Auch an der Ostschule in Gießen wird vorerst kein Unterricht stattfinden. FOTO: SCHEPP
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Auch an der Ostschule in Gießen wird vorerst kein Unterricht stattfinden. FOTO: SCHEPP

Hessen setzt Schulpflicht aus

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Das Coronavirus zwingt Hessen zu drastischen Maßnahmen: Schulen und Kitas bleiben nur noch zur Notbetreuung offen, Besuche in Altenheimen oder Krankenhäusern werden eingeschränkt.

Der Kampf gegen die Corona-Krise wird in Hessen immer massiver. Der Schulunterricht fällt landesweit von Montag an aus, wie Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Freitag in Wiesbaden sagte. Die Schulen blieben aber für eine Notbetreuung für Kinder von solchen Eltern geöffnet, die beispielsweise in einem Krankenhaus arbeiten. Die Regelung gelte auch für die Kindertagesstätten. Am Montag hätten Schüler und Lehrer noch einmal die Gelegenheit, in die Schulen zu kommen, um Verabredungen für die unterrichtsfreie Zeit zu treffen oder persönliche Lehr- und Lernmaterialien abzuholen. Alle am Freitag verkündeten Maßnahmen gelten dem Regierungschef zufolge zunächst bis zum Ende der hessischen Osterferien (19. April).

Die Zahl der bestätigten Infektionen in Hessen stieg weiter auf 133 am Freitagnachmittag, am Vortag waren noch 91 gezählt worden.

Um Menschen zu schützen, die wegen des Coronavirus als besonders gefährdet gelten, werden die Besuchszeiten in hessischen Alten- oder Pflegeheimen sowie Krankenhäusern im Land beschränkt. Menschen, die aus Risikogebieten zurückkehrten, dürfen solche Einrichtungen 14 Tage lang nicht betreten. Angehörige bestimmter Berufsgruppen werden nach ihrer Rückkehr aus Coronavirus-Risikogebieten in Hessen unter Quarantäne gestellt. Das gelte zum Beispiel für Polizisten, Rettungskräfte oder medizinisches Personal, sagte Sozialminister Kai Klose (Grüne). Eine Quarantäne von 14 Tagen gelte auch für Richter und Feuerwehrleute.

Abitur soll wie geplant beginnen

Das Abitur in Hessen soll in der kommenden Woche wie geplant beginnen. Dies sei nach derzeitiger Einschätzung der Lage möglich, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Die ersten schriftlichen Abiturprüfungen sind für den nächsten Donnerstag (19. März) angesetzt. Auf den 20. April verschoben wird der Beginn der Vorlesungszeit an den hessischen Hochschulen.

Bis Freitagabend gaben die meisten deutschen Bundesländer bekannt, dass sämtlicher Unterricht ab Montag ausfällt. Das Robert-Koch-Institut begrüßte die Maßnahmen. RKI-Präsident Lothar Wieler nannte Schulschließungen ein "gutes Mittel", um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

Das öffentliche Leben in Deutschland ist zunehmend von der Ausbreitung des Virus betroffen. Die Folgen der Coronavirus-Krise werden auch im Sport immer dramatischer. Die Fußball-Bundesliga unterbrach den Spielbetrieb und wird an diesem Wochenende nicht spielen. Dies teilte die DFL am Freitagnachmittag mit.

Bundesweit infizierten sich laut den aktuellen Zahlen bislang mehr als 3300 Menschen, acht starben infolge des Coronavirus, davon vier in Nordrhein-Westfalen.

Unbegrenzte Kreditprogramme

Deutschlands Beschäftigte sollen in der Corona-Krise durch öffentlich finanziertes Kurzarbeitergeld vor Arbeitslosigkeit geschützt werden. Der Bundestag beschloss am Freitag in einem beispiellosen Schnellverfahren einstimmig einen Gesetzentwurf für erleichtertes Kurzarbeitergeld. Nach der Verabschiedung im Bundestag passierte er am Freitag auch den Bundesrat.

Die Bundesregierung will Unternehmen mit unbegrenzten Kreditprogrammen helfen. Über einen drastisch erhöhten Garantierahmen bei der Staatsbank KfW könnten eine halbe Billion Euro zur Verfügung gestellt werden, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Die Regierung stelle der KfW zunächst 20 Milliarden Euro zur Verfügung. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte: "Es gibt keine Grenze nach oben bei der Kreditsumme, die die KfW vergeben kann."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat versichert, dass die Bundesregierung, das Parlament und die Länder in der Corona-Krise "alles tun, was notwendig ist". Sie seien gewillt, "alles zu tun, was Deutschland braucht, damit wir durch diese Krise möglichst gut hindurchkommen", sagte Merkel am Freitag in Berlin. " Mehr im Innenteil

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