Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher soll die SPD auch in der nächsten Legislatur zur Regierung führen. Bei den Grünen tritt Katharina Fegebank als Bürgermeisterkandidatin an - eine Kampfansage an den Koalitionspartner SPD. FOTO: DPA
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Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher soll die SPD auch in der nächsten Legislatur zur Regierung führen. Bei den Grünen tritt Katharina Fegebank als Bürgermeisterkandidatin an - eine Kampfansage an den Koalitionspartner SPD. FOTO: DPA

Hamburg hat die Wahl

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Seit 1949 wurde Hamburg über fünfeinhalb Jahrzehnte von der SPD regiert. Bürgermeister Peter Tschentscher will, dass das so weitergeht. Vor der Bürgerschaftswahl morgen stehen die Chancen seiner SPD nicht schlecht - im Gegensatz zum Bundestrend.

Während die SPD in Umfragen bundesweit aktuell bei 14 Prozent dümpelt, könnte sie in Hamburg dicht an die 40 Prozent kommen. Rot-Grün hätte demnach eine deutliche Mehrheit und könnte weiterregieren.

Der "Cum-Ex"-Skandal, der im Wahlkampfendspurt für Wirbel sorgte, hat bislang kaum Auswirkungen auf die Umfrageergebnisse. Sowohl die Grünen-Bürgermeisterkandidatin Katharina Fegebank als auch die Spitzenkandidaten der Oppositionsparteien hatten von Tschentscher Aufklärung zum Umgang der Finanzbehörden mit der Warburg Bank verlangt.

Im Raum stehe der Vorwurf der politischen Einflussnahme, sagte die Zweite Bürgermeisterin Fegebank in einem TV-Duell. Es müsse klargemacht werden, warum eine Steuerrückforderung von 47 Millionen Euro aus dem Jahr 2009 nicht erhoben wurde und verjährte. Tschentscher wies den Vorwurf der politischen Einflussnahme erneut zurück. Zum konkreten Fall wollte sich der Bürgermeister wegen des Steuergeheimnisses aber nicht äußern.

In der Wahlkampfschlussphase sagten SPD, Grüne, Linke, CDU und FDP dann mehrere für Donnerstag und Freitag geplante Veranstaltungen ab. Grund war die mutmaßlich rechtsextreme und rassistische Gewalttat von Hanau mit elf Toten. Auch die AfD Hamburg ließ ihre Wahlabschluss-veranstaltung ausfallen.

Laut eines am Donnerstag veröffentlichten ZDF-Politbarometers "Extra" kämen die Sozialdemokraten auf 39 Prozent, die Grünen würden bei 24 Prozent, die CDU bei zwölf Prozent liegen. Der Projektion zufolge würde die Linke 8,5 Prozent erreichen, die AfD sechs Prozent. Die FDP muss demnach um den Einzug ins Parlament bangen (fünf Prozent).

Der Amtsinhaber

"Peter wer?" fragten viele Hamburger noch, als Peter Tschentscher vor knapp zwei Jahren überraschend neuer Bürgermeister wurde. Dabei hatte der heute 54-Jährige zuvor sieben Jahre lang das Amt des Finanzsenators inne. Doch der als zurückhaltend, sachlich und fleißig geltende Tschentscher schaffte es schnell, seine Bekanntheit zu steigern. Im Wahlkampf hat er bewiesen, dass er auch angriffslustig sein kann. Von den SPD-Wahlplakaten schaut er auf die Betrachter - der Slogan: "Die ganze Stadt im Blick."

Der gebürtige Bremer hat viele Facetten: Er ist Mediziner, großer Udo-Lindenberg-Fan, drückt dem HSV die Daumen - und spielt Klavier. Anfang Januar holte Jazz-Pianist Joja Wendt den SPD-Politiker in der Hamburger Elbphilharmonie für ein Duett auf die Bühne.

Aufgewachsen ist Tschen-tscher mit drei Brüdern im niedersächsischen Oldenburg. Er studierte an der Universität Hamburg, wurde promovierter Labormediziner.

Schon früh interessierte er sich für Politik: "Ich habe mich schon als Schüler politisch engagiert, habe gegen Atomkraft demonstriert, gegen Berufsverbote, gegen nukleare Hochrüstung", berichtete Tschentscher den Elb-Genossen bei seiner Wahl zum Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahl.

Seit 1989 SPD-Mitglied, zog Tschentscher 1991 zum ersten Mal in die Bezirksversammlung von Hamburg-Nord ein, 2008 dann in die Bürgerschaft. 2011 gab er seinen Beruf am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) auf und trat in den Senat ein. Tschentscher betont immer wieder: Er will fünf Jahre weitermachen - jedoch nur als Erster Bürgermeister.

Die Herausforderin

Noch nie stand eine Frau an der Spitze des Hamburger Senats - das möchte die grüne Herausforderin Katharina Fegebank ändern: Die 42-Jährige will die erste Erste Bürgermeisterin der Hansestadt werden. "Die Zeit ist jetzt", steht auf den Wahlplakaten der Mutter von einjährigen Zwillingen, die seit 2015 Zweite Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin in der Hansestadt ist. Mutterrolle und Führungsposition dürften heutzutage kein Widerspruch mehr sein, betont Fegebank.

Fegebank ist erst seit 2004 bei den Grünen und legte eine ganz schöne Karriere hin: 2008 wurde sie Hamburgs jüngste Parteichefin, 2011 Bürgerschaftsabgeordnete. Fegebank gilt als Vertreterin der Realos. Den Vertrag für die rot-grüne Koalition 2015 hat sie als Parteivorsitzende selbst mit ausgehandelt. Die in Bad Oldesloe geborene Fegebank wuchs in der Kleinstadt Bargteheide auf und kam 2004 in Berlin zu den Grünen. Zuvor hatte sie in Freiburg und Berlin Politik, Jura und Europawissenschaften studiert.

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