Gymnasiallehrer überlastet

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Berlin- Die gut 176 000 Gymnasiallehrerinnen und -lehrer in Deutschland sind nach Auffassung des Deutschen Philologenverbands dauerhaft überlastet, unter anderem durch zu lange Arbeitszeiten. Wie eine Studie ergab, sind die meisten trotzdem mit ihrem Beruf zufrieden, weil sie gerne mit Schülern arbeiten. "Wir können aber nicht stillschweigend in Kauf nehmen, dass unsere Gymnasien nur noch durch eine chronische Überlastung der Lehrkräfte funktionieren", sagte die Vorsitzende des Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing, anlässlich der Vorstellung der Studie in Berlin.

Für die Untersuchung hatte das Institut für Präventivmedizin Rostock im Auftrag des Verbandes rund 16 000 Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien befragt. Es handele sich um die erste bundesweite Studie dieser Art, hieß es. Die teilnehmenden Lehrer mussten einen Online-Fragebogen ausfüllen und zusätzlich vier Wochen lang ein Arbeitzeitprotokoll führen.

Vollzeitlehrkräfte an Gymnasien arbeiten demnach im Schnitt 45,2 Stunden in der Woche. Fast jede zweite Vollzeitlehrkraft hat ein Wochenarbeitspensum von 45 Stunden und mehr. So gut wie alle Befragten (95 Prozent) nannten große Leistungsunterschiede zwischen den Schülern als Hauptgrund für die empfundene Belastung im Job. Die Arbeit werde dadurch immer anspruchsvoller, sagte Lin-Klitzing. Das reiche von der Unterrichtsvorbereitung über den Unterricht bis hin zur Nachbereitung. Als zweithäufigster Grund wurde ein zu hohes Arbeitspensum genannt (90 Prozent), dahinter folgen zu wenig Pausen im Schulalltag (72).

Krank in die Schule

Fast alle befragten Gymnasiallehrer (93 Prozent) gaben an, dass sie bei Krankheitsgefühl trotzdem arbeiten gehen. Und viele (85 Prozent) ziehen, wenn sie sich krank fühlen, nach eigenen Angaben bis zum Wochenende durch, um sich erst dann zu erholen. Jeder Dritte geht sogar gegen ärztlichen Rat zur Arbeit. "Damit unsere Kinder und Jugendlichen gesund aufwachsen können, ist es wichtig, dass sie auch gesunde Lehrer haben", sagte Andreas Storm, Chef der Krankenkasse DAK.

Der Philologenverband als Interessenvertretung der Gymnasiallehrer forderte mehr ruhige Rückzugsorte in den Schulen, kleinere Klassen und weniger vorgeschriebene Unterrichtsstunden für die Lehrer. Das wäre nach Ansicht der Verbandes auch umsetzbar, weil es an den Gymnasien im Gegensatz zu anderen Schulformen keinen grundsätzlichen Lehrermangel gebe. dpa

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