meist bis Mitte April geplant, in Hamburg zunächst nur bis zum 29. März.

Die Bundeswehr stellt sich darauf ein, in der Corona-Krise umfassende Hilfs- und Unterstützungsleistungen zur Verfügung zu stellen. Dafür würden die Streitkräfte auch Reservisten mobilisieren, kündigte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am Donnerstag in Berlin an. Dies gelte zunächst vor allem für den Sanitätsdienst, grundsätzlich aber auch für andere Bereiche.

In Deutschland sind bislang mehr als 13 900 Infektionen mit dem neuen Coronavirus bekannt. " Mehr im Innenteil

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